Bayer Aktie: 9. Juli entscheidet über 7,25-Milliarden-Deal

Nach dem Kurssprung stehen für Bayer entscheidende Termine an: Gericht zum Glyphosat-Vergleich, Quartalszahlen und Zulassungsprüfung für Asundexian.

Die Kernpunkte:
  • Supreme Court stärkt Bayer bei Glyphosat
  • Vergleichs-Anhörung am 9. Juli entscheidend
  • Neue Finanzchefin mit hohem Schuldenberg
  • Asundexian vor Zulassung in Europa

Nach einem Wochenplus von 23 Prozent steht die Bayer-Aktie vor einer Reihe konkreter Belastungsproben. Das Supreme-Court-Urteil war der Auslöser — aber es ist nicht das Ende der Geschichte.

Missouri: Das Urteil allein reicht nicht

Der US Supreme Court stimmte mit 7:2 für Bayer und kippte ein Urteil über 1,25 Millionen Dollar zugunsten eines Missouri-Klägers. Damit schützte das Gericht den Konzern vor zehntausenden Klagen, die eine Krebswarnung auf Roundup-Produkten forderten.

Das Kapitel Glyphosat bleibt dennoch offen. Im März 2026 schloss Bayer einen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden Dollar. Ein Gericht in St. Louis muss diesen Deal noch genehmigen. Die entscheidende Anhörung findet am 9. Juli statt — und einige Klägeranwälte kritisieren die Vereinbarung scharf. Scheitert der Deal, wackelt der eingepreiste Risikoabbau.

Neue CFO, schwieriges Erbe

Judith Hartmann übernahm am 1. Juni 2026 den Posten der Finanzchefin. Sie trat die Nachfolge von Wolfgang Nickl an. Ihre Aufgabe ist unmittelbar: Im ersten Quartal 2026 lag der freie Cashflow bei minus 2,3 Milliarden Euro. Ursache waren hohe Zahlungen für Rechtsvergleiche.

Für das Gesamtjahr rechnet Bayer mit rund fünf Milliarden Euro an Prozesskosten. Die Nettofinanzverschuldung könnte bis Jahresende auf bis zu 33 Milliarden Euro steigen. Zum 31. März lag sie bereits bei 32,5 Milliarden Euro — neun Prozent mehr als Ende 2025.

Im August präsentiert Bayer die Zahlen für das zweite Quartal. Dann muss Hartmann erstmals einen aktualisierten Verschuldungsausblick nach dem Urteil vorlegen.

Asundexian: Regulatorischer Vorsprung

Abseits der Rechtsfront läuft ein strategisch wichtiger Prozess. Die Europäische Arzneimittelagentur prüft den Zulassungsantrag für Asundexian, Bayers neues Schlaganfallpräparat. Es ist nach Unternehmensangaben der erste Zulassungsantrag für einen Faktor-XIa-Inhibitor in Europa. Grundlage sind Daten der Phase-III-Studie OCEANIC-STROKE.

Die FDA akzeptierte den Antrag im Mai 2026 und gewährte Priority-Review-Status. China folgte mit demselben Status. Beim Hauptkonkurrenten — Milvexian von Bristol Myers Squibb und Johnson & Johnson — liegt Bayer regulatorisch vorn.

Der Hintergrund erklärt den Druck: Xarelto verlor durch auslaufenden Patentschutz und Generika-Konkurrenz zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro Umsatz. Asundexian soll diese Lücke füllen.

Kurs im überkauften Terrain

Die Aktie schloss am Freitag bei 46,61 Euro. Der RSI liegt bei 80,6 — technisch klar überkauft. Das 52-Wochen-Hoch bei 49,93 Euro ist rund sieben Prozent entfernt. Auf Zwölf-Monats-Sicht hat sich der Kurs fast verdoppelt: plus 77,6 Prozent.

Nach einem solchen Sprung rücken die Fundamentaldaten wieder in den Vordergrund. Der 9. Juli in St. Louis, der Quartalsbericht im August und die laufende EMA-Prüfung liefern die nächsten konkreten Datenpunkte — und entscheiden, ob die Rally eine Grundlage hat oder nur vorausgeeilt ist.

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