BASF Aktie: Coatings-Verkauf an Carlyle
BASF überrascht mit starken Q2-Zahlen und erhöht Jahresprognose. Der Coatings-Verkauf an Carlyle treibt das Ergebnis, während der Konzern soziale Konflikte in Ludwigshafen managt.

- Umsatz steigt um 16 Prozent
- EBITDA-Prognose deutlich angehoben
- Coatings-Verkauf bringt Milliardenerlös
- Wohnungsverkauf in Ludwigshafen gestoppt
BASF hat für das zweite Quartal 2026 vorläufige Zahlen vorgelegt, die deutlich über den Erwartungen liegen. Der Konzern hob daraufhin am 15. Juli seine Jahresprognose an. Gleichzeitig sorgt der Umgang mit einem sozialen Thema am Stammsitz Ludwigshafen für Schlagzeilen. An der Börse zeigt sich die Aktie davon bislang unbeeindruckt: Am Freitag schloss das Papier bei 48,60 Euro, ein Rückgang von 0,42 Prozent. Damit notiert der Titel gut zwölf Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Kräftiger Ergebnissprung treibt die Prognose
Nach den vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro, nach 14,8 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte auf 2,4 Milliarden Euro und übertraf damit sowohl den Vorjahreswert von 1,6 Milliarden Euro als auch den Analystenkonsens von 2,1 Milliarden Euro klar. Das den Aktionären zurechenbare Nettoergebnis erreichte vorläufig 4,1 Milliarden Euro, nach nur 79 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Die Welt berichtet, dass dieser Sprung maßgeblich auf einen Buchgewinn aus einer Spartenveräußerung zurückgeht.
Auf Basis dieser Zahlen hob BASF die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr an: Statt bislang 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro erwartet der Konzern nun ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Die Anhebung zeigt, wie stark der Konzern von der Sparteveräußerung profitiert – zugleich bleibt abzuwarten, wie tragfähig das operative Geschäft jenseits dieses Einmaleffekts tatsächlich ist.
Der Coatings-Verkauf als Ergebnistreiber
Hintergrund des Buchgewinns ist der Ende Juni abgeschlossene Verkauf des globalen Coatings-Geschäfts für Fahrzeug- und Industrielacke an den US-Finanzinvestor Carlyle. BASF erzielte dabei einen Nettoerlös von rund 4,1 Milliarden Euro. Der Deal markiert einen weiteren Schritt im Konzernumbau und liefert die finanzielle Basis für die nun höhere Gewinnprognose. Anleger dürften beim vollständigen Halbjahresbericht genauer hinschauen, welcher Anteil des Ergebnissprungs aus dem laufenden Geschäft stammt und welcher aus dem Einmalerlös.
Personalkontinuität und gestoppter Wohnungsverkauf
Parallel zur Zahlenvorlage sorgte BASF am Donnerstag für zwei weitere Nachrichten. Der Aufsichtsrat verlängerte die Bestellung der Vorstandsmitglieder Katja Scharpwinkel, zuständig als Arbeitsdirektorin und Standortleiterin Ludwigshafen, sowie Anup Kothari, der die Bereiche Industrial Solutions und Surface Technologies verantwortet, vorzeitig bis zur Hauptversammlung 2030. Der Schritt signalisiert personelle Stabilität in einer Phase tiefgreifender struktureller Veränderungen.
Zugleich stoppte der Konzern nach Protesten von Mietern den geplanten Teilverkauf von rund 3.300 Werkswohnungen am Standort Ludwigshafen vorerst. Medienberichten zufolge reagierte BASF damit auf den Widerstand vor Ort. Für Anleger ist die Personalie eher Randnotiz, das soziale Thema könnte jedoch die öffentliche Wahrnehmung des Konzerns am wichtigsten Standort weiter beeinflussen.
Ausblick auf den Halbjahresbericht
Am 29. Juli will BASF den vollständigen Halbjahresfinanzbericht veröffentlichen und die Details des zweiten Quartals auf einer Pressekonferenz erläutern. Erst dann dürfte sich zeigen, wie belastbar die operative Entwicklung abseits des Coatings-Verkaufs tatsächlich ist. Die Aktie bewegt sich aktuell knapp unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und rund zwei Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass der Markt die jüngsten Nachrichten bislang eher verhalten verarbeitet hat. Der Bericht Ende Juli dürfte zeigen, ob sich das ändert.
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