BASF Aktie: Evonik-Deal platzt!

Evonik lehnt BASFs Offerte ab; Gewerkschaft verlangt Standortzusagen, während die RAG-Stiftung für einen möglichen Deal entscheidend ist.

Die Kernpunkte:
  • Evonik weist BASF-Angebot zurück
  • IGBCE verlangt Standort- und Investitionszusagen
  • RAG-Stiftung hält rund 44 Prozent
  • BASF-Aktie verliert gestern 1,1 Prozent

Der Vorstoß des Ludwigshafener Chemiekonzerns für einen Zusammenschluss im heimischen Spezialchemiesektor stößt auf massiven Widerstand. Nachdem Evonik ein erstes Übernahmeangebot von BASF gestern als zu niedrig abgewiesen hat, schlagen auch die Arbeitnehmervertreter Alarm. Für den DAX-Konzern zeichnet sich ab, dass ein Deal ohne kostspielige Zugeständnisse kaum zu realisieren sein wird.

Gewerkschaft fordert Garantien für Standorte

Deutliche Skepsis an den Plänen äußerte gestern die Gewerkschaft IGBCE. Deren Vorsitzender Michael Vassiliadis stellte klar, dass eine größere Unternehmensgröße allein weder Arbeitsplätze noch Standorte sichere. Er forderte von den Verantwortlichen verbindliche Zukunftsperspektiven und Investitionszusagen für die Belegschaften.

Die Vorbehalte treffen auf zwei Konzerne, die bereits tief in eigenen Sparprogrammen stecken. Evonik plant den Abbau von 3.200 Stellen in den Jahren 2027 bis 2029. Zeitgleich baut BASF Arbeitsplätze in Deutschland ab und forciert stattdessen Großprojekte im chinesischen Markt.

Das strukturelle Umfeld in der europäischen Chemieindustrie erhöht die Brisanz des Vorhabens. Hohe Energiekosten, bürokratische Auflagen und der zunehmende Importdruck durch asiatische Produzenten belasten die heimische Grundstoffchemie nachhaltig. Eine Fusion könnte zwar Synergien freisetzen, löst die standortbedingten Nachteile in Deutschland jedoch keineswegs von selbst.

Bewertungslücke blockiert vertiefte Gespräche

Zusätzlich zur Skepsis der Belegschaft verhindert ein deutlicher Bewertungsabstand den Fortgang der Gespräche. Laut Medienberichten bot BASF rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie, was das Eigenkapital des Essener Konzerns mit rund 10,3 Milliarden Euro beziffert.

Obwohl diese Offerte einen Aufschlag von knapp 29 Prozent auf den Aktienkurs vor den ersten Spekulationen bedeutete, wies das Evonik-Management das Angebot postwendend ab. Der Konzern sah darin keine ausreichende Basis für formelle Verhandlungen oder eine Buchprüfung.

BASF verwies daraufhin auf einen disziplinierten Ansatz und lehnte eine Stellungnahme zu Preisdetails ab. Die Ludwigshafener machten deutlich, dass sich mögliche Synergien ohnehin nur bei einer kooperativen Einbindung der Evonik-Führung verlässlich beziffern lassen. Ob und in welchem Rahmen die Sondierungen fortgeführt werden, ließen beide Seiten vorerst offen.

Schlüsselrolle der RAG-Stiftung

Eine zentrale Hürde bleibt die Eigentümerstruktur des Übernahmeziels. Die RAG-Stiftung hält rund 44 Prozent der Evonik-Aktien und besitzt damit faktisch eine Sperrminorität. Ohne deren ausdrückliche Unterstützung ist ein freiwilliges öffentliches Angebot an die Anteilseigner chancenlos.

Die Analysten der DZ Bank stuften Evonik mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 22 Euro ein. Sie hoben hervor, dass neben der Finanzierungsstruktur und zusätzlichen Einsparpotenzialen vor allem die Haltung der Stiftung über den Ausgang der Verhandlungen entscheidet.

Für BASF-Aktionäre bleibt die Gemengelage heikel. Das Vorhaben birgt angesichts der ungelösten Bewertungsfragen und des gewerkschaftlichen Gegenwinds erhebliche Risiken für die Kapitaldisziplin des Vorstands.

An der Börse reagierten die Marktteilnehmer zurückhaltend auf die verfahrene Situation. Die BASF-Aktie schloss gestern bei 50,31 Euro, was einem Tagesverlust von 1,1 Prozent entspricht. Seit Jahresanfang verzeichnet das Papier dennoch ein Kursplus von 13 Prozent.

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