Autoaktien zwischen Werkbank und Weltraum: BYD baut Loks, Bajaj Motorräder

BYD und CATL erschließen Industrie sowie Speicher, XPeng expandiert international, während Bajaj Mobility in Mexiko deutlich zulegt.

Die Kernpunkte:
  • BYD entwickelt Batterien für Minenlokomotiven
  • CATL bringt Natriumzellen zur Marktreife
  • XPeng plant Expansion in Australien
  • Bajaj steigert Mexikos Motorradproduktion

Während BYD seine Batterietechnik jetzt in Minenloks verbaut, kämpft Stellantis mit dünnen Margen trotz chinesischer Hilfe. CATL wiederum bringt Natrium-Ionen-Zellen zur Marktreife – und Bajaj Mobility meldet in Mexiko ausgerechnet mit Motorrädern einen Befreiungsschlag. Die E-Mobilitätsbranche zeigt diese Woche, wie unterschiedlich sich Wachstum heute definieren lässt.

Sektorüberblick: Diversifizierung statt Wachstum um jeden Preis

Der Trend ist eindeutig: Chinesische Hersteller suchen abseits des überfüllten Massenmarkts für Elektroautos neue Nischen. BYD testet seine Blade-Batterie in Industrielokomotiven, CATL erschließt sich mit Energiespeichern ganze Kontinente neu. XPeng setzt auf Rechtslenker-Märkte und Software-Exporte, während Stellantis seine Zukunft zunehmend an chinesische Partner koppelt. Bajaj Mobility schließlich beweist, dass auch klassische Motorräder in Lateinamerika noch für Wachstumsschübe sorgen können.

Gemeinsam ist allen fünf Werten: Die Aktienkurse spiegeln diese Umbrüche nur bedingt wider. Während BYD und XPeng deutlich unter ihren Jahreshochs notieren, hat Bajaj Mobility trotz jüngster Schwäche seit Jahresbeginn kräftig zugelegt.

BYD: Minenloks statt Malaysia-Werk

BYD kassierte sein geplantes Montagewerk im malaysischen Tanjung Malim. Malaysische Behörden hatten die Lokalisierungs- und Exportauflagen für neue Autoinvestitionen verschärft – der Konzern setzt stattdessen auf eine lokale Auftragsfertigung. Am Absatz ändert das bislang wenig: Von Januar bis August verkaufte BYD in Malaysia rund 7.500 Fahrzeuge und bleibt damit die meistverkaufte chinesische Elektromarke im Land.

Parallel erschließt sich die Batteriesparte FinDreams neue Anwendungsfelder. Anfang September unterzeichnete das Unternehmen eine Kooperation mit Changsha Fusheng Technology, um Blade-Batteriesysteme für Industrie- und Minenlokomotiven zu entwickeln. Es ist bereits die zweite derartige Vereinbarung binnen weniger Tage – zuvor hatte FinDreams mit Zero Carbon Engine Technology Projekte für elektrische Bergbau-Lkw in der Mongolei angestoßen.

An der Börse bleibt die Aktie unter Druck. Sie notiert bei 8,81 Euro und damit fast 30 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, auf Sicht von 30 Tagen ging es um 10 Prozent nach unten. Morgan Stanley hält trotzdem an seiner Übergewichten-Einstufung fest und verweist auf das technologiegetriebene Ökosystem, das Wettbewerbern das Aufholen erschwere. UBS stufte die Aktie zuletzt sogar auf Kaufen hoch, mit Verweis auf die neue Batterie- und Schnellladetechnik als Kurstreiber.

XPeng: Google Maps und Roboter als neue Wachstumshebel

Die Auslieferungszahlen von XPeng zeigen zumindest Stabilität: Im August wurden gut 39.000 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mitte August feierte zudem das Modell G9L sein Debüt. Ambitionierter ist der Vorstoß in die Robotik – die Produktionslinien für den humanoiden Roboter IRON laufen inzwischen, das erste Exemplar hat die Fertigung bereits autonom verlassen.

International setzt XPeng auf Rechtslenker-Märkte. Der MONA L03 soll im vierten Quartal in Australien starten, begleitet vom G6-Modell und zwei bislang unbenannten Fahrzeugen. Ab 2027 soll das Turing-KI-System samt neuer VLA-Technologie folgen, Australien zählt zu den ersten Zielmärkten. Ergänzt wird die Strategie durch eine eigene Navigationslösung auf Basis von Google Maps, die in die Fahrassistenzsysteme des Unternehmens einfließt.

Die Kursentwicklung bleibt davon unbeeindruckt: Die Aktie notiert bei 9,10 Euro, seit Jahresbeginn ein Minus von 50 Prozent. UBS nahm die Coverage kürzlich mit Halten und einem gesenkten Kursziel auf. BofA und Citi kappten ihre Ziele ebenfalls, beließen ihre Kaufempfehlung nach den jüngsten Quartalszahlen aber unverändert.

Stellantis: Frankreich wird zur China-Werkbank

Kaum ein Konzern verlässt sich so tief auf chinesische Partner wie Stellantis. In Luxemburg startet gemeinsam mit Pony.ai und der Mobilitätsplattform Bolt ein Robotaxi-Pilotprojekt, bei dem Stellantis die Fahrzeuge auf Basis seiner autonomen L4-Plattform stellt. In Spanien nimmt derweil das gemeinsam mit CATL betriebene Batteriewerk Formen an – ab Ende 2026 sollen dort jährlich 50 Gigawattstunden Kapazität entstehen, unterstützt von rund 2.000 chinesischen Fachkräften für die Anlageninstallation.

Noch deutlicher wird der Wandel in Frankreich. Das traditionsreiche Citroën-Werk in Rennes fertigt künftig Fahrzeuge der chinesischen Premiummarke Voyah – Stellantis hält an dem gemeinsam mit Dongfeng gegründeten Joint Venture die Mehrheit. Am Standort Mulhouse investiert der Konzern zugleich eine Milliarde Euro in drei neue Peugeot-Modelle, die ab 2029 vom Band laufen sollen.

Operativ zeigt sich erste Besserung: Im ersten Halbjahr kehrte Stellantis in die operative Gewinnzone zurück, wenngleich der Gewinn je Fahrzeug niedrig bleibt. Die Aktie kämpft bei 4,66 Euro weiter mit den Nachwehen der Krise, nach einem Kursverfall von über 50 Prozent seit Jahresbeginn. Bernstein stufte die Aktie zuletzt auf Underperform ab, J.P. Morgan beließ sie auf Halten.

CATL: Natrium-Ionen-Technologie erreicht Serienreife

CATL treibt seine Diversifizierung mit bemerkenswertem Tempo voran. Die Natrium-Ionen-Zellen der Naxtra-Reihe sollen bis Ende 2026 Kostenparität mit klassischen LFP-Zellen erreichen, bei einer Kapazitätserhaltung von über 90 Prozent selbst bei minus 20 Grad. Die ersten Lieferungen des TENER-Sodium-Speichersystems an chinesische Kunden starten bereits in diesem Monat, flankiert von einem Liefervertrag mit Hithium über beachtliche 60 Gigawattstunden.

Beim Rohstoff Lithium hakt es dagegen noch. Die konzerneigene Jianxiawo-Mine erhielt zwar Ende Juni ihre Sicherheitsfreigabe, wartet aber weiterhin auf die Umweltprüfung für die Umklassifizierung von Keramikton zu Lithiumerz und bleibt vorerst stillgelegt.

International expandiert CATL derweil kräftig im Speichergeschäft. Gemeinsam mit dem brasilianischen Partner Moura beteiligt sich der Konzern an der staatlichen Speicherausschreibung LRCAP 2026 und hält bereits 45 Prozent Marktanteil bei Energiespeichern in Brasilien. In Europa sicherte sich CATL zudem einen Auftrag von ContourGlobal für Speicherprojekte in Großbritannien, Griechenland und Chile mit einem Gesamtvolumen von rund 3 Gigawattstunden.

An der Börse in Shenzhen kostet die Aktie aktuell 330,51 Yuan, nach einem Rückgang von 16 Prozent binnen 30 Tagen. J.P. Morgan vergab dennoch ein Kaufrating für die Hongkong-Anteile, während Morgan Stanley auf die außergewöhnlich hohe Kapazitätsauslastung von 95 Prozent im ersten Halbjahr verweist – deutlich über dem Branchenschnitt.

Bajaj Mobility: Mexiko wird zum Wachstumsmotor

Während die großen Elektroauto-Namen mit Überkapazitäten ringen, meldet Bajaj Mobility einen handfesten Erfolg im klassischen Motorradgeschäft. Die mexikanische Vertriebstochter MotoDrive erhielt die begehrte „Hecho en México“-Auszeichnung und kündigte zugleich eine Werkserweiterung an. Bis Jahresende sollen dort knapp 160.000 Motorräder produziert werden – bei einer aktuellen Kapazität von 180.000 Einheiten plant das Management langfristig sogar eine Verdreifachung auf über eine halbe Million Fahrzeuge jährlich.

Der operative Turnaround gewinnt an Substanz: Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei positivem EBITDA und EBIT dank spürbarer Kostensenkungen. Im zweiten Quartal verdoppelte sich der Umsatz im Motorradsegment nahezu. In den Ende August veröffentlichten Quartalszahlen reagierte das Management auch auf Vorwürfe rund um angeblich illegale Enduro-Modelle – diese würden regelkonform verkauft und erst nachträglich für den Rennsport umgerüstet, rechtliche Risiken seien minimal.

Kursseitig zeigt sich zuletzt allerdings Ernüchterung: Nach einem Rückgang von knapp 10 Prozent binnen einer Woche notiert die Aktie bei 28,70 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 91 Prozent zu Buche – ein Wert, von dem die übrigen Branchenvertreter nur träumen können. Mehrere Führungskräfte, darunter Petra Preining und Gottfried Neumeister, bauten ihre Positionen zuletzt über Insider-Käufe aus.

Sektordynamik im Überblick

  • Diversifizierung als Überlebensstrategie: BYD und CATL erschließen Industrieanwendungen jenseits des Pkw-Markts – von Minenloks bis Netzspeichern
  • Chinesische Technologie als Rettungsanker: Stellantis bindet CATL, Dongfeng und Pony.ai direkt in seine europäische Fertigung ein
  • Software-Export als Wachstumshebel: XPeng nutzt westliche Partner wie Google, um international zu skalieren
  • Nischenmärkte liefern Überraschungen: Bajaj Mobility zeigt mit klassischen Motorrädern in Mexiko stärkeres Wachstum als viele E-Auto-Bauer
  • Bewertungsschere geht auf: BYD und CATL handeln mit Aufschlag zum Sektor, Stellantis und XPeng mit deutlichem Abschlag

Der Sektor sortiert sich neu

Die kommenden Wochen dürften mehrere offene Fragen klären. Bei BYD zeigt sich, ob die Kombination aus Industriegeschäft und angepasster Asien-Strategie die Wachstumsdelle kompensiert. CATLs Natrium-Ionen-Auslieferungen gelten als erster großer Praxistest einer Technologie, die die Kostenstruktur der gesamten Branche verschieben könnte – vorausgesetzt, die Lithium-Versorgung aus der eigenen Mine normalisiert sich. Bei Stellantis wird sich zeigen, ob die tiefe China-Verflechtung ab 2027 tatsächlich profitable Fahrzeuge auf die Straße bringt. XPeng muss beweisen, dass internationale Expansion die Margenschwäche im Heimatmarkt ausgleichen kann. Und bei Bajaj Mobility entscheidet das Tempo des mexikanischen Werksausbaus, ob der Turnaround von Dauer ist oder nur eine Momentaufnahme bleibt.

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