BASF vor der Guidance-Frage: Wie tragfähig ist die angehobene Prognose?

BASF erhöhte die Jahresprognose, senkte zugleich die Makroannahmen. Die Q3-Zahlen am 28. Oktober sollen den Erholungskurs überprüfen.

Die Kernpunkte:
  • BASF-Aktie verliert kurzfristige Unterstützung
  • Jahresprognose auf 6,9 bis 7,7 Milliarden
  • Makroausblick für 2026 vorsichtiger
  • Q3-Telefonkonferenz am 28. Oktober

Ausgangslage

BASF-Aktien sind zuletzt unter Druck geraten: Am Freitag rutschte der Kurs um 2,1 Prozent ab, binnen sieben Tagen steht ein Minus von 2,4 Prozent zu Buche.

Ein eindeutiger Auslöser für die jüngste Schwäche lässt sich nicht festmachen – Marktbeobachter sehen die Bewegung eher im Kontext von Gewinnmitnahmen im gesamten Chemiesektor, nachdem viele Werte von einer Sonderkonjunktur rund um den Nahost-Konflikt profitiert hatten. Charttechnisch fiel der Kurs dabei unter seine kurzfristige Unterstützung.

Damit rückt eine andere Frage in den Vordergrund: Kann BASF die im Sommer angehobene Jahresprognose tatsächlich liefern? Der Konzern hatte im Juli seine vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt – ein Umsatzplus von 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von 2,4 Milliarden Euro, das den Analystenkonsens von 2,1 Milliarden Euro klar übertraf.

Das Jahresergebnis wurde entsprechend nach oben korrigiert: 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro EBITDA vor Sondereinflüssen, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Nach der schwachen Nachfrage im ersten Quartal, als Umsatz und EBITDA jeweils rückläufig waren, wirkte das wie eine Bestätigung der Kehrtwende.

Die entscheidende Frage

Der Knackpunkt liegt in den eigenen Annahmen des Konzerns: BASF hat parallel zur angehobenen Guidance auch seine makroökonomischen Erwartungen für 2026 gesenkt – das erwartete BIP-Wachstum auf 2,5 statt 2,7 Prozent, die Chemieproduktion auf 1,8 statt 2,4 Prozent, begründet mit der Unsicherheit rund um den Nahost-Konflikt und die Straße von Hormus.

Zwei gegenläufige Signale prallen damit aufeinander: höhere Gewinnerwartung bei gleichzeitig vorsichtigerer Konjunktureinschätzung. Ob sich dieser Widerspruch auflöst, entscheidet maßgeblich darüber, ob die Guidance bis Jahresende Bestand hat.

Der Verband der Chemischen Industrie liefert dazu einen nüchternen Rahmen: Verbandspräsident Markus Steilemann sprach von einer „Atempause, keine Trendwende“ und verwies darauf, dass die Belebung vor allem auf Lageraufbau der Kunden aus Sorge vor Lieferengpässen zurückgehe – nicht auf echte Nachfragestärke. Die Branchenproduktion lag im ersten Halbjahr rund 3 Prozent unter Vorjahresniveau, der Umsatz sank um 1 Prozent auf 106 Milliarden Euro.

Bullisches Szenario

Hält der Sondereffekt aus dem Nahen Osten länger an als erwartet oder normalisiert sich die Nachfrage organisch, könnte BASF die obere Spanne der angehobenen Guidance erreichen. Zusätzlichen Rückenwind liefert die Kapitalseite: Das laufende Aktienrückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Euro, gestartet im August, signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung.

Auch operativ tut sich etwas – die neue Durasorb-LNG-Technologie ist inzwischen an mehreren Verflüssigungszügen von Cheniere Energy in Betrieb, mit weiteren Ausbaustufen bis Ende 2027. Sollte sich die Kombination aus Kostendisziplin, Sondersituation und Kapitalrückführung als tragfähig erweisen, hätte die Aktie Potenzial, sich wieder in Richtung ihres 52-Wochen-Hochs von 55,05 Euro zu bewegen – aktuell liegt sie gut 5 Prozent darunter.

Bärisches Szenario

Kippt der Sondereffekt, drohen die vorsichtigeren Makroannahmen des eigenen Managements zur Realität zu werden. Die Warnung des Branchenverbands vor einer bloßen „Atempause“ wiegt schwer, weil sie exakt die Lageraufbau-Dynamik beschreibt, die auch BASFs Q2-Zahlen mitgetragen haben dürfte. Fällt diese Sonderkonjunktur weg, ohne dass echte Endnachfrage nachrückt, würde die obere Guidance-Spanne unrealistisch.

Jefferies-Analyst Marcus Dunford-Castro hatte bereits Ende Juni – also vor der Guidance-Anhebung – sein Kursziel auf 44 Euro gesenkt und vor überzogenen Erwartungen für das zweite Halbjahr gewarnt; diese Einschätzung ist inzwischen älter als üblich belastbar, markiert aber den Kern des Risikos.

Auch charttechnisch ist die Lage fragil: Der jüngste Bruch der kurzfristigen Unterstützung bei rund 52 Euro zeigt, wie sensibel der Markt auf Anzeichen einer Abschwächung reagiert.

Ausblick

Solange sich die Nahost-bedingte Sonderkonjunktur nicht abrupt auflöst und BASF von seinem Rückkaufprogramm profitiert, bleibt die angehobene Guidance ein plausibles Szenario. Kippt jedoch die vom Branchenverband beschriebene Lagerhaltungsdynamik, ohne dass strukturelle Nachfrage nachrückt, dürfte sich das Gewinnbild rasch wieder eintrüben.

Der nächste konkrete Prüfstein folgt am 28. Oktober mit der Telefonkonferenz zu den Q3-Zahlen – dort wird sich zeigen, ob der Sommer-Schub von Dauer war oder tatsächlich nur eine Atempause.

Anzeige

BASF-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BASF-Analyse vom 13. September liefert die Antwort:

Die neusten BASF-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BASF-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

BASF: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu BASF