ASML: Quartalsbericht am 15. Juli

Trotz optimistischer Analystenprognosen fällt die ASML-Aktie vor den Quartalszahlen. Die hohe Bewertung sorgt für Zurückhaltung.

Die Kernpunkte:
  • Deutsche Bank und Bernstein heben Kursziele an
  • Aktie verliert trotz bullischer Analystenstimmen
  • Hohe Bewertung dämpft Optimismus der Anleger
  • Quartalszahlen am 15. Juli im Fokus

Drei Analysehäuser überbieten sich diese Woche mit optimistischen Kurszielen für ASML. Die Aktie selbst tut sich damit schwerer. Am Freitag schloss das Papier bei 1.574,20 Euro, ein Minus von 0,51 Prozent auf Tagessicht und 3,30 Prozent auf Wochensicht.

Der Rücksetzer kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Am 15. Juli legt ASML die Zahlen für das zweite Quartal vor, und Investoren positionieren sich neu. Auf Jahressicht steht die Aktie trotz der jüngsten Schwäche noch immer 59,28 Prozent im Plus, binnen zwölf Monaten hat sie sich mehr als verdoppelt.

Analysten überschlagen sich mit Kurszielen

Deutsche Bank hob ihr Kursziel für ASML von 1.600 auf 1.800 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Das reiht sich in eine ganze Serie bullischer Einschätzungen ein.

Noch aggressiver zeigte sich Bernstein: Die Analysten erhöhten ihr Kursziel von 1.700 auf 2.300 Euro und bekräftigten ihre Outperform-Einstufung. Begründet wird der Schritt mit höheren Erwartungen an ASMLs EUV-Lithografiemaschinen — für 2027 rechnet Bernstein nun mit 91 ausgelieferten Einheiten, für 2028 mit 113. Treiber ist der KI-getriebene Ausbau von Kapazitäten für fortschrittliche Logikchips und DRAM-Speicher. Auch Morgan Stanley zog in dieser Woche mit einer Kurszielanhebung nach.

Rückenwind kommt zusätzlich aus der Chipbranche selbst. Applied-Materials-Chef Gary Dickerson berichtete im Interview mit Nikkei Asia, Chiphersteller würden ihre Ausrüstungsbedarfe inzwischen für zwei Jahre und mehr im Voraus planen. Das deutet darauf hin, dass der KI-Investitionszyklus länger anhalten könnte als bislang angenommen. Applied Materials selbst rechnet mit einem Umsatzplus von 50 Prozent bei Chip-Packaging-Werkzeugen. Solche Aussagen aus der Lieferkette stützen auch die Stimmung rund um ASML, das in denselben Investitionszyklus verkauft.

Bewertung lässt wenig Spielraum

Nicht jede Stimme ist ungetrübt optimistisch. Eine am 10. Juli veröffentlichte Analyse von Seeking Alpha stuft ASML trotz robuster Chipnachfrage und angehobener Prognosen nur als Halteposition ein. Der Grund: Die Bewertung liegt deutlich über dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.

Die Gewinnschätzungen sind zwar kräftig gestiegen — die Prognose für das Gewinn je Aktie 2027 kletterte von 36,46 auf 49,46 US-Dollar, getrieben von der KI-Nachfrage. Beim aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 58 auf Basis der vergangenen zwölf Monate und 48,6 auf Basis der Prognosen bleibt aber wenig Puffer für weitere Kurssteigerungen. Historisch fiel die Kursreaktion nach ASML-Quartalszahlen zudem eher verhalten aus, selbst wenn die Ergebnisse die Erwartungen übertrafen.

Genau hier liegt die Spannung: Analysten heben ihre Kursziele an, während die Aktie bereits mit einem satten Aufschlag gegenüber historischen Bewertungsmaßstäben handelt. Das lässt wenig Raum für Enttäuschungen.

Volatilität steigt vor den Zahlen

Die Nervosität vor dem Quartalsbericht zeigt sich auch in den Kennzahlen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 64,27 Prozent — ein Wert, der die typische Unsicherheit vor einem wichtigen Ergebnistermin widerspiegelt.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.748 Euro, erreicht am 30. Juni, ist die Aktie derzeit 9,94 Prozent entfernt. Zum 52-Wochen-Tief von 593,60 Euro vom August 2025 beträgt der Abstand dagegen 165,20 Prozent. Der Kurs notiert sowohl über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.477,77 Euro als auch deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.166,58 Euro. Der 14-Tage-RSI steht bei 51,1 — ein neutraler Wert, der weder auf eine überkaufte noch auf eine überverkaufte Situation hindeutet.

Mit mehreren frisch angehobenen Kurszielen im Rücken und positiven Signalen aus der Zulieferkette geht ASML in einen Quartalsbericht, der zeigen muss, ob die hohe Bewertung durch weitere Prognoseanhebungen gerechtfertigt bleibt. Am 15. Juli liefert das Unternehmen die Antwort.

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