BASF Aktie: Experten warnen vor zu hohen Ausschüttungen

BASF erzielte im zweiten Quartal 4,1 Milliarden Euro, profitierte dabei jedoch stark vom Verkauf der Lacksparte und steht operativ unter Druck.

Die Kernpunkte:
  • Lackverkauf steuert 3,5 Milliarden Euro bei
  • Ausschüttungen übersteigen den freien Cashflow
  • CoreShift senkt Beschäftigtenzahl in Ludwigshafen
  • trinamiX verklagt Apple wegen sieben Patenten

Die BASF-Aktie blickt auf ein bisher erfolgreiches Börsenjahr zurück, doch hinter den Kulissen mehren sich kritische Stimmen zur langfristigen Substanz der Ertragsstärke. Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob der Chemiekonzern seine großzügige Ausschüttungspolitik dauerhaft aus dem operativen Geschäft finanzieren kann oder ob Einmaleffekte lediglich ein schwächelndes Kerngeschäft kaschieren.

Einmaleffekte treiben Quartalsgewinn

Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 fielen auf den ersten Blick beeindruckend aus: BASF meldete einen Gewinn von 4,1 Milliarden Euro. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass dieser Sprung primär auf den Verkauf der Lacksparte an den Finanzinvestor Carlyle zurückzuführen ist. Dieser Deal steuerte allein 3,5 Milliarden Euro nach Steuern zum Ergebnis bei. Ohne diesen Sondereffekt stünde das Unternehmen vor größeren Herausforderungen, da die Sparte für Basischemie weiterhin Verluste verzeichnet.

Medienberichten zufolge warnen Experten wie Warren Wise davor, dass BASF mehr Kapital an seine Aktionäre verteilt, als im laufenden Betrieb verdient wird. Wise weist darauf hin, dass der Konzern seit drei Jahren seine Kapitalkosten nicht mehr verdient hat.

Die Summe aus Dividendenzahlungen und den vor rund zwei Wochen durchgeführten Aktienrückkäufen übersteigt demnach den Free Cashflow des Unternehmens. In seiner Analyse erhält die Bewertung des Konzerns daher lediglich zwei von fünf möglichen Punkten.

Umbau und personeller Neuanfang

Um der negativen Entwicklung im Kerngeschäft entgegenzuwirken, treibt das Management das Sparprogramm „CoreShift“ voran. Dieses umfasst einen deutlichen Stellenabbau, der insbesondere den Standort Ludwigshafen trifft. Die Zahl der Beschäftigten am Stammsitz ist mittlerweile auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1954 gesunken. Diese Maßnahmen spiegeln den tiefgreifenden Wandel wider, in dem sich der Chemiekonzern befindet.

Auch in der Führungsebene gibt es Veränderungen. Melanie Maas-Brunner, die ehemalige Technologievorständin, hat sich gegen eine Vertragsverlängerung bei BASF entschieden. Sie wird künftig als Präsidentin des Stifterverbandes tätig sein. Dieser personelle Wechsel erfolgt in einer Phase, in der das Unternehmen auch juristische Auseinandersetzungen führt.

So reichte die BASF-Tochter trinamiX am vergangenen Freitag in den USA eine Klage gegen Apple ein. Dem Technologiekonzern wird vorgeworfen, mit der Gesichtserkennung Face ID sieben Patente zur Materialerkennung verletzt zu haben.

Marktentwicklung und Ausblick

Trotz der internen Baustellen konnte die Aktie seit Jahresbeginn um 20 % zulegen und unterstreicht damit das Vertrauen vieler Anleger in den laufenden Transformationsprozess. Das Papier beendete den gestrigen Handel bei 53,20 Euro. Damit notiert der Wert derzeit etwa 3,4 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, das Mitte April erreicht wurde.

Anleger richten ihren Blick nun auf den 28. Oktober, wenn BASF die Ergebnisse für das dritte Quartal vorlegen wird. Analysten erwarten für das Gesamtjahr 2026 derzeit einen Gewinn je Aktie von 3,08 Euro. Ob die für das laufende Jahr erwartete Dividende von 2,27 Euro – nach 2,25 Euro im Vorjahr – tatsächlich durch nachhaltige operative Fortschritte untermauert werden kann, bleibt der entscheidende Faktor für die weitere Kursentwicklung.

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