Barrick Mining Aktie: 100-Millionen-Unzen-Komplex mit Newmont
Barrick und Newmont legen ihren Nevada-Konflikt bei. Der Goldpreis treibt die Branche, während sich die Konzerne neu aufstellen.

- Einigung über Nevada-Goldminen-Joint-Venture
- Newmont zahlt 1,95 Mrd. Dollar an Barrick
- Barrick-IPO der US-Sparte geplant
- Starke Q2-Zahlen: Gewinn steigt um 50%
Es gibt Momente, in denen zwei Konkurrenten mehr über den Zustand einer Branche verraten als jede Analystenstudie. Der Vergleich zwischen Barrick Mining und Newmont Corporation ist so ein Moment. Beide Unternehmen haben sich jahrelang über die Nevada Gold Mines-Gemeinschaftsunternehmung gestritten. Am Montag vor einer Woche beendeten sie diesen Streit – und schufen dabei nebenbei einen Goldkomplex mit fast 100 Millionen Unzen.
Das ist mehr als eine juristische Fußnote. Es ist ein Signal dafür, wie sehr sich die Goldbranche gerade neu ordnet, während der Preis für das Edelmetall Rekordniveaus anläuft und Minenkonzerne plötzlich wieder Verhandlungsmacht spüren.
Ein Deal, der zwei Baustellen gleichzeitig räumt
Barrick bringt die Fourmile-Liegenschaft in die Nevada Gold Mines ein, Newmont steuert die Projekte Mike und Fiberline bei. Newmont zahlt dafür eine Ausgleichszahlung von 1,95 Milliarden Dollar an Barrick – eine Summe, die zeigt, wie ungleich die eingebrachten Werte sich verteilen.
Wichtiger für Anleger aber: Mit der Einigung erteilt Newmont grünes Licht für Barricks geplanten Börsengang der nordamerikanischen Goldsparte, die bis Ende des Jahres primär in New York und sekundär in Toronto notiert werden soll. Mark Hill wird die neue Gesellschaft als Chef führen, die Minderheitsbeteiligung, die im Zuge des IPO an die Börse kommt, ist auf 10 Prozent festgelegt.
Man kann das als reine Konzernkosmetik abtun. Ich sehe darin eher ein Muster: Große Minenkonzerne entflechten sich derzeit reihenweise in schlankere, börsenfähige Einheiten – vermutlich, weil Investoren fokussierte Goldwetten den diversifizierten Mischkonzernen vorziehen.
Zahlen, die den Trend untermauern
Operativ liefert Barrick derzeit ab, was die Story stützt. Im zweiten Quartal produzierte der Konzern 796.000 Unzen Gold und übertraf damit die eigene Prognose von 730.000 bis 770.000 Unzen.
Der Umsatz kletterte auf 5,29 Milliarden Dollar, der Nettogewinn stieg um 50 Prozent auf 1,22 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 74 Prozent zu.
Zugleich zeigt sich die Kehrseite des Rohstoffzyklus: Die Gesamtkosten je Unze stiegen um 11 Prozent auf 1.866 Dollar, getrieben von höheren Treibstoffkosten, niedrigeren Erzgehalten und gestiegenen Förderabgaben.
Medienberichten zufolge belasten der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran die Ölversorgung und damit die Energiekosten der gesamten Minenbranche zusätzlich. Wer glaubt, hohe Goldpreise seien für Minenbetreiber ein reiner Selbstläufer, übersieht diese Kostenseite.
Trotzdem gab Barrick an seine Aktionäre so viel zurück wie selten zuvor: Die gesamten Ausschüttungen stiegen im Quartal um 242 Prozent auf 1,50 Milliarden Dollar, davon 1,209 Milliarden Dollar allein für Aktienrückkäufe im Rahmen des laufenden 3-Milliarden-Dollar-Programms. Das Vertrauen in die eigene Bewertung scheint beim Management ausgeprägter zu sein als das der Aktie am Markt.
Der Kurs als Spiegel der Unsicherheit
Am Freitag schloss die Aktie bei 57,80 kanadischen Dollar, ein Plus von 1,3 Prozent zum Vortag und knapp 7 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Auf Jahressicht steht ein Zuwachs von 74 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, wie stark der Goldsektor insgesamt gelaufen ist.
Seit Jahresbeginn allerdings liegt Barrick mit 3,3 Prozent im Minus, und zum 52-Wochen-Hoch von 74,00 Kanadischen Dollar aus dem Januar fehlen noch 22 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen langfristiger Rallye und kurzfristiger Konsolidierung passt zu einem Wert, der gerade seine Konzernstruktur neu verhandelt.
Die Fortschritte an anderer Front unterstreichen, dass Barrick nicht nur mit Newmont verhandelt, sondern auch operativ vorankommt: Bei Pueblo Viejo haben mittlerweile 90 Prozent der betroffenen Anwohner Umsiedlungspakete akzeptiert, die Mühlenerweiterung bei Lumwana soll bis Ende des ersten Quartals 2028 erstes Kupfer liefern.
Beim pakistanischen Reko-Diq-Projekt verzichtet der Konzern hingegen 2026 bewusst auf den Anlagenbau und senkt die geplanten Investitionen für das laufende Jahr auf 450 bis 500 Millionen Dollar.
Was bleibt, ist die Frage, ob sich das Ringen zweier Goldriesen um Claims und Zuständigkeiten am Ende in barer Münze für Aktionäre auszahlt. Die Antwort dürfte sich erst zeigen, wenn die nordamerikanische Sparte tatsächlich an der Börse notiert – und der Markt bewerten muss, was Barrick und Newmont da gemeinsam geschaffen haben.
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