Bank of America, ASML, Allbirds: Drei Bilanzen, drei Lektionen
Die US-Konjunktur bleibt robust, während KI-Investitionen neue Wege suchen und politische Risiken für Europa steigen. Die Bilanzsaison offenbart eine selektive Rallye.

- Bank of America übertrifft mit starkem Gewinnwachstum
- ASML stößt trotz KI-Boom an Kapazitätsgrenzen
- Allbirds-Aktie explodiert nach KI-Strategiewechsel
- US-Reindustrialisierung durch Rüstungsausgaben vorangetrieben
Liebe Leserinnen und Leser,
gestern beschrieb ich die selektive Rallye an den Börsen – Kapital fließt in Unternehmen mit Preissetzungsmacht, während die Mehrheit der Fondsmanager Stagflation erwartet. Der Mittwoch hat diese These nicht nur bestätigt, sondern verschärft. Denn nun liegen die Beweise auf dem Tisch: in Form konkreter Quartalszahlen, die zeigen, wo die Wirtschaft tatsächlich wächst – und wo sie an ihre Grenzen stößt.
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94 Dollar für ein Fass Brent-Öl, eine weiterhin blockierte Straße von Hormus, ein IWF, der die globale Wachstumsprognose gesenkt hat. Isoliert betrachtet müssten die Aktienmärkte tief im Minus notieren. Stattdessen flirtet der S&P 500 mit seinem Allzeithoch, der Nasdaq verzeichnet seine zehnte Gewinnsitzung in Folge, und der DAX hält sich hartnäckig über 24.000 Punkten. US-Präsident Trump streute am Mittwoch die vage Hoffnung, der Iran-Krieg sei „fast vorbei“ und neue Gespräche könnten in 48 Stunden beginnen. Für die Märkte reicht das als Vorwand, um den Blick dorthin zu richten, wo die harten Fakten entstehen: auf die Bilanzen.
Die blockierte Straße von Hormus und Brent-Öl bei 94 Dollar sind nicht nur geopolitische Schlagzeilen – sie sind ein Investmentsignal, dem ich morgen Abend einen ganzen Abend widme. Im Live-Webinar „Projekt: Schwarzes Gold | IHR +3.105 % MASTERPLAN MIT 4 ENERGIE-TITANEN“ analysiere ich am 17.04.2026 um 19:00 Uhr konkret, welche 4 Unternehmen aus dem Energiesektor strukturell von der neuen Ölpreisrealität profitieren könnten. Dabei geht es nicht um klassische Öl-Majors, sondern um Unternehmen, die den Übergang zu technologischer Energiesouveränität aktiv gestalten – und deren Depotgewicht ich für die kommenden Quartale für entscheidend halte. Sie erfahren außerdem, wie Sie Ihr Portfolio konkret vor dem anhaltenden Energieschock schützen können. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Die Wall-Street-Maschine liefert
Den deutlichsten Beleg lieferte am Mittwoch die Bank of America. 8,6 Milliarden Dollar Quartalsgewinn – 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Zinsüberschuss kletterte auf 15,7 Milliarden Dollar und übertraf die Analystenerwartungen deutlich. CEO Brian Moynihan sprach von einer „resilienten US-Wirtschaft“, und die Zahlen geben ihm recht: Die Kundenaktivität ist robust, die Kreditausfallrückstellungen sanken sogar leicht auf 1,3 Milliarden Dollar.
Auch Morgan Stanley glänzte und wurde mit einem Kurssprung von 5,4 Prozent belohnt. Gestern noch hatte ich notiert, dass JPMorgan und Wells Fargo trotz solider Ergebnisse verhalten aufgenommen wurden – das klassische Zinsgeschäft schien an seine Grenzen zu stoßen. Bank of America widerlegt diesen Eindruck. Die Botschaft an Europa ist klar: Die amerikanische Wirtschaft konsumiert, investiert und finanziert sich weiter, weitgehend unbeeindruckt von den globalen Krisenherden. Selbst Finanzminister Scott Bessent räumte am Mittwoch ein, dass der Krieg das Wachstum im laufenden Quartal bremsen werde – betonte aber die fundamentale Stärke der Wirtschaft.
KI-Kapital sucht neue Kanäle
Während die Banken das Fundament legen, vollzieht sich im Technologiesektor eine bemerkenswerte Verschiebung. Bislang war Künstliche Intelligenz an der Börse weitgehend ein Synonym für Nvidia und Microsoft. Dieses Bild wird breiter – und widersprüchlicher.
ASML, Europas Vorzeige-Ausrüster für die Chipindustrie, meldete am Mittwoch solide Quartalszahlen mit einer Bruttomarge von 53 Prozent. Doch der Ausblick enttäuschte: 8,4 bis 9,0 Milliarden Euro Umsatz für das zweite Quartal statt der erhofften 9,1 Milliarden. Die Aktie gab um mehr als 4 Prozent nach. ASML-Chef Christophe Fouquet machte deutlich, dass die KI-Nachfrage das Angebot schlicht übersteigt – die Kapazitätsgrenzen sind erreicht. Das Kapital reagiert darauf, indem es sich neue Wege sucht: ServiceNow stieg um knapp 6 Prozent, Oracle legte 4,5 Prozent zu. Meta weitete seine KI-Chip-Partnerschaft mit Broadcom aus, was der Aktie 3 Prozent Plus bescherte. Im Bereich Quantencomputing schoss D-Wave Quantum um 19 Prozent nach oben, angetrieben von Nvidias neuem Open-Source-Modell „Ising“.
Dass diese Rotation auch groteske Züge annehmen kann, zeigt Allbirds. Der kriselnde Schuhhersteller verkündete einen „Pivot“ hin zu KI – und die Aktie verfünffachte sich auf über 12 Dollar. Ein Schuhhersteller, der sich per Pressemitteilung zum KI-Unternehmen erklärt und dafür mit einer Kursexplosion belohnt wird: Das ist kein Signal für Stärke, sondern für die Überhitzung eines Sektors, in dem jedes Etikett einen Aufpreis bekommt.
Rüstung baut Fabriken, nicht nur Waffen
Abseits des Software-Booms vollzieht sich in den USA ein handfesterer Umbau. L3Harris Technologies kündigte am Mittwoch eine Erweiterung seiner Feststoffraketenproduktion in Virginia an – Investitionsvolumen: mehr als eine Milliarde Dollar. Die Produktionsfläche soll verdoppelt, 350 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Gleichzeitig meldet die Verteidigungsindustrie in Minnesota einen massiven Boom durch Pentagon-Aufträge.
Was hier entsteht, geht über Aufrüstung hinaus. Die USA bauen ihre industrielle Basis um – weg von der Abhängigkeit fragiler Lieferketten, hin zu einer Reindustrialisierung, die durch Verteidigungsausgaben und Infrastrukturprogramme finanziert wird. Es ist exakt diese Art von Investitionen, die das Wirtschaftswachstum langfristig stützt und die amerikanische Dominanz zementiert.
Washingtons Preis für den Marktzugang
Für Europa wird diese Dominanz zunehmend spürbar. Trump droht aktuell damit, das erst 2025 geschlossene US-UK-Handelsabkommen aufzukündigen, weil sich Premierminister Keir Starmer weigert, dem Iran-Krieg beizutreten. Die Zollerleichterungen für britische Autos und Stahl stehen auf dem Spiel.
Washington nutzt seine wirtschaftliche und militärische Stärke als politisches Druckmittel – ohne diplomatische Verkleidung. Für europäische Unternehmen ergibt sich daraus ein Dilemma: Der US-Markt bleibt hochattraktiv und profitabel, wie die aktuellen Quartalszahlen eindrucksvoll belegen. Aber der politische Preis für den Zugang zu diesem Markt steigt mit jedem Quartal.
Was das für Sie bedeutet
Drei Bilanzen, drei Lektionen. Bank of America zeigt, dass die amerikanische Binnenwirtschaft robust genug ist, um geopolitische Verwerfungen abzufedern. ASML zeigt, dass selbst die besten Unternehmen an physische Kapazitätsgrenzen stoßen – und das Kapital dann weiterzieht. Allbirds zeigt, wo Euphorie in Absurdität kippt. Die Berichtssaison steht erst am Anfang. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Ertragskraft breit genug trägt, um die Rallye zu rechtfertigen – oder ob die Märkte gerade eine Rechnung aufmachen, die erst später fällig wird.
Herzlichst, Ihr Felix Baarz
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