Bayer Aktie: Brasilien klagt gegen Glyphosat-Zulassung
Bayers Agrarsparte überzeugt mit Umsatz- und Gewinnwachstum, während eine Klage in Brasilien neue Glyphosat-Risiken aufzeigt.

- Brasilianische Klage gegen Glyphosat-Zulassung
- Crop Science mit Umsatzplus von 6,8 Prozent
- Saatgutgeschäft treibt Wachstum an
- Rechtskosten belasten freien Cashflow
Bayer kämpft an zwei Fronten. Die Agrarsparte liefert starke Quartalszahlen — und gleichzeitig bringt Brasilien neue juristische Risiken ins Spiel.
Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat Klage gegen die Gesundheitsbehörde Anvisa und die brasilianische Regierung eingereicht. Ziel ist ein Verbot eines Bayer-Unkrautvernichtungsmittels mit Glyphosat. Die Bayer-Aktie hinkt dem DAX deshalb am Montag hinterher. Der Leitindex stieg am Vormittag um 1,2 Prozent auf 25.197 Punkte — Bayer verzeichnet ein knappes Minus.
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Starkes Saatgut, schwacher Pflanzenschutz
Die operative Lage in der Agrarsparte ist vielschichtig. Im ersten Quartal 2026 steigerte Crop Science den bereinigten Umsatz um 6,8 Prozent auf 7,558 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen legte um 17,9 Prozent auf 3,014 Milliarden Euro zu.
Den Löwenanteil des Wachstums trug das Saatgutgeschäft. Bei Sojabohnen verdoppelte Bayer den bereinigten Umsatz nahezu. Eine Lizenzeinigung mit Corteva steuerte umgerechnet 448 Millionen Euro bei. Maissaatgut wuchs bereinigt um 7,1 Prozent.
Das Pflanzenschutzgeschäft lief dagegen deutlich schlechter. Der Herbizid-Umsatz sank bereinigt um 10,2 Prozent. Glyphosathaltige Produkte verloren sogar 15,1 Prozent. Fungizide rutschten um 10,7 Prozent ab. Genau dieser Bereich steht durch die Brasilien-Meldung erneut im Rampenlicht.
Rechtskosten belasten den Cashflow
Auf Konzernebene lief das erste Quartal 2026 operativ solide. Der bereinigte Umsatz stieg um 4,1 Prozent auf 13,405 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie legte um 12,9 Prozent auf 2,71 Euro zu.
Der freie Cashflow bleibt das zentrale Problem. Er lag bei minus 2,320 Milliarden Euro. Als Hauptgrund nennt Bayer Auszahlungen für Rechtsverfahren — netto 2,002 Milliarden Euro, vor allem für PCB- und Glyphosat-Vergleiche. Die Nettofinanzverschuldung kletterte auf 32,518 Milliarden Euro.
In den USA hat Bayer im Februar 2026 Vergleichsvereinbarungen erzielt. Der vorgeschlagene Sammelvergleich sieht gedeckelte Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über maximal 21 Jahre vor. Nach vorläufiger Genehmigung im März können Mitglieder bis zum 4. Juni 2026 widersprechen oder austreten. Endgültig wirksam wird der Vergleich erst nach finaler Genehmigung.
Jahresausblick bestätigt — Spannung bleibt
Bayer hat den Ausblick für 2026 bestätigt. Der Konzern erwartet einen Umsatz von 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro sowie ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 9,4 bis 9,9 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll zwischen 4,10 und 4,60 Euro liegen.
Die Aktie notiert bei 38,60 Euro — rund 22 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 49,17 Euro aus dem Februar. Auf Jahressicht hat der Kurs allerdings rund 57 Prozent zugelegt. Die Brasilien-Meldung ändert die Q1-Zahlen nicht. Sie zeigt aber, dass Glyphosat als regulatorisches Risiko nicht auf die USA beschränkt ist — und dass Bayer im wichtigen Agrarmarkt Brasilien weiter angreifbar bleibt.
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