ASML: Prognose auf 43–45 Milliarden Euro angehoben

ASML korrigiert Jahresumsatzprognose nach oben. Starke KI-Nachfrage treibt Aufträge und Kapazitätsausbau des Chipausrüsters.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzerwartung für 2026 erhöht
  • Starkes zweites Quartal übertroffen
  • Kapazitätsausbau um 30 Prozent geplant
  • Analysten mehrheitlich optimistisch

ASML hat seine Umsatzprognose für 2026 deutlich nach oben korrigiert. Der niederländische Lithografie-Spezialist rechnet nun mit einem Jahresumsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro – zuvor hatte das Unternehmen eine Spanne von 36 bis 40 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Grund für die Anhebung ist eine außergewöhnlich starke Auftragslage im ersten Halbjahr, getrieben von der anhaltenden Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz.

Starkes zweites Quartal übertrifft Erwartungen

Im zweiten Quartal erzielte ASML einen Umsatz von 9,33 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 2,92 Milliarden Euro. Beide Werte lagen über den Markterwartungen. Der Gewinn je Aktie stieg auf 7,59 Euro, ein Plus von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Bruttomarge um 100 Basispunkte auf 54 Prozent zulegte. Das Unternehmen verkaufte im Quartal 91 Systeme, 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das dritte Quartal stellt ASML einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro in Aussicht, ein Plus von 53 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, bei einer Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent.

Um die Nachfrage bedienen zu können, will ASML seine Fertigungskapazität für EUV- und DUV-Systeme im kommenden Jahr um 30 Prozent ausbauen. Für 2028 wird ein weiterer Kapazitätssprung in ähnlicher Größenordnung geprüft. CEO Christophe Fouquet begründete den Ausbau mit der ungebrochen starken Nachfrage aus dem KI-Sektor, die Kunden zu umfangreichen Vorbestellungen veranlasse.

Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch

Die Reaktion der Wall Street auf die Zahlen fiel überwiegend positiv aus. Von 43 Analysten, die ASML abdecken, empfehlen 38 die Aktie zum Kauf oder zum starken Kauf. Bernstein hob sein Kursziel im Zuge der Zahlenvorlage an. Die Einschätzung reiht sich ein in eine breitere Aufwärtsbewegung bei Ausrüstungsherstellern der Halbleiterbranche, die von der KI-getriebenen Investitionswelle profitieren – auch der Auftragsfertiger TSMC hatte zuletzt seine Jahresprognose sowie seine Investitionsausgaben kräftig erhöht.

An der Börse zeigt sich die Neubewertung von ASML in den vergangenen Monaten deutlich. Die Aktie schloss zuletzt bei 1.576,60 Euro und notiert damit gut 3,8 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, erreicht Ende Juni, fehlen der Aktie derzeit rund 9,8 Prozent – ein Abstand, der angesichts der massiven Kursgewinne der vergangenen zwölf Monate moderat ausfällt und eher auf eine Verschnaufpause als auf einen Stimmungsumschwung hindeutet.

Politisches Risiko bleibt im Hintergrund

Neben der operativen Stärke rückt auch die geopolitische Dimension des Geschäfts wieder in den Fokus. US-Handelsminister Lutnick äußerte Bedenken über den möglichen Verbleib einer ASML-EUV-Maschine in China und damit über eine mögliche Verletzung von Exportkontrollen. ASML-Chef Fouquet betonte dazu, das Unternehmen verfüge über ein lückenloses Tracking-System für seine Anlagen und liefere nach China ausschließlich ältere Gerätegenerationen. Parallel investiert die US-Regierung in das Startup xLight, das langfristig als Konkurrent zu ASMLs EUV-Technologie aufgebaut werden soll. Zudem liegt im US-Kongress ein überparteilicher Gesetzentwurf vor, der Lieferungen von DUV-Systemen nach China unterbinden soll.

Auf der operativen Ebene sorgt derweil auch die Belegschaft für Gesprächsstoff: Bei ASML Korea ist die Gewerkschaft nach Angaben eines südkoreanischen Medienberichts auf über 1.000 Mitglieder angewachsen, getrieben von Unmut über geringere Bonuszahlungen im Vergleich zu Samsung und SK hynix. Das Unternehmen reagierte mit der Ankündigung eines Sonderbonus in Aktienform sowie einem globalen Aktienprogramm für berechtigte Mitarbeiter zwischen 2027 und 2030.

Unterm Strich bestätigt die jüngste Berichtssaison den Status von ASML als zentralem Nutznießer des KI-getriebenen Investitionszyklus in der Halbleiterindustrie. Die deutlich angehobene Jahresprognose und die geplanten Kapazitätserweiterungen signalisieren, dass das Management von einer mehrjährigen Nachfragephase ausgeht – auch wenn geopolitische Unsicherheiten rund um den China-Handel ein Risiko für die Auftragsentwicklung bleiben.

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