BASF und der Rhein: Wie viel Niedrigwasser verträgt die Bilanz?

BASF kompensiert das Rhein-Niedrigwasser mit Lkw und Bahn, während die angehobene Prognose und der mögliche Agrar-Börsengang im Fokus bleiben.

Die Kernpunkte:
  • Rhein-Niedrigwasser begrenzt BASF-Lieferungen
  • Lkw und Bahn ersetzen Binnenschiffe
  • Jahresprognose liegt bei 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro
  • Agrar-Börsengang bleibt eine Möglichkeit

Ausgangslage

Der Rhein führt extremes Niedrigwasser, und BASF spürt die Folgen direkt an seinem größten Standort. Wie Reuters am Montag berichtete, kann der Konzern erste Produkte in Ludwigshafen nicht mehr im vollen Umfang liefern. Das trifft einen Konzern, der laut eigenen Angaben rund 40 Prozent seiner Rohstoffe über den Fluss bezieht.

BASF weicht verstärkt auf Lastwagen und Schiene aus und baut ein Kombiverkehrsterminal in Ludwigshafen aus, um die Abhängigkeit vom Wasserstand zu verringern.

Warum das jetzt zählt: Die Aktie kommt aus einer starken Phase. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 18 Prozent, der Kurs notiert mit 52,28 Euro rund 7,4 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Ein handfestes operatives Risiko trifft damit auf eine Bewertung, die bereits einiges an guter Stimmung eingepreist hat.

CEO Markus Kamieth sprach laut Reuters bislang von keinen signifikanten Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis 2026 – warnte aber zugleich, dass das Risiko von Produktionsunterbrechungen mit jeder weiteren Dürre-Woche steige.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft die Bewertung der kommenden Wochen auf eine einzige Größe hinaus: die Dauer des Niedrigwassers. Hält der Pegel sich in einem Bereich, in dem Lastwagen und Schiene die Lücke schließen können, bleibt der Vorfall eine logistische Fußnote.

Zieht sich die Trockenheit jedoch über Wochen hin, drohen echte Produktionsausfälle am Verbundstandort Ludwigshafen – und damit ein Belastungsfaktor, der die im Juli angehobene Jahresprognose infrage stellen könnte. Die nächste verlässliche Standortbestimmung liefert erst die Telefonkonferenz zu den Q3-Zahlen am 28. Oktober.

Bullisches Szenario

Für die Optimisten spricht die fundamentale Ausgangslage. BASF hatte im Juli für das zweite Quartal ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 2,4 Milliarden Euro gemeldet, deutlich über dem Analystenkonsens, und die Jahresguidance auf 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro angehoben.

Der Cashflow aus dem im Juni abgeschlossenen Coatings-Verkauf an Carlyle, der BASF vor Steuern 5,8 Milliarden Euro einbrachte, stärkt die Bilanz zusätzlich. Parallel dazu treibt der Konzern seit dem Wochenbeginn den geplanten Börsengang der Agrarsparte voran: Die Ausgliederung von Agriculture Solutions in Nord- und Südamerika sowie Europa ist laut BASF größtenteils abgeschlossen, Asien soll bis Ende 2026 folgen.

Vorstand Livio Tedeschi kündigte an, sich im kommenden Jahr voll auf die Vorbereitung eines möglichen Börsengangs zu konzentrieren, mit den nötigen Voraussetzungen bis Mitte 2027. Käme es tatsächlich zur Notierung, würde das Kapital freisetzen und die Konzernstruktur vereinfachen – ein Szenario, das dem seit Donnerstag laufenden neuen Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarde Euro zusätzlichen Rückenwind geben könnte, seit dessen Start der Kurs bereits um 1,8 Prozent zulegte.

Bärisches Szenario

Das Risiko ist kein Strohmann. Sollte sich das Niedrigwasser über den Herbst fortsetzen, drohen mehr als nur vereinzelte Lieferengpässe. Ludwigshafen ist der größte integrierte Chemiestandort des Konzerns, und eine anhaltende Logistikkrise würde die im Juli angehobene Guidance unter Druck setzen – ausgerechnet in einem Jahr, in dem BASF ohnehin gleichzeitig einen milliardenschweren Konzernumbau stemmt.

Der Agrar-Börsengang bleibt zudem ein Vorhaben mit offenem Ausgang: Tedeschi selbst spricht von einem „möglichen“ Börsengang, nicht von einer beschlossenen Sache, und die Voraussetzungen dafür sollen erst Mitte 2027 stehen.

Verzögert sich die Ausgliederung in Asien über 2026 hinaus, verschiebt sich der gesamte Zeitplan. Auch die Bewertung selbst ist ein Risikofaktor: Nach dem Lauf der vergangenen Monate liegt der Kurs bereits 5,6 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, ein Rückschlag bei schlechten Nachrichten hätte entsprechend Raum nach unten, ohne dass charttechnisch viel Unterstützung im Weg stünde.

Ausblick

Solange BASF die Rheinlogistik über Lastwagen und Schiene kompensieren kann, ohne dass sich Lieferengpässe zu echten Produktionsausfällen ausweiten, bleibt die operative Story intakt: angehobene Guidance, laufender Rückkauf, fortschreitende Agrar-Ausgliederung.

Kippt die Wasserstandslage jedoch in eine mehrwöchige Krise, dürfte das die Diskussion neu entfachen, wie belastbar die Jahresprognose tatsächlich ist. Der nächste harte Prüfstein ist die Telefonkonferenz zur Q3-Mitteilung am 28. Oktober – dort dürfte sich zeigen, ob das Niedrigwasser eine Randnotiz bleibt oder in den Zahlen sichtbare Spuren hinterlassen hat.

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