Bayer Aktie: 4.000 Glyphosat-Klagen zur Abweisung eingereicht

Bayer beantragt Abweisung tausender Glyphosat-Klagen nach Supreme-Court-Urteil. BASF-Agrarsparte dient als neuer Bewertungsanker für den Konzern.

Die Kernpunkte:
  • Antrag auf Abweisung von 4.000 Klagen
  • Supreme-Court-Urteil als Rechtsgrundlage
  • BASF-Agrarsparte als Bewertungsanker
  • Moody's hebt Ausblick auf positiv an

Bayer nutzt ein wegweisendes Urteil aus Washington, um sich von einer der größten juristischen Lasten der Konzerngeschichte zu befreien. Am Wochenende beantragte der Leverkusener Konzern offiziell, rund 4.000 gebündelte Glyphosat-Klagen vor US-Bundesgerichten abweisen zu lassen. Die Aktie reagiert am Montag mit einer leichten Korrektur, bleibt aber im starken Aufwärtstrend.

Das Papier notiert aktuell bei 49,86 Euro. Das ist ein Minus von 0,64 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 50,18 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 38,27 Prozent zu Buche.

Supreme Court liefert die Rechtsgrundlage

Grundlage für den Antrag ist das Urteil im Fall „Monsanto gegen Durnell“ vom 25. Juni 2026. Der Oberste Gerichtshof entschied mit sieben zu zwei Stimmen: US-Bundesrecht hat Vorrang vor den Warnhinweis-Ansprüchen einzelner Bundesstaaten. Die Umweltbehörde EPA stufte Glyphosat wiederholt als nicht krebserregend ein. Damit entfällt laut Bayer die rechtliche Basis für tausende Klagen wegen fehlender Warnhinweise.

Analysten werten den Schritt als wichtig für die finanzielle Planbarkeit des Konzerns. CEO Bill Anderson treibt parallel den Umbau voran. Er bündelte das US-Glyphosatgeschäft bereits in der neuen Gesellschaft Ruveon LLC, um operative Risiken zu isolieren.

Am 19. August 2026 steht die finale Anhörung zu einem milliardenschweren Sammelvergleich an. Er soll einen Großteil der verbliebenen Verfahren beenden. Das Volumen: 7,25 Milliarden US-Dollar.

BASF-Pläne setzen neuen Bewertungsanker

Zusätzlichen Rückenwind liefert die Konkurrenz. Medienberichten zufolge will BASF seine Agrarsparte bis 2027 börsenreif machen. Die angepeilte Bewertung: über 20 Milliarden Euro.

Bayers Crop-Science-Sparte ist deutlich größer als das BASF-Agrargeschäft. Investoren nutzen die BASF-Pläne deshalb als Bewertungsanker für Bayer. Er zeigt, wie viel Aufwärtspotenzial in den Segmenten steckt, sollte das Rechtsrisiko weiter sinken.

Auch die Ratingagentur Moody’s reagierte bereits auf die verbesserte Lage. Am Sonntag, den 12. Juli 2026, hob sie den Ausblick für Bayer von „stabil“ auf „positiv“ an. Das bestehende Rating bestätigte sie dabei.

Erst am Freitag sicherte sich Bayer zusätzliches Kapital. Der Finanzinvestor Apollo zahlt 3,0 Milliarden Euro für eine Minderheitsbeteiligung am Geschäft für Langzeitverhütung. Bayer behält die operative Kontrolle über das Geschäft.

Analysten bleiben uneins

Trotz der Fortschritte gehen die Einschätzungen der Analysten weit auseinander. Die UBS beließ ihre Einstufung am Montag bei „Buy“ mit Kursziel 52 Euro. Analyst Matthew Weston richtet den Blick nun auf die Anhörung am 19. August.

Vorsichtiger bleibt Jefferies. Analyst Michael Leuchten bestätigte die Einstufung „Hold“ mit Kursziel 46 Euro. Das Supreme-Court-Urteil verbessere die Verhandlungsposition zwar erheblich. Die hohe Verschuldung und nötige Pharma-Investitionen schränkten den Spielraum für eine baldige Aufspaltung aber weiterhin ein.

Charttechnik zeigt hohe Reaktivität

Die Aktie notiert trotz des Rücksetzers deutlich über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 37,79 Euro. Der RSI von 68,7 signalisiert eine Annäherung an den überkauften Bereich.

Zum bisherigen Jahreshoch fehlt nicht mehr viel. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro fehlen nur noch 7,43 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 31,12 Prozent.

Die Schwankungsbreite bleibt hoch. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 60,33 Prozent. Das unterstreicht, wie stark der Kurs weiterhin auf Nachrichten aus den USA reagiert.

Der 19. August wird damit zum nächsten entscheidenden Termin für die Aktie. Bestätigt das Gericht den Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar, verschwindet ein Großteil der verbliebenen Rechtsunsicherheit. Bis dahin bleibt der Kurs anfällig für schnelle Bewegungen in beide Richtungen.

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