AST SpaceMobile Aktie: 45 Satelliten erst 2027
AST SpaceMobile sammelt eine Milliarde Dollar ein, verschiebt aber den Ausbau seines Satellitennetzwerks auf 2027. Die Aktie fällt deutlich.

- Milliarden-Finanzierung über Wandelanleihen
- Satelliten-Ausbau auf 2027 verschoben
- Probleme bei Raketenanbieter Blue Origin
- Aktie fällt in überverkauften Bereich
Eine Milliarde US-Dollar frisches Kapital und ein verschobener Zeitplan für den Ausbau des Satelliten-Netzwerks haben die Anleger von AST SpaceMobile verschreckt. Das Unternehmen kombiniert eine umfangreiche Finanzierungsrunde mit der Nachricht, dass das Ziel von 45 aktiven BlueBird-Satelliten nicht mehr im laufenden Jahr, sondern erst Anfang 2027 erreicht werden kann. In der Folge verzeichnete das Papier am Donnerstag einen deutlichen Rücksetzer und schloss bei 48,15 Euro.
Milliardenschwere Wandelanleihe schürt Verwässerungsängste
AST SpaceMobile hat die Platzierung von vorrangigen Wandelanleihen mit einem Volumen von einer Milliarde US-Dollar angekündigt. Die bis 2034 laufenden Papiere sind mit einem Zinssatz von 1,625 Prozent ausgestattet, was als eine der günstigsten Finanzierungsraten in der Unternehmensgeschichte gilt. Der anfängliche Wandlungspreis wurde auf 79,57 US-Dollar festgesetzt, was einer Prämie von 20 Prozent entspricht. Durch sogenannte Capped-Call-Transaktionen soll die effektive Verwässerungsgrenze auf 149,20 US-Dollar angehoben werden.
Nach Abzug der Kosten rechnet das Unternehmen mit einem Nettoerlös von rund 983,6 Millionen US-Dollar. Es ist bereits die zweite Milliarden-Finanzierung in diesem Jahr, nachdem bereits im Februar eine ähnliche Transaktion durchgeführt wurde. Das Management plant, die Mittel für Wachstumsinitiativen, den Ausbau der orbitalen Kapazitäten sowie für potenzielle Übernahmen zur vertikalen Integration zu nutzen. Zum 30. Juni verfügte das Unternehmen noch über liquide Mittel in Höhe von 2,72 Milliarden US-Dollar.
Verzögerungen durch Probleme bei Blue Origin
Parallel zur Finanzierung musste AST SpaceMobile den Zeitplan für seine Konstellation anpassen. Das Ziel, 45 BlueBird-Satelliten im Orbit zu haben, verschiebt sich von Ende 2026 auf den Beginn des Jahres 2027. Grund hierfür sind Rückschläge beim Raketenanbieter Blue Origin: Nach einem Fehlstart der New Glenn-Rakete im April und einer Explosion bei Bodentests im Mai ist dieser Trägertyp vorerst nicht einsatzbereit. Ein BlueBird-Satellit ging bereits im April bei einem Fehlstart verloren.
Um den Ausbau voranzutreiben, setzt das Unternehmen verstärkt auf SpaceX. Im Juni wurden bereits drei BlueBird-Satelliten mit einer Falcon 9 erfolgreich gestartet, drei weitere sollen im August folgen. Bisher befinden sich zehn Satelliten im Orbit. Trotz der Verzögerungen im Zeitplan plant das Unternehmen, erste Beta-Dienste noch vor Ende 2026 anzubieten, während der vollständige kommerzielle Betrieb für das erste Halbjahr 2027 angestrebt wird. Die US-Fernmeldebehörde FCC hatte erst im Juni die Genehmigung für ein System von bis zu 248 Satelliten erteilt.
Strategische Pläne und Analysteneinschätzungen
Marktexperten wie Tim Farrar spekulieren nun darüber, ob AST SpaceMobile den Erlös aus der Anleihe nutzen wird, um einen eigenen Startdienstleister zu erwerben oder sich an einem solchen zu beteiligen, um die Abhängigkeit von externen Partnern zu verringern. Mögliche Ziele könnten Unternehmen wie Firefly, Relativity Space oder Stoke Space sein. Zeitgleich treibt das Unternehmen internationale Projekte voran, darunter fortgeschrittene Gespräche mit Rakuten über ein Joint Venture für das japanische J-LEO-Programm, ein Projekt mit einem Volumen von 148 Milliarden Yen.
Die Analysten reagierten gespalten auf die Nachrichtenlage. Alexander Potter von Piper Sandler startete die Beobachtung mit einer „Overweight“-Bewertung und einem Kursziel von 100 US-Dollar. Er sieht trotz der Konkurrenz durch Starlink ein massives Potenzial durch die Partnerschaften mit Mobilfunkbetreibern wie AT&T und Verizon. Weniger optimistisch zeigen sich die Analysten von Barclays, die das Papier mit „Underweight“ und einem Ziel von 65 US-Dollar führen, während die Deutsche Bank ihr Rating auf „Hold“ herabstufte.
Nach dem jüngsten Kursrutsch notiert das Papier rund 58 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 114,60 Euro. Mit einem Relative-Stärke-Index (RSI) von 29,7 ist der Wert technisch gesehen in den überverkauften Bereich eingetreten. Fundamental belasten zudem die jüngsten Quartalszahlen: Im zweiten Quartal wies AST SpaceMobile einen Verlust von 0,66 US-Dollar je Aktie aus und verfehlte mit einem Umsatz von 14,73 Millionen US-Dollar die Markterwartungen deutlich.
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