BASF Aktie: Analyst Jaworski rät von der Evonik-Übernahme ab
Analyst Jaworski hält BASF für angemessen bewertet und sieht den Nachweis rentabler Investitionen als entscheidend an.

- Evonik-Angebot erneut zurückgewiesen
- Palatal-Verkauf in Chile vereinbart
- Abschluss des Verkaufs steht noch aus
- Jaworski nennt 53 Euro fairen Wert
BASF hat den Verkauf des Palatal-Geschäfts in Chile vereinbart, während Evonik das nachgebesserte Übernahmeangebot erneut abgelehnt hat. Nach der angehobenen Ergebnisprognose steht damit auch die Verwendung der finanziellen Mittel im Mittelpunkt. Dieter Jaworski schaut besonders darauf, welchen Ertrag das Management aus Verkäufen, Investitionen und Zukäufen herausholt.

BASF (DE000BASF111) — Schlusskurse 11.05.2026 bis 06.11.2026, Angaben in EUR. Stand: 06.11.2026.
Felix Baarz: Angenommen, BASF gibt die Evonik-Übernahme nach der erneuten Absage auf: Verspielt der Konzern damit eine Gelegenheit, seine Stellung im internationalen Wettbewerb zu stärken?
Dieter Jaworski: Ein Ende der Übernahmebemühungen wäre für mich zunächst eine Entlastung. BASF hat bereits genug Kapital im Einsatz, dessen Ertrag das Management erst belegen muss. Allein für den Verbundstandort Zhanjiang sind über den gesamten Investitionszeitraum rund 8,7 Milliarden Euro vorgesehen. Das bindet Aufmerksamkeit ebenso wie Geld.
Den Verkauf von Palatal an ALTA werte ich als sinnvolle Konzentration, allerdings fehlen uns die Konditionen für ein Urteil über den erzielten Wert. Außerdem steht der Abschluss noch aus. Die nächste große Übernahme kommt mir zu früh. Kamieths Bedingung, dass ein Evonik-Kauf Mehrwert schaffen müsse, klingt vernünftig; entscheidend wären der Preis und die Belastung durch die Zusammenführung.
Felix Baarz: „Die nächste große Übernahme kommt mir zu früh“, sagen Sie. Wenn europäische Standortkosten den Wettbewerbsvorteil schwächen, kann Abwarten doch ebenfalls Wert vernichten. Verlangen Sie vom Management Stillstand?
Dieter Jaworski: Sie setzen hier Handlungsfähigkeit mit einer Übernahme gleich. Ich würde die Frage anders stellen: Wo bringt der nächste eingesetzte Euro BASF den besseren Ertrag? An bestehenden Anlagen lässt sich arbeiten, ohne einen weiteren Konzern einzugliedern.
Das Verbundsystem verbindet Produktion, Energieversorgung und Logistik; Nebenprodukte einer Anlage werden zum Ausgangsstoff der nächsten. Mehr als die Hälfte des Produktionsvolumens entsteht an solchen integrierten Standorten. Diesen Vorteil erkenne ich ausdrücklich an. Er schützt allerdings nur begrenzt, wenn Wettbewerber in China oder im Nahen Osten günstiger an Energie und Rohstoffe kommen.
Eine Übernahme hebt den europäischen Kostennachteil nicht automatisch auf. Der europäische Chemie-Aktionsplan ist ebenfalls noch keine gesunkene Energierechnung. Ich möchte zuerst sehen, wie gut BASF die bereits finanzierten Anlagen auslastet.
Felix Baarz: Dann hängt Ihre Rechnung erheblich an Zhanjiang. Was passiert mit Ihrer These, wenn BASF dort zwar günstiger produziert, chinesische Wettbewerber den Vorteil aber über die Verkaufspreise abschöpfen?
Dieter Jaworski: Dann hätte BASF einen Standortvorteil aufgebaut, ohne daraus einen ausreichenden Kapitalertrag zu ziehen. Das ist mein wichtigster Vorbehalt. Zhanjiang produziert bereits und soll überwiegend Kunden in China beliefern. Die Nähe zum Kunden verringert die Abhängigkeit vom grenzüberschreitenden Warenverkehr. Sie schützt BASF kaum vor schwacher chinesischer Nachfrage oder aggressiven lokalen Anbietern.
Gerade deshalb reicht mir eine technisch gelungene Inbetriebnahme als Erfolgsmeldung nicht. Chemieanlagen können hervorragend funktionieren und ihren Eigentümern trotzdem zu wenig verdienen.
Meine skeptische Gegenposition müsste ich aufgeben, wenn die neuen Anlagen auch bei anhaltend hartem Wettbewerb verlässlich Geld erwirtschaften und die Kapitalbindung zurückgeht. Ein bloßer Preisaufschwung würde mich weniger überzeugen. Den kann das Management nicht bestellen.
Felix Baarz: Welche Bewertung trägt BASF dann heute? Die angehobene Ergebnisprognose spricht immerhin dafür, dass die Kerngeschäfte besser laufen als zuvor erwartet.
Dieter Jaworski: Die Verbesserung verdient Anerkennung. Mein faires Niveau auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei rund 53 Euro. Damit stehe ich nahe beim Analysten-Konsens und behaupte keinen großen Bewertungsirrtum des Marktes.
Mein Vorbehalt betrifft die Qualität dessen, was bereits erwartet wird. Bei der am 28. Oktober angehobenen Ergebnisprognose blieb der Ausblick für den freien Mittelzufluss unverändert – also für das Geld, das nach den Investitionen übrig bleibt. Die höhere Kapitalbindung in Vorräten zeigt, warum Ergebnis und verfügbare Mittel auseinanderlaufen können.
Auch die konservative Bewertung der einzelnen Sparten liefert mir kein bequemes Unterbewertungsargument. Sie bleibt unter dem Börsenwert; Pensionsrückstellungen sind dabei noch nicht einmal abgezogen. Für einen höheren Wert muss BASF bessere Erträge aus seinem Kapital nachweisen.
Ausschüttungen und Rückkäufe gehören zur Kapitalverwendung dazu. Rückkäufe bewerte ich nach ihrem Preis und ihrer Wirkung auf den Wert je verbleibender Aktie. Sie ersetzen den Nachweis guter Investitionsentscheidungen nicht. Eine pauschale Behauptung, BASF fehle dafür die finanzielle Beweglichkeit, lässt sich aus dem Ausblick allerdings ebenso wenig ableiten.
Felix Baarz: Mehrere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder haben im Mai eigenes Geld in BASF-Aktien gesteckt. Warum gewichten Sie Ihr Misstrauen gegenüber der Kapitalverwendung stärker als deren Bereitschaft, persönlich ins Risiko zu gehen?
Dieter Jaworski: Die Käufe sprechen für die Überzeugung der Beteiligten, und das rechne ich ihnen an. Eigenes Geld einzusetzen macht eine Entscheidung glaubwürdiger. Ob sie wirtschaftlich richtig liegt, muss das Geschäft trotzdem erst zeigen.
Felix Baarz: Bei Ihrem fairen Niveau von 53,42 Euro und dem noch ausstehenden Nachweis besserer Kapitalerträge: Ist BASF für Sie angemessen bewertet, oder steckt bereits zu viel Zuversicht in der Aktie?
Dieter Jaworski: Für mich ist BASF angemessen bewertet, mit wenig Raum für enttäuschende Kapitalerträge. Am stärksten wiegt, was Zhanjiang und die bestehenden Geschäfte künftig tatsächlich an Geld liefern; die Insiderkäufe haben deutlich weniger Gewicht. Eine teure Evonik-Übernahme würde meine Skepsis verschärfen. BASF muss vorhandenes Kapital erst besser verdienen lassen, bevor die nächste große Verwendung überzeugt.
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