Axon Aktie: Drohnen-Aufträge verschoben?

Verzögerte Bundesaufträge belasten Axons Ausblick, während Softwareerlöse zulegen und der erwartete freie Cashflow für 2026 sinkt.

Die Kernpunkte:
  • Raymond James reduziert Axon-Kursziel auf 475 US-Dollar
  • Drei Bundesprojekte mit rund 130 Millionen US-Dollar verschoben
  • Softwareerlöse steigen im Quartal um 43 Prozent
  • Axon erwartet 350 bis 400 Millionen US-Dollar freien Cashflow

Raymond James hat gestern das Kursziel für Axon von 675 auf 475 US-Dollar gesenkt und die Einstufung „Outperform“ bestätigt. Dahinter steht eine klare Abwägung: Verzögerte Bundesprojekte belasten das Geschäft, während Software und Dienstleistungen kräftig wachsen. Die positive Einschätzung trägt allerdings nur, sofern die verschobenen Projekte später Umsatz liefern und das Softwaregeschäft seinen Wachstumskurs hält.

Bundesprojekte drücken die Erwartungen

Drei verzögerte Dedrone-Projekte für Bundesbehörden stehen für rund 130 Mio. US-Dollar erwarteten Umsatz im zweiten Halbjahr 2026. Axon nahm diese Projekte aus der Prognose. Raymond James reagierte darauf mit dem niedrigeren Kursziel; die Softwareprognosen blieben unverändert.

Für Anleger liegt der entscheidende Unterschied zwischen verschobener Beschaffung und dauerhaft entfallender Nachfrage. RBC führt die Verzögerungen auf den Beschaffungszeitpunkt und den Wahlzyklus zurück. Nach Einschätzung des Hauses sind die Projekte verschoben, nicht storniert. Eine spätere Auslieferung würde diese Einordnung stützen.

Im dritten Quartal 2026 erreichte Axon einen Umsatz von 908,6 Mio. US-Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz des Zuwachses blieb das Unternehmen unter den Analystenerwartungen.

Axon will große Bundesprojekte und internationale Dedrone-Geschäfte künftig erst dann in seine Prognose aufnehmen, wenn hinreichende Sicherheit über den Versand besteht. Das macht die Planung vorsichtiger. Die Verlässlichkeit des Ausblicks würde davon profitieren, sofern sich die verbleibenden Lieferannahmen als belastbar erweisen.

Software liefert das Gegengewicht

Der Umsatz mit Software und Dienstleistungen stieg im Berichtsquartal um 43 Prozent auf 437 Mio. US-Dollar. Die jährlich wiederkehrenden Umsätze erreichten 1,75 Mrd. US-Dollar. Dieses Wachstum erklärt, weshalb Analysten trotz der Belastungen an positiven Empfehlungen festhalten.

Das Softwaregeschäft liefert damit einen konkreten Gegenpol zu den schwankenden Projektumsätzen. Für die weitere Bewertung spricht seine Dynamik, solange sie auch bei vorsichtigerer Planung der Dedrone-Auslieferungen anhält. Raymond James hält entsprechend an seiner positiven Einstufung fest, setzt den Bewertungsmaßstab mit dem gekürzten Kursziel aber deutlich niedriger an.

Die jährlich wiederkehrenden Umsätze wuchsen um 40 Prozent. Die Nettoumsatzbindung betrug 126 Prozent. KI-Produkte erreichten jährlich wiederkehrende Umsätze von über 100 Mio. US-Dollar.

Das Wachstum allein entscheidet allerdings nicht über die finanzielle Qualität. Höhere Speicherkosten belasten die Margen; weiterer Druck wird auch für die kommenden Jahre erwartet. Die Softwaredynamik spricht deshalb besonders dann für Axon, wenn das Unternehmen zugleich seine Profitabilität stabilisiert.

Cashflow und Skydio erhöhen die Anforderungen

Axon erwartet für 2026 einen freien Cashflow von 350–400 Mio. US-Dollar statt zuvor 450 Mio. US-Dollar. Ein strategischer Lageraufbau belastete den Mittelzufluss. Damit rückt neben dem Umsatz auch die Fähigkeit in den Mittelpunkt, Wachstum in verfügbare Mittel umzusetzen.

Parallel baut Axon seine Verbindung zu Skydio aus. Die geplante Beteiligung und der exklusive Vertrieb für öffentliche Sicherheitsbehörden in den USA und Kanada erweitern die Zusammenarbeit. Für Anleger erhöht das den Anspruch an die Umsetzung: Die Investition muss sich über zusätzliche Geschäfte rechtfertigen.

Die zusätzliche Skydio-Investition beträgt 1,2 Mrd. US-Dollar. Etwa 60 Prozent sollen in bar finanziert werden, der Rest mit Axon-Aktien. Die Vereinbarung umfasst sowohl neues Kapital für Skydio als auch Käufe von Altaktionären.

Weitere Abschlüsse werden vorbehaltlich der üblichen Bedingungen im vierten Quartal 2026 und ersten Quartal 2027 erwartet. Axons voll verwässerter Anteil soll auf rund 37 Prozent steigen.

Die bestätigte Kaufhaltung der Analysten beruht damit auf wachsender Software und einer späteren Realisierung der Bundesprojekte. Überzeugender wird sie, sobald sich diese Erwartungen in Auslieferungen und einem stärkeren Mittelzufluss niederschlagen. Bis dahin stehen dem operativen Wachstum eine anspruchsvolle Investition und erhöhte Unsicherheit bei der Projektplanung gegenüber.

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