Banca Monte Dei Paschi Siena Aktie: 35-Milliarden-Angebot von Intesa

Der italienische Bankensektor erlebt eine Neuordnung: Banco BPM stoppt die Verhandlungen mit MPS, während Intesa Sanpaolo sein milliardenschweres Übernahmeangebot aufrechterhält.

Die Kernpunkte:
  • Verwaltungsrat beendet Fusionsgespräche einstimmig
  • Crédit Agricole blockiert Zusammenschluss mit MPS
  • Intesa Sanpaolo hält an Übernahmeangebot fest
  • MPS-Aktie trotz geplatzter Fusion robust

Gestern hat der Verwaltungsrat der Banco BPM einstimmig beschlossen, die Gespräche über eine potenzielle Fusion mit der Banca Monte Dei Paschi di Siena (MPS) einzustellen. Damit endet ein Sondierungsprozess, der am 7. Juni mit einem ersten Vorstoß der Banco BPM begonnen hatte. Ausschlaggebend für den plötzlichen Abbruch der Verhandlungen war laut Medienberichten der massive Widerstand der französischen Großbank Crédit Agricole. Diese hält mit einem Anteil von 29,3 Prozent die Position des größten Aktionärs bei der Banco BPM und verfügt über vier Sitze im Verwaltungsrat.

Veto von Crédit Agricole stoppt Verhandlungen

Olivier Gavalda, der CEO von Crédit Agricole, stellte am Freitag klar, dass seinem Haus keine konkreten Projekte oder Vorschläge für einen Zusammenschluss zwischen der Banco BPM und der Traditionsbank aus Siena vorgelegt worden seien. In einem solchen Geschäft sei für die Aktionäre zudem kaum eine Wertschöpfung erkennbar. Gavalda betonte gegenüber der Presse, dass keine strategische Entscheidung ohne oder gegen den Willen der französischen Großbank getroffen werde. Crédit Agricole favorisiert stattdessen offenbar ein Szenario, in dem die Banco BPM mit der eigenen italienischen Tochtergesellschaft verschmilzt.

Die Banca Monte Dei Paschi Siena nahm die Entscheidung des potenziellen Partners gestern förmlich zur Kenntnis. Die Bankführung in Siena betonte, dass man weiterhin alle strategischen Optionen prüfen werde, um die Interessen der Stakeholder zu wahren. Trotz des geplatzten Deals mit der Banco BPM zeigt sich das Papier an der Börse robust. Die Aktie verzeichnete seit Jahresbeginn ein Plus von 25,32 Prozent und notiert mit einem Schlusskurs von 11,46 Euro nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 11,91 Euro.

Intesa Sanpaolo bekräftigt Übernahmeinteresse

Durch den Rückzug der Banco BPM rückt der verbleibende Bieter Intesa Sanpaolo stärker in den Fokus. Laut Reuters liegt ein Übernahmeangebot von Intesa Sanpaolo vor, das mit bis zu 35 Milliarden Euro bewertet wird. Carlo Messina, CEO von Intesa Sanpaolo, bekräftigte am Freitag seinen Willen, die Übernahme zum Abschluss zu bringen. Er verwies dabei auf die Vorteile für die Aktionäre und die künftige Governance des Instituts.

Ein weiterer Akteur im Konsolidierungsprozess ist der Versicherungskonzern Unipol. Medienberichten zufolge plant Unipol für den Fall einer erfolgreichen Übernahme durch Intesa Sanpaolo die Übernahme von 635 Filialen sowie der Marke MPS. Ziel sei es, kartellrechtliche Auflagen zu erfüllen und die Aktivitäten in einer eigenständigen Bank zu bündeln, die später in das Institut BPER integriert werden könnte.

Strategischer Fokus und interne Spannungen bei MPS

Ungeachtet der Übernahmeofferten konzentriert sich die Banca Monte Dei Paschi Siena weiterhin auf ihren eigenständigen Wachstumsplan. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die geplante Integration mit der Investmentbank Mediobanca. MPS-Chef Luigi Lovaglio sieht sich jedoch mit internem Gegenwind konfrontiert. Laut Berichten von Il Gazzettino fordern vier Mitglieder des Aufsichtsrats eine Neubesetzung von Führungspositionen, nachdem es zuvor zu Rücktritten im Gremium gekommen war.

Trotz dieser Governance-Probleme bleibt die Bank ein zentrales Objekt im italienischen Bankensektor. Analysten weisen darauf hin, dass die Bewertung des Instituts inzwischen ein Niveau erreicht hat, das mit großen US-Banken vergleichbar ist. Während die Banco BPM nun wieder verstärkt ihren eigenen Strategieplan verfolgt, bleibt abzuwarten, wie das Management in Siena auf das verbleibende Angebot von Intesa Sanpaolo reagiert. Jede weitere Entwicklung muss nun im Lichte der neuen Machtverhältnisse zwischen den italienischen Instituten und den französischen Großaktionären bewertet werden.

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