ASML: Zwischendividende um 17 Prozent erhöht
ASML steigert Zwischendividende um 17 Prozent und erhöht Umsatzprognose für 2026 erneut. Aktienrückkäufe von über 2 Milliarden Euro angekündigt.

- Dividende um 17 Prozent erhöht
- Umsatzprognose für 2026 angehoben
- Aktienrückkäufe über 2 Milliarden Euro
- Kapazität bis Ende 2027 ausgebucht
ASML hat am Dienstag seine Zwischendividende um 17 Prozent erhöht und zugleich die Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Der niederländische Lithografie-Spezialist begründet den Schritt mit der anhaltend starken Nachfrage nach Chips für Künstliche Intelligenz. Die Zwischendividende von 1,88 Euro pro Aktie wird am Donnerstag ausgezahlt, die Ausschüttungsquote bleibt dabei unter 30 Prozent des Gewinns. Zusätzlich kündigte das Unternehmen Aktienrückkäufe von mehr als 2 Milliarden Euro an.
Anleger honorierten die Nachrichten deutlich: Die Aktie schloss am Dienstag mit einem Plus von 3,52 Prozent bei 1.480,40 Euro. Auf Wochensicht steht damit ein Zuwachs von 9,40 Prozent, allerdings liegt das Papier noch immer rund 15 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro. Der jüngste Kursschub kompensiert einen Teil der Verluste aus dem Sommer, als Sorgen um chinesische Fertigungskapazitäten und um die Nachhaltigkeit der KI-Investitionen den gesamten Chipsektor unter Druck gesetzt hatten.
Kapazität bis Ende 2027 ausgebucht
Grundlage der optimistischen Prognose ist eine ausgebuchte Fertigung: Nach Marktbeobachtungen ist die Produktionskapazität für ASMLs EUV-Lithografiesysteme bis Ende 2027 bereits verkauft. Diese Maschinen sind weltweit die einzigen, die die feinsten Strukturen für fortschrittliche Chips belichten können – ein technologisches Monopol, das dem Unternehmen aus dem niederländischen Veldhoven trotz eines Ökosystems von rund 5.100 Zulieferern eine Sonderstellung in der Halbleiterindustrie sichert. Die neueste High-NA-EUV-Maschine kostet nach Angaben aus der Branche rund 350 Millionen Euro pro Einheit. UBS-Analysten rechnen angesichts der Auftragslage mit einem stärkeren zweiten Halbjahr 2026.
Die Reaktion der Analystenhäuser fiel überwiegend positiv aus. Goldman Sachs nahm ASML in seine europäische Conviction List auf, Bernstein kürte das Papier zum Top Pick für das dritte Quartal 2026 und vergab ein Kursziel von 2.500 Euro. Freedom Broker hob sein Kursziel auf 2.100 US-Dollar an. Der Analystenkonsens liegt bei einem durchschnittlichen Kursziel von 2.177,64 US-Dollar, bei einer Spanne von 1.450 bis 2.845,76 US-Dollar – die überwiegende Einstufung lautet Kaufen. Kritischere Stimmen verweisen dagegen auf die Bewertung: Nach dem Kursanstieg der vergangenen Tage notiert die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 53,5, deutlich über dem eigenen Fünfjahresmedian von 39,3.
China bleibt größter Unsicherheitsfaktor
Neben der operativen Stärke bleibt die geopolitische Lage ein Risikofaktor. US-Handelsminister Howard Lutnick äußerte zuletzt Bedenken, wonach eine ASML-EUV-Maschine in China gelandet sein könnte. ASML-Chef Christophe Fouquet wies das zurück und betonte, keine EUV-Anlage sei je nach China geliefert worden – jede Maschine werde lückenlos nachverfolgt. Die älteren DUV-Systeme, die ASML weiterhin nach China verkaufen darf, sollen 2026 für rund 20 Prozent des Konzernumsatzes stehen. Ein überparteilicher Gesetzesentwurf im US-Kongress zielt darauf ab, auch diese DUV-Lieferungen künftig zu untersagen – ein Szenario, das ASMLs China-Geschäft empfindlich träfe.
Parallel dazu treibt Peking den Aufbau einer eigenen Lithografie-Industrie voran. Der staatlich finanzierte Hersteller Shanghai Aishengna hat mit einer Niedrigvolumenproduktion von Immersions-DUV-Maschinen begonnen: fünf Systeme sind für 2026 geplant, 20 weitere für 2027. Erste Einheiten werden derzeit bei den Chipherstellern SMIC, Hua Hong und CXMT zur Validierung getestet. Die Maschinen erreichen bislang lediglich 28-Nanometer-Strukturen in einfacher Belichtung, feinere 7- und 5-Nanometer-Strukturen wären nur über aufwendiges Multi-Patterning möglich. Ein funktionsfähiger EUV-Prototyp aus Shenzhen erzeugt zwar bereits Photonen, hat aber noch keinen einzigen Wafer belichtet. Branchenbeobachter rechnen frühestens 2028, realistischer erst 2030, mit einer chinesischen Chipproduktion auf Basis eigener Lithografietechnik. ASML hält am globalen Immersionsmarkt weiterhin einen Anteil von 98,7 Prozent.
Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert ASML mit angehobener Prognose, höherer Dividende und ausgebuchter Kapazität klare Stärkesignale. Die Aktie notiert derzeit rund 3,8 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1.538,94 Euro – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Erholungsversuch den mittelfristigen Trend noch nicht vollständig zurückerobert hat. Die politische Debatte um Exportkontrollen und die längerfristige chinesische Konkurrenz dürften die Kursschwankungen vorerst hoch halten.
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