Audi baut in Georgia: Was heißt das für VW-Aktionäre in der Zinswoche?
Das geplante Audi-Werk könnte Volkswagen bei Importzöllen entlasten; Tarifstreit und deutsche Konjunkturdaten bleiben weitere Themen.

- Audi plant Werk für vier Milliarden Dollar
- Rund 4.500 Arbeitsplätze in Georgia vorgesehen
- VW-Tarifstreit beginnt am 24. November
- Deutsches BIP-Wachstum von 0,1 Prozent prognostiziert
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Audi baut erstmals ein eigenes Werk in den USA. Donald Trump verkündete das Projekt am Samstag auf einer Wahlkampfveranstaltung in Perry im Bundesstaat Georgia. Audi-Chef Gernot Döllner stand neben ihm auf der Bühne. In Macon sollen für rund vier Milliarden Dollar SUV entstehen, dazu rund 4.500 Arbeitsplätze.
Warum macht Volkswagen das? Laut Bloomberg erhofft sich der Konzern im Gegenzug Erleichterung bei den Importzöllen, die das Konzernergebnis belasten. Für Sie als Anleger fällt die Nachricht in eine besondere Woche. Washington und Frankfurt legen den Preis des Geldes fest, und Ifo wie BIP vermessen den Zustand der Heimat.
Fed: Wie viel Schutz bleibt den teuren Wachstumswerten?
Die US-Notenbank Fed veröffentlicht am Mittwoch, 28. Oktober, um 19:00 Uhr ihren Zinsentscheid, die Pressekonferenz folgt um 19:30 Uhr. Volkswirte erwarten im Schnitt eine unveränderte Obergrenze der Zielspanne von 4 Prozent. Der DAX kann erst am Donnerstag reagieren, weil der Termin nach Handelsschluss liegt.
Was steht in dieser Woche sonst an? Rund ein Drittel der S&P-500-Unternehmen legt Zahlen vor, darunter Alphabet, Microsoft und Amazon. Bei Microsoft erwartet der Markt laut Vorschauen erneut etwa 45 Prozent währungsbereinigtes Wachstum bei Azure. Währungsbereinigt heißt, dass schwankende Wechselkurse herausgerechnet sind. Nach den enttäuschend aufgenommenen Zahlen von Meta ist die Stimmung im Technologiesektor allerdings angeschlagen.
Steigen die Zinserwartungen, geraten hoch bewertete Wachstumswerte unter Druck, weil künftige Gewinne stärker abgezinst werden. Ein Gewinn, der erst in ferner Zukunft anfällt, ist heute dann weniger wert. Für mich zählt am Mittwoch deshalb weniger der Zinssatz als der Ton der Pressekonferenz. Er entscheidet, ob die Cloud-Zahlen als Wachstumsbeleg oder als teure Wette gelesen werden.
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Gold geht mit dem tiefsten Wochenschluss seit über einem Jahr in den Termin. Bitcoin lag am Samstagabend nahezu unverändert seit Freitag.
EZB: Wie teuer wird Paris für Europas Banken?
Die EZB gibt ihr Ratsergebnis am Donnerstag, 29. Oktober, um 14:15 Uhr bekannt, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr. Volkswirte erwarten im Schnitt einen unveränderten Hauptrefinanzierungssatz von 2,65 Prozent. Zu diesem Satz leihen sich Banken Geld bei der Notenbank.
Der Rahmen ist unruhig. Der Risikoaufschlag französischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen liegt über 150 Basispunkten, so hoch wie seit 2011 nicht. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozentpunkt. Moody’s beließ Frankreichs Bonität am Freitag nach US-Börsenschluss unverändert mit negativem Ausblick, obwohl der Anleihemarkt eine Herabstufung eingepreist hatte.
Droht nun eine Ansteckung anderer Euroländer? Capital Economics und Mapfre AM halten das für unwahrscheinlich, solange die Krisenwerkzeuge der Währungsunion greifen. Steigen die Renditen einer Staatsanleihe, verlieren die Bestände der heimischen Banken an Wert, und ihre Refinanzierung verteuert sich.
Deshalb lese ich die Quartalszahlen von BNP Paribas am Mittwoch, 28. Oktober, um 07:00 Uhr als Vorprüfung. Société Générale legt am Donnerstag, 29. Oktober, um 06:30 Uhr nach. Am Freitag, 30. Oktober, folgen das französische BIP, die vorläufigen Verbraucherpreise und das BIP der Eurozone. Wer französische Bankaktien oder Euro-Anleihen hält, bekommt in dieser Woche die Rechnung für Paris präsentiert, nicht für Frankfurt.
Ifo bis BIP: Deutschlands Datenwoche mit Volkswagen mittendrin
Den Auftakt macht der Ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober am Montag, 26. Oktober, um 10:00 Uhr. Die Umfrage misst die Stimmung in deutschen Unternehmen. Volkswirte erwarten im Schnitt 89,8 Punkte nach 89,9 im Vormonat, also kaum Bewegung.
Am Freitag, 30. Oktober, um 10:00 Uhr steht die erste Schätzung des deutschen BIP für das dritte Quartal an. Prognostiziert sind 0,1 Prozent Wachstum zum Vorquartal nach 0,3 Prozent. Belastend wirken Bauzinsen, die ein Mehrjahreshoch erreicht haben.
Und Volkswagen selbst? Bei Volkswagen beginnt der Tarifstreit um Stellenabbau und Milliardeneinsparungen laut Vereinbarung mit der IG Metall am 24. November in Emden. Betroffen sind rund 130.000 Beschäftigte. Ein Werk in Georgia entschärft für VW die Zollfrage, nicht die Kostenfrage. Am Ifo lesen Sie am Montag ab, wie viel Rückenwind die Heimat dafür noch liefert.
Brent, BioNTech, Lufthansa: Was am Wochenende geschah
Die Huthi-Miliz meldete am Samstag Angriffe mit Raketen und Drohnen auf Riad, die Flughäfen Dammam und Abha sowie Aramco-Anlagen in Janbu. Am Flughafen Dammam starben nach saudischen Angaben zwei Menschen. Am Ölfeld Schaiba blieb der Betrieb laut Energieministerium ungestört. Die Ölsorte Brent handelte am Sonntag über 117 Dollar und damit nahe dem Jahreshoch vom März.
BioNTech und Bristol Myers Squibb meldeten Studiendaten für Pumitamig bei vorbehandeltem Lungenkrebs. Das progressionsfreie Überleben lag bei 6,9 Monaten. Gemeint ist die Zeit, in der die Krankheit nicht weiter fortschreitet. Die Standardtherapie liegt im Schnitt unter vier Monaten.
Bei Lufthansa endete die Schlichtung mit der Vereinigung Cockpit unter Roland Koch und Bodo Ramelow ohne Ergebnis. Der Konflikt bleibt damit ungelöst.
Der globale Kompass
Die Woche hat drei Prüfstände, und keiner davon ist eine Quartalszahl. Die Fed entscheidet am Mittwoch, ob Wachstumswerte ihren Zinsschutz behalten. Die EZB zeigt am Donnerstag, ob Paris zum Problem Europas wird. Das deutsche BIP sagt am Freitag, was der Heimatmarkt noch trägt.
Für mich ist der Donnerstag der schwerere Tag. Dort treffen Frankreichs Anleihemarkt und die französischen Banken aufeinander. Halten Sie den Blick auf die Renditen, nicht nur auf die Kurse.
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