AST SpaceMobile Aktie: Eine Milliarde für Startanbieter
Nach der Explosion einer New-Glenn-Rakete verschiebt AST SpaceMobile den kommerziellen Dienst. Eine Milliarden-Kapitalrunde soll die Abhängigkeit von einzelnen Startpartnern reduzieren.

- Raketenexplosion stoppt Satellitenmission
- Milliarden-Kapitalrunde für Startalternativen
- FCC-Genehmigung für 248 Satelliten erteilt
- Aktie verliert 32 Prozent in 30 Tagen
Eine misslungene Rakete des Partners Blue Origin wirft die Zeitplanung von AST SpaceMobile über den Haufen. Nach der Explosion der New-Glenn-Rakete bei einem Bodentest am 19. Juli verschiebt das Unternehmen den kommerziellen Start seines Satellitendienstes auf 2027. Der Satellit BlueBird 7 geriet bei dem Vorfall in eine zu niedrige Umlaufbahn und wird nach den Erkenntnissen der laufenden Untersuchung kontrolliert zum Verglühen gebracht. Der Verlust ist versichert. Die US-Luftfahrtbehörde FAA setzte nach der Anomalie sämtliche New-Glenn-Flüge aus, ein erster wiederverwendeter Booster war zuvor noch erfolgreich gelandet.
Kapitalspritze für alternative Startanbieter
Um künftig nicht mehr von einem einzelnen Raketenpartner abhängig zu sein, sammelt AST SpaceMobile eine Milliarde Dollar über Wandelschuldverschreibungen ein. Das Kapital soll alternative Startkapazitäten sichern, zugleich prüft das Unternehmen mögliche Übernahmen. Als potenzieller neuer Partner wird United Launch Alliance genannt. Der Ausfall eines einzigen Zulieferers hat gezeigt, wie verwundbar der gesamte Ausbauplan der Satellitenflotte ist – die Diversifizierung der Trägerraketen wird damit zur strategischen Priorität.
Kurzfristig bleibt SpaceX der zentrale Partner: Im Juni brachte eine Falcon 9 bereits die Satelliten BlueBird 8, 9 und 10 mit jeweils 2.400 Quadratfuß großen Antennen ins All. Für diese Woche ist ein weiterer Start von drei BlueBird-Satelliten angekündigt, der Quartalsbericht folgt am 10. August. Damit verfügt AST SpaceMobile aktuell über sieben Satelliten im Orbit – für eine lückenlose Abdeckung braucht das Unternehmen nach eigenen Angaben 45 bis 60 Stück. Der direkte Wettbewerber Starlink Mobile kommt bereits auf mehr als 650 Satelliten, wenn auch mit Downloadraten von nur rund 4 Mbit/s.
Regulierung und Kunden im Rücken
Trotz des Rückschlags bei der Trägerrakete hat AST SpaceMobile auf der Kundenseite zuletzt Boden gutgemacht. Die US-Regulierungsbehörde FCC erteilte dem Unternehmen die volle kommerzielle Genehmigung für eine Konstellation von 248 Satelliten in den Frequenzbändern 700 und 800 MHz. Verizon leistete im Zuge der Vereinbarung eine Vorauszahlung von 45 Millionen Dollar – ein Signal, dass die Telekomkunden trotz der Verzögerung an Bord bleiben. Ursprünglich sollte der Dienst für AT&T und Verizon noch Ende 2026 starten, nun verschiebt sich dieser Zeitpunkt in Richtung 2027. Auch bei internationalen Partnern geht der Ausbau weiter: Bell Canada hat eine Bodenstation in Quebec für den späteren Satellitendienst fertiggestellt, während der kanadische Wettbewerber Rogers auf Starlink setzt.
Analysten bleiben vorsichtig, der Sektor bewegt sich
Scotiabank stufte die Aktie Ende Juli auf „Sector Perform“ hoch, senkte das Kursziel dabei aber auf 50,8 Dollar – ein Zeichen dafür, dass auch wohlwollende Analysten nach dem Raketenausfall vorsichtiger kalkulieren. Goldman Sachs verweist unterdessen auf das größere Bild: Der Bankenriese sieht in Satelliten-Breitband und Verteidigungstechnologie langfristiges Wachstumspotenzial für die gesamte Raumfahrtbranche, warnt zugleich aber vor einer Volatilität, die etwa fünfmal so hoch ausfällt wie beim S&P 500 – ein Muster, das sich in der Kursentwicklung von AST SpaceMobile derzeit deutlich zeigt.
Der Aktienkurs hat die Turbulenzen der vergangenen Wochen bereits eingepreist. Am Freitag schloss das Papier bei 51,20 Euro, nach einem Rückgang von 32,36 Prozent innerhalb von 30 Tagen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 114,60 Euro, erreicht Ende Mai, trennen die Aktie damit inzwischen 55,32 Prozent. Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Regulatorisch und beim Kundennetz macht AST SpaceMobile Fortschritte, technisch und beim Startpartner hakt es dagegen weiterhin.
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