Automobil-Aktien: VW vor Grundsatzentscheidung, Tesla mit Zulassungs-Coup

Volkswagen berät über Werksschließungen, während Tesla in Deutschland ein massives Zulassungsplus verzeichnet. Deutz startet Rüstungsproduktion.

Die Kernpunkte:
  • VW-Aufsichtsrat berät über Werksschließungen
  • Tesla mit 362 Prozent mehr Neuzulassungen
  • Deutz startet Serienfertigung für Ukraine
  • Stellantis setzt auf chinesische Partner

Vier Werke könnten bei Volkswagen auf der Kippe stehen, während IG Metall zum Widerstand bläst. Zeitgleich verbucht Tesla in Deutschland ein Zulassungsplus von über 300 Prozent, Deutz startet Serienfertigung für die Ukraine, und Stellantis setzt seine Zukunft auf chinesische Batterietechnik. Selten zeigte sich die Automobilbranche so zerrissen zwischen Kahlschlag und Aufbruch.

Sektorüberblick: Zwischen Kahlschlag und Zulassungsboom

Der deutsche Automarkt meldet für Juni ein Plus von 15,7 Prozent bei den Neuzulassungen, angetrieben von alternativen Antrieben mit über 200.000 Einheiten. Reine Elektroautos legten dabei besonders stark zu.

Parallel dazu verhandelt Volkswagen über eine Kürzung von bis zu 100.000 Stellen weltweit – deutlich mehr als die bislang kommunizierten 50.000. Porsche steht vor einem ähnlichen Einschnitt. Deutz wählt den umgekehrten Weg und erschließt mit Verteidigungstechnik ein komplett neues Wachstumsfeld, während Stellantis seine Absatzkrise mit chinesischen Partnerschaften bekämpfen will. Tesla wiederum zeigt, dass selbst ein angeschlagener Platzhirsch zurückkommen kann.

Volkswagen: Aufsichtsrat vor Grundsatzentscheidung

Die VW-Vorzugsaktie fiel heute um 3,11 Prozent auf 73,42 Euro, nachdem sie gestern noch bei 75,78 Euro geschlossen hatte. Der RSI von 33,8 signalisiert eine bereits überverkaufte Lage, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 30,80 Prozent zu Buche.

Morgen berät der Aufsichtsrat über die Zukunft von bis zu vier Werken. IG Metall ruft zeitgleich zu einem bundesweiten Aktionstag auf, mit Kundgebungen unter anderem in Zwickau, Chemnitz und Dresden. Gewerkschaftschefin Christiane Benner nannte es „ein klares Signal an den Vorstand: Nicht mit uns!“

Niedersachsen, mit einem Fünftel an VW beteiligt, lehnt Werksschließungen ab. Die Arbeitnehmerseite stellt im Aufsichtsrat derzeit die Mehrheit – scheitert die Sitzung, könnte sogar eine außerordentliche Hauptversammlung folgen. Fundamental bleibt die Aktie mit einem KGV von 7,78 günstig bewertet, was die Tiefe der operativen Sorgen unterstreicht.

Deutz AG: Vom Motorenbauer zum Verteidigungspartner

Die Deutz-Aktie gab heute um 4,24 Prozent auf 8,81 Euro nach, nach einem Schlusskurs von 9,20 Euro gestern. Der Titel notiert damit fast 30 Prozent unter seinem Jahreshoch, hält sich aber mit einem Zwölf-Monats-Plus von 14,19 Prozent insgesamt robust.

Im Zentrum steht der Einstieg in die militärische Robotik: Gemeinsam mit ARX Robotics startet Deutz die Serienfertigung des Gereon, eines unbemannten Bodensystems fürs Gefechtsfeld. Allein im ersten Halbjahr hat die Ukraine rund 25.000 dieser Einheiten geordert – ein Auftragsvolumen, das den Ausbau am Standort Ulm rechtfertigt. Der Markt reagierte darauf zunächst verhalten.

Operativ liefert der Kölner Konzern unterdessen solide Zahlen. Der Auftragseingang im ersten Quartal stieg deutlich, der Umsatz legte zu, und auch das bereinigte Ergebnis verbesserte sich spürbar. Zusätzlich schloss Deutz Anfang Juli die Übernahme des brasilianischen Generatorenherstellers Maxi Trust Power ab, die künftig zusätzliche profitable Umsätze beisteuern soll.

Porsche AG: Sparprogramm mit Insider-Signal

Die Porsche-Vorzugsaktie gab heute um 1,17 Prozent auf 46,45 Euro nach, bleibt damit aber über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 45,77 Euro. Auf Wochensicht steht sogar ein Plus von 5,57 Prozent – ein Zeichen, dass der Markt die Sanierungspläne nicht durchweg negativ bewertet.

Medienberichten zufolge plant der Sportwagenbauer einen weiteren massiven Stellenabbau von bis zu 4.000 Jobs, vor allem in Management, Verwaltung und am Entwicklungsstandort Weissach. Ein Zukunftspaket soll bis Ende Juli vorgestellt werden. Bemerkenswert: Ein Vorstandsmitglied kaufte Anfang Juli 1.000 Aktien zum Kurs von 43,90 Euro – ein Signal für Vertrauen in die eigene Strategie.

Die Analystenmeinungen bleiben gespalten. JPMorgan bestätigte zuletzt Overweight mit einem Kursziel von 50 Euro und erwartet für die Quartalszahlen am 26. Juli eine Marge am oberen Ende der Zielspanne. Auf der Hauptversammlung Ende Juni hatte Deka-Vertreter Ingo Speich dagegen scharfe Kritik geübt: „Wir Aktionäre blicken heute auf Porsche und sehen einen Scherbenhaufen.“

Stellantis: Kampfpreis-Strategie mit chinesischer Basis

Kein anderer Wert im Sektor steht derzeit stärker unter Druck als Stellantis. Die Aktie fiel heute um 3,45 Prozent auf 4,80 Euro und liegt damit nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus über 50 Prozent, der RSI von 29,8 zeigt eine deutlich überverkaufte Lage.

HSBC stufte die Aktie jüngst von Hold auf Reduce herab und senkte das Kursziel auf 4,00 Euro. Als Hauptgrund nannte das Analysehaus die steigenden Lagerbestände in den USA, wo der Bestand im Juni bereits 93 Verkaufstage erreichte.

Strategisch setzt der Konzern zunehmend auf chinesische Partner. Ein elektrischer Kleinwagen für unter 15.000 Euro soll ab 2028 in Italien vom Band laufen, produziert mit Technologie des Partners Leapmotor. Zusätzlich entsteht mit CATL eine gemeinsame Batteriefabrik in Saragossa – ein Beleg dafür, wie sehr europäische E-Autos inzwischen auf chinesische Zulieferer angewiesen sind. Immerhin: In den USA legten die Verkäufe im ersten Halbjahr um 5 Prozent zu, im Juni allein um 10 Prozent.

Tesla: Comeback auf dem deutschen Markt

Tesla liefert derzeit die positivste Überraschung im Sektor. Mit 6.023 Neuzulassungen des Model Y stiegen die Verkäufe im Juni um 362 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Marktanteil kletterte auf einen neuen Bestwert von 2,6 Prozent.

Die Aktie selbst notiert aktuell bei 349,45 Euro, ein Minus von 1,01 Prozent zum Vortag und von 6,55 Prozent auf Wochensicht. Dennoch hatte der Titel am Montag mit einem Sprung auf 365 Euro die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen – ein technisches Signal nach Wochen im Abwärtstrend.

Regulatorisch bleibt Gegenwind bestehen: Schwedens Verkehrsbehörde empfahl dem zuständigen EU-Ausschuss, gegen eine europaweite Zulassung von Teslas Full-Self-Driving-System zu stimmen, solange es gesetzliche Tempolimits überschreiten kann. Für den 22. Juli steht der nächste Quartalsbericht an, begleitet vom kürzlich gestarteten Model Y L, einem dreireihigen SUV. Zusätzlich sorgt eine Spekulation um eine mögliche Fusion mit SpaceX für Gesprächsstoff – Analyst Dan Ives hält sie binnen eines Jahres für sehr wahrscheinlich.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Werte beantworten den Umbruch der Branche auf komplett unterschiedliche Weise:

  • Volkswagen und Porsche: größter Restrukturierungsdruck, massive Stellenstreichungen in Verhandlung
  • Deutz: Diversifikation statt Schrumpfung, neues Standbein in der Verteidigungstechnik
  • Stellantis: Anlehnung an chinesische Kostenstrukturen zur Absatzrettung
  • Tesla: überraschende Erholung in Deutschland nach schwachem Vorjahr

Gemeinsam ist allen fünf, dass sie sich in einem Markt behaupten müssen, der zunehmend von chinesischer Konkurrenz und regulatorischer Unsicherheit geprägt wird.

Diese Termine entscheiden über die nächsten Wochen

Mehrere Ereignisse dürften den Sektor in den kommenden Wochen bewegen. Bei Volkswagen steht morgen die Aufsichtsratssitzung im Fokus, begleitet vom IG-Metall-Aktionstag am selben Tag. Porsche legt sein Zukunftspaket bis Ende Juli vor, die Quartalszahlen folgen am 26. Juli.

Stellantis berichtet am 30. Juli, Tesla bereits am 22. Juli – dann dürfte auch die Cybercab-Produktion erstmals konkreter beleuchtet werden. Bei Deutz bleibt offen, ob die für den Spätsommer angekündigten ersten Gereon-Auslieferungen an die Ukraine termingerecht erfolgen und damit weitere Rüstungsaufträge nach sich ziehen.

Anzeige

Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 8. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Volkswagen