Aurubis Aktie: Verzögerung überschattet Rekord
Trotz Gewinnsprung und erhöhter Jahresprognose fällt die Aurubis-Aktie. Grund ist die einjährige Verzögerung des US-Recyclingwerks in Richmond.

- Operativer Gewinn übertrifft Erwartungen
- Jahresprognose auf oberes Ende angehoben
- Recyclingwerk Richmond verschiebt sich um ein Jahr
- Nettoverschuldung steigt deutlich an
Ein Gewinnsprung von 31 Prozent, eine angehobene Prognose zum oberen Rand der Spanne — und trotzdem rauscht die Aktie am Donnerstag um mehr als 4 Prozent nach unten. Bei Aurubis zeigt sich gerade, wie wenig selbst starke Zahlen zählen, wenn ein einzelnes Problem im Hintergrund lauert.
Der Kupfer- und Multimetallkonzern meldete für das dritte Geschäftsquartal ein operatives Vorsteuerergebnis von 149 Millionen Euro — 16 Prozent über der Konsensschätzung von 128 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte auf 6,45 Milliarden Euro und übertraf die Erwartungen um 6 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet Aurubis nun mit einem operativen Vorsteuergewinn am oberen Ende der Spanne von 425 bis 525 Millionen Euro.
Richmond bremst die Euphorie
Der Haken sitzt in Virginia. Das Recyclingwerk in Richmond, eigentlich ein zentraler Baustein der Wachstumsstrategie, verzögert sich um rund ein Jahr. Die erste Ausbaustufe soll nun erst im Geschäftsjahr 2026/27 fertiggestellt werden statt wie geplant Ende 2025/26. Zusätzlich dürfte die Anlage im Vollausbau weniger als die ursprünglich angepeilten 180 Millionen Euro EBITDA jährlich abwerfen.
Hinzu kommt die Nettoverschuldung, die auf 686 Millionen Euro gestiegen ist — deutlich über den Markterwartungen. Ein stärker als erwarteter Aufbau des Working Capitals belastete den freien Cashflow. Genau diese Kombination aus verschobenem Ertragsbeitrag und schwächerer Cash-Generierung überwog am Ende die eigentlich soliden operativen Zahlen.
Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank sieht in den Quartalszahlen dennoch einen Beleg für die operative Widerstandsfähigkeit des Konzerns, verweist aber auf begrenztes kurzfristiges Kurspotenzial angesichts der bereits hohen Markterwartungen. Warburg-Research-Analyst Stefan Augustin bezeichnete die verlängerte Hochlaufphase in Richmond als Enttäuschung, geht aber davon aus, dass das ursprünglich geplante Produktionsvolumen am Ende erreicht wird.
Trotz des Rücksetzers bleibt die Aktie mit einem Kursplus von fast 48 Prozent seit Jahresbeginn 2026 eine der stärksten MDAX-Werte. Vom Rekordhoch bei 225 Euro im Juni ist sie zwar spürbar entfernt, hat sich vom Zwischentief um 163 Euro Anfang Juli aber deutlich erholt. Ob die Aktie die 21-Tage-Linie als Unterstützung halten kann, dürfte in den kommenden Handelstagen über die kurzfristige Richtung entscheiden.
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