BASF Aktie: Freitag der Weichenstellungen
BASF hat Evonik unverbindlich angesprochen; Gespräche laufen nicht, und der Ausgang möglicher Sondierungen bleibt offen.

- RAG-Stiftung hält 43 Prozent an Evonik
- BASF legte unverbindliche Übernahmeofferte vor
- Berenberg sieht 24 bis 25 Euro als denkbar
- IGBCE mahnt bei möglichem Deal zur Besonnenheit
Bei der geplanten Evonik-Übernahme könnten heute wichtige Entscheidungen fallen. Das Kuratorium der RAG-Stiftung tritt zusammen, und auch der BASF-Aufsichtsrat soll sich mit dem Thema befassen. Konkrete Beschlüsse sind bislang nicht bekannt.
Was bisher feststeht
Vor knapp zwei Wochen machten BASF, Evonik und die RAG-Stiftung öffentlich, dass BASF eine Offerte für den Essener Spezialchemiekonzern vorgelegt hat. Evonik spricht von einer unverbindlichen Ansprache, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien zielt. Gespräche finden derzeit nicht statt. BASF erklärte, Fortgang und Ausgang der Sondierungen seien offen.
Die RAG-Stiftung hält 43 Prozent an Evonik und ist damit der entscheidende Akteur. Ohne ihre Rückendeckung dürfte ein Angebot kaum Aussicht auf Erfolg haben.
Preisfantasie bei Evonik
Im Raum stand zuletzt ein Preis von 22,15 Euro je Evonik-Aktie. Vor den ersten Berichten über die Pläne kostete das Papier gut 18 Euro, inzwischen notiert es etwas über 21 Euro. Der Markt preist also einen Aufschlag bereits weitgehend ein.
Berenberg-Analyst Sebastian Bray hält sogar 24 bis 25 Euro für denkbar. Für BASF hieße das: Der Preis für den Zukauf könnte noch steigen.
Politik und Gewerkschaft bremsen
Der Deal ist politisch aufgeladen. Die oppositionelle SPD im Düsseldorfer Landtag regt an, dass das Land Nordrhein-Westfalen als Anteilseigner bei Evonik einsteigt. Gemeinsam mit der RAG-Stiftung hätte es dann mehr als 50 Prozent der Anteile.
Die Gewerkschaft IGBCE mahnte am Vortag in einem skeptischen Brief an die Betriebsräte beider Konzerne zur Besonnenheit. Schnellschüsse dürfe es nicht geben, der Druck auf Standorte und Arbeitsplätze sei seit Jahren hoch.
Der Hintergrund: Die europäische Chemiebranche steckt seit Längerem in der Krise, asiatische Anbieter gewinnen Boden. Eine Sonderkonjunktur durch die teilweise Sperrung der Straße von Hormus im Krieg zwischen den USA und dem Iran verschafft BASF und Evonik derzeit etwas Rückenwind, weil Wettbewerber in Asien unter Ölengpässen leiden. An den Umbauplänen beider Konzerne ändert das wenig.
Entscheidend ist heute, ob aus den Sitzungen von Kuratorium und Aufsichtsrat ein Signal nach außen dringt. Ein formelles Übernahmeangebot wäre der nächste konkrete Schritt, bislang liegt nur die unverbindliche Ansprache vor.
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