Bayer Aktie: Camelina-Anbau in Nordamerika beschleunigt
Bayer treibt den Anbau des Biokraftstoff-Rohstoffs Camelina in Nordamerika voran. Grund sind gestiegene Ölpreise durch den Iran-Krieg.

- Früheres Flächenziel für Camelina geplant
- Abnahmevereinbarung mit Verarbeiter steht bevor
- Partnerschaft mit bp als strategische Basis
- Agrargeschäft wächst, Aktie bleibt schwach
Bayer will seinen Biokraftstoff-Rohstoff Camelina in Nordamerika schneller skalieren als ursprünglich geplant. Auslöser ist der Iran-Krieg — der Konflikt hat die Preise für fossile Brennstoffe angetrieben und das Interesse an erneuerbaren Kraftstoffen neu belebt.
Beschleunigter Zeitplan, offene Abnahmeseite
Bayer-Manager Peter Muller sagte Reuters, das ursprünglich für Mitte der 2030er-Jahre gesetzte Flächenziel solle früher erreicht werden — vorausgesetzt, das Marktinteresse hält an. Konkret zielt Bayer auf einige Millionen Acres Camelina-Anbaufläche in Nordamerika. Eine Ausweitung auf weitere Regionen prüft der Konzern ebenfalls.
Camelina wächst als Zwischenfrucht zwischen Hauptanbauzeiten oder auf untergenutzten Flächen. Das macht sie zum Rohstoff der zweiten Generation — keine Konkurrenz zu Nahrungsmitteln, kein Entwaldungsrisiko. Genau das unterscheidet sie von klassischen Biokraftstoff-Pflanzen wie Mais oder Raps.
Reuters berichtete außerdem, Bayer stehe kurz vor einer Vereinbarung mit einem noch nicht genannten Unternehmen, das nordamerikanische Camelina verarbeiten soll. Das würde Landwirten Abnahmesicherheit geben — ein wichtiger Hebel für die Flächenausweitung.
bp-Allianz als Fundament
Die Beschleunigung baut auf einer im Mai 2026 angekündigten Partnerschaft mit bp auf. Beide Konzerne wollen Camelina unter der Marke newgold® gemeinsam vermarkten. bp bringt Raffinerie-Expertise ein, Bayer steuert Saatguttechnologie und Landwirte bei.
Das Ziel: ein gemeinsamer Markt für Biodiesel, erneuerbaren Diesel und nachhaltigen Flugkraftstoff. Bayer schätzt, dass der Markt für biomass-based diesel bis 2040 auf 40 Milliarden Gallonen wachsen könnte.
Wichtig für die Einordnung: Die aktuelle Meldung beschreibt keine neue Akquisition und keinen abgeschlossenen Großauftrag. Es ist eine Beschleunigungsabsicht innerhalb einer bereits kommunizierten Strategie.
Starkes Agrargeschäft, schwacher Kurs
Das operative Fundament ist solide. Im ersten Quartal 2026 legte Crop Science währungs- und portfoliobereinigt um 6,8 Prozent auf 7,558 Milliarden Euro zu. Das EBITDA der Division stieg um 17,9 Prozent auf 3,014 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Bayer einen Konzernumsatz von 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 4,10 bis 4,60 Euro.
Am Markt verfängt das bisher nicht. Die Aktie notiert bei 35,12 Euro — rund 8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 30 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 49,93 Euro aus dem Februar. Seit Jahresanfang steht ein Minus von 7,6 Prozent.
Die Camelina-Story erweitert den Blick auf das Agrargeschäft. Ob sie den Kurs dreht, hängt davon ab, ob Bayer die angekündigte Verarbeitungsvereinbarung in den nächsten Wochen abschließt und damit zeigt, dass die Beschleunigung mehr ist als Absichtserklärung.
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