Automobilbranche im Umbruch: Deutz glänzt, Bajaj überrascht, Stellantis kämpft

Deutz profitiert von Übernahme, Bajaj meldet erstmals positives EBIT, während Stellantis mit Downgrades und XPeng mit schwachem Ausblick kämpfen.

Die Kernpunkte:
  • Deutz-Aktie steigt nach FFG-Zusage
  • Bajaj erreicht operative Gewinnzone
  • XPeng leidet unter schwachem Lieferausblick
  • Stellantis von Downgrade-Welle getroffen

Ein Motorenhersteller schießt zweistellig nach oben, ein KTM-Mutterkonzern meldet nach der Insolvenz plötzlich schwarze Zahlen, und ein chinesischer Elektroauto-Bauer lässt eine Milliardenfinanzierung für Roboter ungenutzt verpuffen. Die Automobilbranche zeigt diese Woche exemplarisch, wie unterschiedlich die Wege aus der aktuellen Krise aussehen können. Während Rüstungsfantasien und Restrukturierungserfolge für Kursfeuerwerke sorgen, kämpfen andere Namen mit Lieferengpässen und Analysten-Skepsis.

Sektorüberblick: Zwischen Turnaround und Preiskampf

Der Automobilsektor läuft 2026 in mehrere Richtungen gleichzeitig. Klassische Hersteller mit Verteidigungs- oder Industriebezug wie Deutz profitieren von der Diversifizierungslogik der Anleger. Reine E-Auto-Hersteller dagegen müssen einen schwierigeren Spagat zwischen Wachstum und Margendisziplin hinlegen.

Die chinesischen Platzhirsche BYD und XPeng bauen ihre Exportvolumina weiter aus, obwohl der heimische Preiskampf auf die Profitabilität drückt. Beide setzen zunehmend auf Zukunftstechnologien— Batterien und autonomes Fahren bei BYD, humanoide Robotik bei XPeng—, um sich von der reinen Fahrzeugmarge unabhängiger zu machen.

In Europa fällt das Bild angespannter aus. Bei Stellantis trifft eine Welle von Rating-Herabstufungen auf die Frage, wie konsequent der Konzern in Schlüsselmärkten seine Kostenbasis anpasst. Bajaj Mobility dagegen taucht gerade aus einer gerichtlich begleiteten Restrukturierung auf— mit den ersten wirklich ermutigenden operativen Zahlen seit Langem. Zollunsicherheit in Nordamerika, Preisdruck bei E-Autos in China und Sparprogramme europäischer Hersteller bleiben die verbindenden Themen dieser sehr unterschiedlichen Geschichten.

Deutz: Rüstungsfantasie und Analysten-Vertrauen treiben den Kurs

Deutz zählt aktuell zu den auffälligsten Gewinnern im Sektor. Grünes Licht des Bundeskartellamts für eine milliardenschwere Übernahme durch den Rüstungszulieferer FFG ließ die Aktie am Dienstag zweistellig durchstarten. Der Kurs kletterte in den folgenden Sitzungen weiter und steht aktuell bei 12,15 Euro— ein Plus von 2,5 Prozent zum Vortag.

Die Halbjahreszahlen von Anfang August liefern operativen Rückenwind: Der Auftragseingang stieg um 29 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 11 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zu, die Marge erreichte 7,1 Prozent. Auf Sicht von sieben Tagen steht die Aktie bereits 21 Prozent im Plus, seit Jahresanfang sind es 43 Prozent.

Kepler Cheuvreux und Oddo BHF bekräftigten ihre Kaufempfehlungen und hoben die Kursziele an— auf 16,00 Euro beziehungsweise 16,40 Euro. Sämtliche sechs Analysten, die die Aktie covern, empfehlen aktuell den Kauf, im Schnitt liegt das faire Kursziel bei 12,88 Euro. Mit einem RSI von 77,5 gilt das Papier charttechnisch als überkauft— die Rally hat also durchaus heiße Züge angenommen.

BYD: Interimszahlen als nächster Prüfstein

Die Hongkong-notierten BYD-Aktien bewegten sich über den Sommer in einer schwankenden Bandbreite. Nach einem schwächeren ersten Quartal mit rückläufigem Gewinn erholte sich der Kurs, als die Auslandsauslieferungen im Juni den zweiten Monat in Folge zulegten. Aktuell notiert die Aktie bei 9,95 Euro, ein Minus von 2,0 Prozent zum Vortag.

Der nächste wichtige Termin steht unmittelbar bevor: Der Vorstand trifft sich morgen, um die Halbjahreszahlen zum 30. Juni 2026 zu prüfen und zur Veröffentlichung freizugeben. Diese Zahlen dürften zeigen, ob sich die exportgetriebene Erholung vom Juni tatsächlich in stabileren Margen niederschlägt.

Die Kursziele der Analysten für die Hongkong-Notierung liegen weit auseinander— zwischen umgerechnet rund 87 und 660 Hongkong-Dollar, wobei sich die meisten Schätzungen zwischen 125 und 205 Hongkong-Dollar bewegen. Die Bandbreite spiegelt die Unsicherheit über Exportwachstum, Inlandsnachfrage und künftige Margenentwicklung wider.

XPeng: Roboter-Milliarde kann Lieferausblick nicht retten

Kaum ein Wert im Sektor schwankte diese Woche so heftig wie XPeng. Die Aktie fiel in Hongkong um mehr als 9 Prozent, nachdem der Hersteller einen schwächer als erwarteten Auslieferungsausblick für das dritte Quartal vorgelegt hatte— trotz einer Finanzierungsrunde für die Robotiksparte mit einer Bewertung von über 6,3 Milliarden Dollar. Aktuell notiert das Papier bei 9,91 Euro, nahe dem 52-Wochen-Tief von 9,42 Euro.

Der Nettoverlust im zweiten Quartal weitete sich auf 1,34 Milliarden Yuan aus, während der Umsatz um 8 Prozent auf 19,74 Milliarden Yuan stieg. Für das dritte Quartal rechnet das Unternehmen mit Auslieferungen zwischen 115.000 und 121.000 Fahrzeugen— das enttäuschte den Markt spürbar. Auf Monatssicht steht die Aktie bereits 11 Prozent im Minus, über zwölf Monate sind es sogar 49 Prozent.

Die eigentliche Nachricht der Woche war aber die Finanzierung der Robotiksparte: Mehr als 900 Millionen Dollar sammelte XPeng für sein Robotik-Geschäft ein, angeführt von IDG Capital mit Beteiligung von Tencent und Alibaba— die größte Einzelrunde für verkörperte KI in China bisher. Das Kapital soll den humanoiden Roboter IRON bis Ende 2026 zur Serienreife bringen und XPeng damit vor Teslas stockendem Optimus-Programm positionieren.

Citi sieht in der Finanzierung zwar einen langfristig positiven Schritt, macht aber vor allem Lieferkettenengpässe beim Modell MONA L03 für die enttäuschende Prognose verantwortlich. Rechnerisch impliziert die aktuelle Bewertung für das klassische Fahrzeuggeschäft noch einen Wert von rund 6,5 Milliarden Dollar— Anleger trennen die beiden Geschäftsfelder derzeit klar in ihrer Bewertung.

Bajaj Mobility: KTM-Mutter meldet erstmals positives EBIT seit der Restrukturierung

Bajaj Mobility lieferte heute mit den vollständigen Halbjahreszahlen die vielleicht überraschendste Nachricht der Woche. Der Kurs war bereits im Vorfeld auf ein Zwölf-Monats-Hoch von 37,55 Euro geklettert, aktuell steht die Aktie bei 34,90 Euro— ein Plus von 4,2 Prozent zum Vortag und 71 Prozent auf Monatssicht.

Der Konzernumsatz stieg um 65,0 Prozent auf 701,4 Millionen Euro, getragen von 89.004 verkauften Motorrädern. Die Fixkosten sanken um 65,8 Millionen Euro, das EBITDA drehte mit 37,6 Millionen Euro ins Plus— eine Marge von 5,4 Prozent.

Entscheidend war die operative Wende im zweiten Quartal: Das EBIT verbesserte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um 166,0 Millionen Euro und wurde mit leicht positiven 1,3 Millionen Euro erstmals seit Abschluss der Restrukturierung positiv. Für das gesamte erste Halbjahr bleibt zwar noch ein operatives Minus von 24,8 Millionen Euro stehen, der Trend zeigt aber klar nach oben.

Unter dem Strich steht dennoch ein Verlust von 47 Millionen Euro— verglichen mit einem Gewinn von über 739 Millionen Euro im Vorjahr, der allerdings durch einen außerordentlichen Restrukturierungsertrag aufgebläht war. Die Eigenkapitalquote liegt bei 21,5 Prozent, gestützt durch eine milliardenschwere Refinanzierung der Tochter KTM AG, die auch die Zinslast im zweiten Quartal spürbar senkte. Im zweiten Halbjahr will das Management den Fokus auf Portfoliostraffung und Effizienzsteigerung legen.

Stellantis: Neue Modelle treffen auf Downgrade-Welle

Kaum ein Wert im Sektor war im August so volatil wie Stellantis. Die Aktie markierte am 18. August mit 4,40 Euro ein neues Fünf-Jahres-Tief, aktuell notiert sie bei 4,43 Euro— nahezu unverändert zum Vortag, aber 53 Prozent im Minus seit Jahresanfang. Ein Rückruf von rund 848.000 US-Fahrzeugen wegen einer Softwarepanne, die Rückfahrkamera-Bilder blockieren konnte, drückte den Kurs zwischenzeitlich um weitere 5 Prozent— trotz schneller Behebung per Software-Update und ohne gemeldete Verletzte.

Auf der Produktseite lief das Geschäft unterdessen weiter: Der neue Jeep Grand Cherokee Jahrgang 2027 kommt mit zusätzlichen Ausstattungslinien und aufgewerteter Interieur-Technik— ein Versuch, Preissetzungsmacht bei einem der wichtigsten SUV-Modelle zu erhalten. Auch handelspolitisch bleibt Bewegung im Spiel: Mexikos Vorstoß für niedrigere USMCA-Zölle könnte die nordamerikanischen Margen stützen, sollte er umgesetzt werden.

Operativ zeigte sich zuletzt eine Stabilisierung. Im Quartal zum 30. Juni erzielte Stellantis einen Umsatz von 43,48 Milliarden Euro— ein Plus von 52,10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr rechnen Analysten mit einem Gewinn je Aktie von 0,607 Euro.

Die Analystenstimmung hat sich zuletzt spürbar eingetrübt. AlphaValue/Baader Europe hob die Einstufung zwar auf Kaufen an, senkte das Kursziel aber leicht auf 6,27 Euro. Dem gegenüber steht eine breite Welle an Kürzungen: Bernstein senkte sein Ziel von 6,20 auf 4,00 Euro, HSBC von 5,50 auf 4,00 Euro. UBS, JPMorgan, Deutsche Bank und Citi verwiesen bei ihren Anpassungen übereinstimmend auf schwache US-Verkaufszahlen, hohe Händlerbestände und Druck in Europa sowie Lateinamerika.

Sektordynamik im Vergleich

Die fünf Namen besetzen derzeit sehr unterschiedliche Positionen im Risiko-Rendite-Spektrum:

  • Deutz ist der Momentum-Wert des Sektors— getrieben weniger von klassischer Automobilnachfrage als von der strategischen Wende Richtung Verteidigung und Industriemotoren
  • Bajaj Mobility liefert die Turnaround-Geschichte des Jahres— vom Insolvenzverfahren zur operativen Gewinnzone in wenigen Quartalen
  • BYD und XPeng stehen exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen Skalierung und Profitabilität in Chinas E-Auto-Industrie
  • Stellantis bleibt der polarisierendste Wert der Gruppe— Rückkehr zur Quartalsprofitabilität trifft auf eine Kaskade von Analysten-Herabstufungen

Bei BYD und XPeng zeigt sich zudem: Diversifizierungsankündigungen allein reichen nicht, um enttäuschende Lieferzahlen auszugleichen. Das musste XPeng diese Woche schmerzhaft erfahren, als selbst eine milliardenschwere Robotik-Finanzierung den Kursrutsch nach dem schwachen Auslieferungsausblick nicht verhindern konnte.

Ausblick: Diese Termine entscheiden die nächsten Wochen

Der Sektor steht vor mehreren dicht getakteten Katalysatoren. BYDs Vorstand entscheidet bereits morgen über die Freigabe der Halbjahreszahlen— ein Termin, der Klarheit über die Nachhaltigkeit der Exporterholung bringen dürfte. Bei XPeng wird sich zeigen, ob der Zeitplan für die Serienproduktion des Roboters IRON trotz der Lieferkettenprobleme beim MONA L03 zu halten ist.

Deutz dürfte von weiteren Integrationsdetails der FFG-Übernahme profitieren, sofern zusätzliche Broker dem Beispiel von Kepler Cheuvreux und Oddo BHF folgen und ihre Kursziele anheben. Bei Bajaj Mobility wird das zweite Halbjahr zeigen, ob sich die operative Wende aus dem zweiten Quartal verstetigen lässt. Stellantis-Anleger müssen sich derweil auf die größte Bandbreite möglicher Entwicklungen einstellen— zwischen optimistischen Produktzyklus-Narrativen und pessimistischen Analysten-Kürzungen dürfte sich die Schere erst mit den nächsten Quartalszahlen im Oktober wieder schließen.

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