BASF Aktie: Offen für mehr Geld
BASF erwägt eine höhere Offerte für Evonik erst nach Einsicht in dessen Unterlagen; mögliche EU-Schutzmaßnahmen stützen den Chemiesektor.

- Erstes Angebot lag bei 22,15 Euro
- Evonik wies die Offerte zurück
- BASF knüpft Aufstockung an Akteneinsicht
- EU-Gipfel könnte China-Schutzmaßnahmen thematisieren
BASF hält sich im Ringen um Evonik die Tür für ein höheres Gebot offen. Allerdings knüpft der Konzern eine Aufstockung an eine Bedingung: Er will zuerst in die Bücher des Spezialchemiekonzerns schauen. Zusätzlich gibt es Rückenwind aus Brüssel.
Höheres Gebot nur nach Einblick in die Bücher
Der erste Vorstoß lag nach vorliegenden Informationen bei 22,15 Euro je Aktie. Evonik wäre damit inklusive Schulden mit mehr als 14 Milliarden Euro bewertet worden. Das Evonik-Lager lehnte die Offerte als zu niedrig ab.
BASF wäre nun bereit, über mehr zu sprechen, sofern eine Prüfung der Unterlagen vorangeht. Evonik selbst hatte die Ansprache als unverbindlich beschrieben. Sie ziele auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien. Gespräche fänden derzeit nicht statt, BASF nannte den Ausgang der Sondierungen offen.
Der Markt rechnet offenbar mit einer Nachbesserung. Evonik notierte vor den ersten Berichten bei gut 18 Euro, zuletzt bei rund 21,70 Euro. Berenberg-Analyst Sebastian Bray hält eine Offerte von 24 bis 25 Euro für denkbar.
Obendrein signalisiert BASF Entgegenkommen bei Beschäftigung. Bestehende Verträge zur Sicherung von Jobs und Standorten bei Evonik würde der Konzern vollumfänglich einhalten. Betriebsbedingte Kündigungen sind dort in Deutschland bis 2032 ausgeschlossen. Auch Evoniks Pläne, das Basischemie-Geschäft Oxeno und den Chemieparkbetreiber Syneqt zu verkaufen, würde sich BASF anschauen.
Rückenwind durch den EU-Gipfel
Parallel dazu zieht der gesamte Chemiesektor an. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag könnten Schutzmaßnahmen gegen chemische Importe aus China zur Sprache kommen. Vor allem die Bundesregierung dränge laut Bloomberg-Informationen auf solche Schritte, auch für Maschinenbau und womöglich Pharma.
BASF gewann am Mittwoch auf Xetra rund 1,7 Prozent auf 52,27 Euro. Lanxess legte um über vier Prozent zu. Die EU und China hatten sich zuletzt bereits auf eine Begrenzung chinesischer Hybridautos geeinigt.
Jefferies verweist auf die Reifenbranche als Blaupause. Während einer EU-Untersuchung zu chinesischen Reifenimporten stiegen die Kurse europäischer Hersteller um 34 Prozent, nach den Ergebnissen legten sie weiter zu. Investoren bewerten solche Papiere demnach schon vor politischen Entscheidungen neu.
Konsolidierung als Leitmotiv
Hohe Energiepreise und wachsende Konkurrenz aus China setzen die europäische Chemie unter Druck. Eine Evonik-Übernahme würde BASFs Kerngeschäft stärken und passt in das Bild einer beginnenden Branchenkonsolidierung. Ob ein verbessertes Angebot kommt, hängt vom Einblick in die Evonik-Bücher ab. Der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag liefert zunächst den nächsten handelspolitischen Hinweis für die Branche.
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