Barrick Gold: Nicht nur Leerverkäufer machen der Aktie das Leben schwer

Kaum ein Goldminen-Unternehmen stand in den letzten Wochen und Monaten so unter Beobachtung des Kapitalmarktes wie die kanadische Barrick Gold. Der Grund hierfür ist recht einfach erklärt. Denn bei kaum einem anderen Wertpapier stehen Anspruch und Wirklichkeit in solchen krassen Gegensätzen. Das fängt schon beim Kursziel des Minenbetreibers an und hört bei den operativen Perspektiven auf.

 

© Pixabay
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Zielvorgaben in weiter Ferne

Schaut man auf die von den Analysten verbreiteten Kursziele für Barrick Gold, wäre die Aktie auf dem aktuellen Niveau ein Schnäppchen erster Güte. Denn im Durchschnitt erwarten 15 Analysten mit einem Coverage der Goldminen-Aktie ein kurzfristiges Kursziel von 13,77 Dollar. Dabei liegen die niedrigsten Kursziele bei 11 Dollar, die höchsten sogar bei 19 Dollar.

Doch selbst vom niedrigsten Kursziel können Barrick Gold und seine Aktionäre nur träumen. Denn aktuell notiert die Aktie gerade einmal knapp über 7 Dollar. Und wenig sieht danach aus, als wenn dies schon das Tief gewesen sein könnte. Das offensichtlichste Problem:

 

Leerverkäufer bestimmen das Bild

Derzeit bestimmen die Leerverkäufer die Stimmung am Markt. Wobei sich deren Engagement auf den ersten Blick noch relativ moderat zeigt. Zwar sind die Leerverkaufs-Positionen in den letzten Tagen wieder angestiegen, haben aber nur einen relativ geringen Anteil von rund 1,15% am gesamten Free float.

Was sich auch in der Short Interest Ratio bzw. Days to cover widerspiegelt, die mit 1 kaum größere Gefahren signalisiert. Das bedeutet, dass es bei den aktuellen täglichen Umsätzen nur einen Tag dauern würde, um alle Positionen zu schließen. Richtig gefährlich im Sinne eines möglichen Short Squeeze wäre es, wenn mehrere Tage nötig wären. Also: Viel Lärm um nichts?!

Dass überhaupt das Thema Leerverkäufe so hochgekocht wird, liegt an der problematischen operativen Situation. Der Zusammenhang zwischen dem erneuten Preisrutsch bei Gold und den daraus entstehenden Problemen für die Goldminen ist offensichtlich. Dennoch gibt es eben Firmen, die besser damit umgehen können, weil sie ihre Produktionskosten im Griff haben und sogar weiter absenken können. Und es gibt eben Firmen wie Barrick Gold, die eher steigende Kosten verzeichnen.

 

Schafft es Barrick Gold in die Gewinnzone?

So rückt der nächste Quartalsbericht in den Fokus. Dieser wird wahrscheinlich am 5. August veröffentlicht. Dabei geht der Konsens der Analysten davon aus, dass Barrick Gold wie im 1. Quartal einen Gewinn je Aktie von 0,06 Dollar ausweisen kann. Doch besonders interessiert wird man an den zugrunde liegenden Daten sein.

So wird damit gerechnet, dass Barrick Gold seine Goldproduktion um rund 12,5% auf 1,67 Mio. Unzen gesteigert hat. Doch wird gleichzeitig auch damit gerechnet, dass die Produktionskosten (AISC –All-in sustaining costs) um 1,4% auf 877,50 Dollar je Unze geklettert sind. So dürfte es am Ende von der zweiten Produktionslinie, der für Kupfer, abhängen, wie das Gesamtergebnis ausfällt. Wobei Kupfer bekanntlich derzeit auch seine liebe Not hat, da die Rohstoffmärkte wegen der konjunkturellen Turbulenzen in China seit geraumer Zeit nach Süden tendieren.

 

Massiver Schuldenberg: Gehen Aktionäre leer aus?

Mit einem bestenfalls stagnierenden Gewinn kommt auch wieder das Thema Schuldenreduzierung auf den Plan. Denn Barrick Gold sitzt auf rund 13 Mrd. Dollar Schulden und will davon 3 Mrd. Dollar noch bis Jahresende abbauen. Gelingen soll das durch Assetverkäufe, doch die schwache Lage am Goldmarkt bringt auch bei diesen Plänen die einkalkulierten Erlöse in Bedrängnis.

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Entsprechend rechnen einige Marktbeobachter damit, dass Barrick Gold die zu erwartende Einnahmenlücke durch eine sehr unpopuläre Maßnahme schließen könnte, der Streichung der Dividende. Das würde dem Aktienkurs wohl kaum helfen, sich zu stabilisieren, im Gegenteil.

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Fazit: Barrick Gold ist aktuell der Inbegriff des fallenden Messers. Sicher gilt, wenn es eine Bodenbildung gegeben hat, dass mit Blick auf die genannten Kursziele Barrick sicher ein hochinteressantes spekulatives Investment darstellen würde. Aktuell ist die Aktie aber zu heiß und man läuft mehr Gefahr, sich die Finger zu verbrennen.

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