Bayer Aktie: 7,25 Milliarden Dollar Vergleich verzögert sich
Bayer verschiebt die entscheidende Anhörung zum Glyphosat-Vergleich auf den 14. September. Derweil zeigt sich die Aktie robust und notiert nahe ihrem Jahreshoch.

- Anhörung auf September verschoben
- Opt-out-Anträge verzögern Vergleich
- Aktie trotzdem mit Kursplus
- Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
Die entscheidende Gerichtsanhörung zum milliardenschweren Glyphosat-Vergleich verzögert sich. Statt wie ursprünglich vorgesehen am 19. August findet die Fairness-Anhörung zur endgültigen Genehmigung nun erst am 14. September vor einem Gericht in Missouri statt. Das teilte Bayer vor knapp zwei Wochen mit.
Grund für die Verschiebung
Der Aufschub soll Zeit schaffen, um Widerrufsanträge zu bearbeiten. Diese Anträge betreffen sogenannte Opt-outs – Kläger, die sich zunächst gegen eine Teilnahme am Sammelvergleich entschieden hatten und nach dem jüngsten Urteil des US-Supreme-Court ihre Entscheidung nun überdenken.
Der Vergleich selbst hat ein Volumen von 7,25 Milliarden US-Dollar und soll einen Großteil der Roundup-Klagewelle in den USA beilegen. Für Anleger bedeutet die Verschiebung vor allem eines: Der finale Schlussstrich unter das seit Jahren belastende Rechtsrisiko lässt weiter auf sich warten, auch wenn der Supreme Court mit seinem Urteil zuvor bereits eine wichtige Hürde aus dem Weg geräumt hatte.
Die Aktie zeigt sich davon bislang wenig beeindruckt. Sie schloss am Dienstag bei 48,64 Euro, nach einem Tagesplus von 2,0 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Kursgewinn von 74 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass der Markt die schrittweise Entschärfung des Rechtsstreits bereits eingepreist hat. Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro, erreicht Anfang Juli, notiert das Papier derzeit knapp zehn Prozent entfernt.
Bilanz zeigt Fortschritte trotz Belastungen
Der Blick auf die operative Entwicklung stützt die positive Kursbewegung. Beim Umsatz kam Bayer im zweiten Quartal auf 10,872 Milliarden Euro, ein bereinigtes Plus von 2,2 Prozent. Das bereinigte EBITDA stieg um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro und übertraf damit den Analystenkonsens von rund 1,94 Milliarden Euro. Unter dem Strich drehte der Konzern von einem Verlust von 199 Millionen Euro im Vorjahresquartal in einen Gewinn von 219 Millionen Euro.
Getragen wurde die Verbesserung von der Agrarsparte Crop Science, deren bereinigtes Ergebnis um 30,2 Prozent zulegte. Die Pharmasparte belastete dagegen mit einem Ergebnisrückgang von 3,6 Prozent, verursacht durch höhere Marketingausgaben für neu eingeführte Medikamente. Der Core-Gewinn je Aktie sank um 16,7 Prozent auf 0,95 Euro.
Auf der Finanzierungsseite hat Bayer zuletzt mehrere Weichen gestellt. Vor gut drei Wochen platzierte der Konzern Dollar-Anleihen über fünf Milliarden US-Dollar mit Laufzeiten zwischen fünf und dreißig Jahren – die Emission war mehrfach überzeichnet.
Bereits Mitte Juli hatte Bayer mit Apollo Global eine Vereinbarung getroffen, die dem Konzern drei Milliarden Euro Eigenkapital für sein Hormonspiralen-Geschäft LARC sichert, während Bayer die Mehrheit und operative Kontrolle behält.
Der Abschluss dieses Deals wird für das dritte Quartal 2026 erwartet. Die Nettofinanzverschuldung lag zum 30. Juni bei 33,647 Milliarden Euro, ein Anstieg von 3,5 Prozent gegenüber Ende März.
Ausblick auf die kommenden Wochen
Neben dem verschobenen Gerichtstermin am 14. September richtet sich der Blick der Anleger auf den 3. November, wenn Bayer die Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte die Frage im Vordergrund stehen, wie viele der ursprünglichen Opt-out-Kläger ihre Entscheidung angesichts der Supreme-Court-Rechtsprechung tatsächlich revidieren – und ob dies dem Vergleich am Ende zu einer reibungsloseren Genehmigung verhilft.
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