ASML: Shanghai-Gerücht löst 8-Prozent-Sturz aus
ASML-Aktie erholt sich nach China-Schock. Trotz Konkurrenz-Sorgen stützen starke Quartalszahlen und Analysten-Käufe den Kurs.

- Kurserholung nach China-Schock
- Starke Quartalszahlen übertreffen Prognosen
- Analysten sehen überzogene Reaktion
- China-Anteil am Umsatz sinkt
Selten zeigt eine einzelne Aktie so klar, wie nervös der Markt auf die Frage nach technologischer Souveränität reagiert, wie ASML in den vergangenen zwei Wochen. Ein Gerücht aus Shanghai reichte, um Milliarden an Marktkapitalisierung zu vernichten – und ebenso schnell wieder aufzuholen. Wer verstehen will, wohin die Chipbranche steuert, kommt an diesem Kursverlauf nicht vorbei.
Der Schock aus Shanghai
Ende Juli berichtete The Information unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, ein chinesisches, staatlich unterstütztes Unternehmen habe mit der Massenproduktion von Immersions-DUV-Lithografiemaschinen begonnen – Werkzeugen, die bislang praktisch nur ASML in dieser Qualität liefert. CNBC ergänzte, die Maschinen sollten noch in diesem Jahr an SMIC und Changxin Memory Technologies gehen. Die Aktie brach daraufhin um bis zu acht Prozent ein, US-Wettbewerber wie Applied Materials, Lam Research und KLA wurden mit heruntergezogen. Eine alternative Version der Geschichte sprach sogar von einem Konsortium um Huawei und SiCarrier, das noch 2026 fünf Systeme an heimische Chiphersteller liefern wolle. Laut Motley Fool schloss die Aktie den Monat Juli mit einem Minus von 18 Prozent ab – ein Einbruch, der auch das allgemeine Risikoaversion im KI-Sektor widerspiegelte.
Heute, gut zwei Wochen später, notiert die Aktie bei 1.495,20 Euro und hat sich binnen sieben Tagen um 5,03 Prozent erholt. Ganz ausgestanden ist der Schreck aber nicht: Zum 52-Wochen-Hoch von 1.748 Euro fehlen weiterhin 14,46 Prozent. Der Markt preist also weiterhin eine gewisse Unsicherheit ein, ohne in Panik zu verfallen.
Zahlen, die die Angst relativieren
Interessant ist, dass ASML selbst schon vor dem DUV-Schreck Zahlen geliefert hatte, die die Abhängigkeit von genau jenem Geschäft schrumpfen zeigen, um das sich die Sorge dreht. Der DUV-Anteil am Gesamtumsatz fiel von 44 Prozent im Jahr 2024 über 42 Prozent 2025 auf nur noch 29 Prozent im jüngsten Quartal. Der China-Anteil sank parallel von 41 auf 33 und zuletzt auf 14 Prozent der Netto-Systemumsätze von 6,6 Milliarden Euro im zweiten Quartal. Das Unternehmen selbst berichtete Mitte Juli einen Gesamtumsatz von 9,3 Milliarden Euro, eine Bruttomarge von 54,0 Prozent und einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro – beides über der eigenen Prognose. Für das Gesamtjahr hob ASML die Umsatzerwartung auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. CEO Christophe Fouquet sprach von einem „extrem starken“ Auftragseingang und kündigte an, die Low-NA-EUV- und DUV-Immersionskapazität 2027 um weitere rund 30 Prozent auszubauen.
Wer die Kapitalrückführung als Stimmungsbarometer liest, findet ebenfalls wenig Anlass zur Sorge: Im zweiten Quartal kaufte ASML Aktien im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro zurück, dazu kam am 5. August die Auszahlung einer Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie.
Analysten sehen die Kursreaktion als überzogen
Am 27. Juli bezeichnete Analyst Didier Scemama den Ausverkauf als „attraktive Gelegenheit“ und bekräftigte ein Kursziel von 2.452 Euro; seine Rechnung: Selbst wenn China im kommenden Jahr 20 heimische Maschinen einsetzen würde, entspräche das nur einem Umsatzverlust von rund 1,4 Milliarden Euro – 2,4 Prozent des erwarteten Konzernumsatzes. Analyst Sandeep Deshpande wies ebenfalls auf den Unterschied zwischen einem Prototyp und der Dominanz einer Fertigungshalle hin, räumte aber langfristige Risiken für das China-Geschäft ein. Am 30. Juli nahm Goldman Sachs ASML in seine europäische Conviction List auf, am Montag kürte Bernstein den Titel zum „Top Q3 Pick“.
Bemerkenswert ist zudem ein Detail, das im Getöse der Schlagzeilen fast untergeht: Chinesische Kunden haben zuletzt zugestimmt, für weniger fortschrittliche DUV-Systeme rund zehn Prozent mehr zu zahlen – ein Hinweis darauf, dass heimische Alternativen noch Jahre von vergleichbarer Leistung und Skalierung entfernt sein könnten. Parallel dazu treibt der US-Kongress mit dem MATCH Act ein Gesetz voran, das China vom Kauf und der Wartung genau dieser DUV-Maschinen abhalten soll – ein Vorhaben, das seine Wirkung verlieren würde, sollte China die Technik tatsächlich selbst beherrschen.
Bleibt die Frage, die sich niemand ganz beantworten kann: Ist der Prototyp aus Shanghai der Anfang einer echten Konkurrenz – oder nur ein weiteres Kapitel in einem Wettlauf, den ASML technologisch noch klar anführt? Die Aktie selbst, mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 52,14 Prozent, scheint diese Unsicherheit derzeit Tag für Tag neu zu verhandeln.
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