Bayer Aktie: Anderson droht Glyphosat-Produktionsstopp

Bayer-Chef Anderson droht mit Stopp der US-Glyphosat-Produktion ohne Rechtssicherheit. Supreme-Court-Urteil und Pharma-Ausbau prägen die Lage.

Die Kernpunkte:
  • Ultimatum zur Glyphosat-Produktion
  • Supreme-Court-Urteil im Juni erwartet
  • Pharma-Zukauf für Augenmedizin
  • Aktie nähert sich überverkauftem Niveau

Bayer-Chef Bill Anderson hat eine ungewöhnlich harte Warnung ausgesprochen: Ohne dauerhafte rechtliche Lösung im Glyphosat-Streit stoppt Bayer die US-Produktion des Unkrautvernichters. Das wäre nicht nur ein Einschnitt für den Konzern — sondern für die gesamte amerikanische Landwirtschaft.

Monsanto bleibt, Glyphosat wackelt

Eine Abspaltung der Agrarsparte Monsanto schließt Bayer aus. Ein Unternehmensvertreter bestätigte gegenüber Reuters, dass ein solcher Schritt nicht geplant sei. Der Konzern will die Rechtsprobleme innerhalb der bestehenden Struktur lösen.

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Anderson machte jedoch klar, was auf dem Spiel steht. Bayer ist der einzige verbliebene Glyphosat-Hersteller auf US-Boden. Ein Produktionsstopp würde amerikanische Farmer vollständig auf Importe aus China angewiesen machen. Die Drohung hat Gewicht.

Zwei juristische Weichenstellungen

Die rechtliche Lage bleibt verworren. Heute endet die Opt-out-Frist für den 7,25-Milliarden-Dollar-Sammelvergleich. Parallel wartet der Konzern auf ein Urteil des US Supreme Court im Fall „Monsanto v. Durnell“ — erwartet bis Ende Juni.

Klägeranwälte haben zuletzt beantragt, das Vergleichsverfahren von Missouri nach Kalifornien zu verlegen. Das verkompliziert die Lage weiter. Rund 100.000 aktive Verfahren laufen noch. Ein Sieg vor dem Supreme Court könnte nach Analystenschätzungen bis zu 80 Prozent davon hinfällig machen.

Pharma als Gegengewicht

Bayer baut parallel das Pharmageschäft aus. Die Übernahme von Perfuse Therapeutics kostet zunächst 300 Millionen Dollar. Bei Erreichen klinischer Meilensteine kann das Gesamtvolumen auf bis zu 2,45 Milliarden Dollar steigen. Ziel ist der Ausbau des Augenmedizin-Portfolios, insbesondere bei Glaukom-Behandlungen.

Die Aktie notiert aktuell bei 34,77 Euro — ein leichtes Plus von 0,72 Prozent am Donnerstag, nach einem Rückgang von gut acht Prozent in den vergangenen sieben Tagen. Mit einem RSI von 34,9 nähert sich das Papier überverkauftem Terrain, liegt aber weiterhin rund zehn Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt.

Das Supreme-Court-Urteil Ende Juni wird zeigen, ob Bayer den Glyphosat-Streit strukturell entschärfen kann — oder ob Anderson seine Produktionsstopp-Warnung ernst meint.

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