Autozulieferer Leoni kann doch noch positiv überraschen

Obwohl der Automobilzulieferer Leoni im letzten Jahr einen millionenschweren Finanzschaden aus einem Internetbetrug verkraften musste, konnte das Unternehmen dank eines starken operativen Geschäftes am Ende besser als selbst befürchtet abschneiden.

© Leoni

Im vergangenen Jahr war Leoni, dessen Spezialität Kabel-und Bordnetze für Fahrzeuge ist, Opfer eines Internetbetruges geworden. Bislang unbekannte Gauner hatten über den sogenannten Chef-Trick insgesamt 40 Millionen Euro erbeutet, von denen Leoni den Großteil kaum wieder sehen wird. Als Folge dessen hatte das Unternehmen die Jahresprognose gekappt und nur noch mit einem operativen Gewinn auf Basis des EBIT von 65 Millionen Euro gerechnet.

Leoni mit deutlichen Fortschritten in der Charttechnik

Schon im Jahr zuvor hatte sich der Aktienkurs nahezu halbiert, nachdem das Unternehmen hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Im Zuge des Bekanntwerdens des Betrugsfalls stand es entsprechend auf Messers Schneide, ob die Aktie weitere Verluste hinnehmen muss. Am Ende kam Leoni zumindest charttechnisch noch glimpflich aus der Sache heraus und konnte zwischenzeitlich sogar wieder über die wichtige charttechnische Widerstandsmarke bei 36 Euro springen.

Zuletzt wurde diese neue Unterstützung testet, wobei dieser Test wohl als erfolgreich abgeschlossen gewertet werden kann, nachdem die Aktie aufgrund der nun präsentierten Geschäftszahlen 2016 wieder kräftig zulegen kann. Denn Leoni wies am Ende ein besseres Ergebnis als die gekürzte Prognose aus.

Markt erwartet für dieses Jahr deutliches Gewinnplus

So verringerte sich das EBIT zwar von zuvor 151,3 Millionen Euro in 2015 auf nur noch 78 Millionen Euro, blieb aber damit wie gesagt deutlich über den prognostizierten 65 Millionen Euro aus dem Betrugsfall. Wären diese Sonderfaktoren nicht gewesen, hätte sich das Ergebnis spürbar verbessert. Beim Umsatz gab es wie erwartet einen leichten Rückschritt von zuvor 4,5 Milliarden Euro auf 4,4 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben 10 Millionen Euro als Reingewinn.

Wie es im neuen Jahr laufen soll, will Leoni am 13. März bei der Vorlage der endgültigen Jahreszahlen bekannt geben. Die Marktteilnehmer gehen weitestgehend davon aus, dass Leoni einen deutlichen Ergebnissprung prognostizieren wird. So rechnet man im Marktkonsens mit einem EBIT 2017 bei rund 171 Millionen Euro. Entsprechend niedrig fällt unter dem Stich auch die KGV-Schätzung für dieses Jahr aus. Sie liegt nur beim rund 11-fachen des Gewinns je Aktie. Das ist auch die Grundlage für die zunehmend wieder positivere Charttechnik.

(Noch) Nichts für Dividendenjäger

Kleiner Wermutstropfen dabei: Leoni hat schon angekündigt, für das vergangene Jahr nur noch eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie ausschütten zu wollen, also halb so viel wie im Jahr zuvor. Angesichts der finanziellen Schäden, die zu regulieren sind, ist das aber nachvollziehbar.

Fazit: Mit den nun präsentierten vorläufigen Zahlen hat Leoni einen ganz wichtigen Pluspunkt sammeln können. Denn man hat unter Beweis gestellt, dass man grundsätzlich im operativen Geschäft weiterhin gut unterwegs ist. Zwar lässt die Umsatz-Dynamik zu wünschen übrig, aber exklusive der Sondereinflüsse stimmt wenigstens der Gewinntrend. Insofern dürfte das aktuelle Niveau in der Aktie weiterhin eine interessante Einstiegsmöglichkeit bieten.

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