Bayer Aktie: Crop Science-EBITDA springt 30,2 Prozent
Bayer überzeugt im zweiten Quartal mit starkem Agrar-Geschäft und senkt Schuldenprognose. Der Glyphosat-Vergleich verzögert sich bis September, Analysten zeigen sich optimistisch.

- Umsatzplus dank Crop Science
- Glyphosat-Vergleich auf September verschoben
- Schuldensenkung: Prognose verbessert
- Analysten erhöhen Kursziele
Bayer liefert im zweiten Quartal 2026 mehr ab, als der Markt erwartet hatte, und bekommt zugleich mehr Zeit für den milliardenschweren Glyphosat-Vergleich. Die Aktie reagiert am heutigen Freitag mit einem Plus von 1,07 Prozent auf 49,91 Euro und knüpft damit an die Erholung der vergangenen Woche an, in der das Papier bereits um 3,16 Prozent zulegte.
Anhörung zum Roundup-Vergleich verschoben
Die für den 19. August geplante Gerichtsanhörung zur endgültigen Genehmigung des Roundup-Sammelvergleichs findet nun am 14. September in Missouri statt. Monsanto und die Anwälte der Klägerseite hatten die Verlegung gemeinsam beantragt. Der Aufschub soll den Parteien und dem Programm-Verwalter mehr Zeit geben, Widerrufsanträge zu bearbeiten, die nach der Entscheidung des US Supreme Court eingegangen sind – zudem könnte die Gültigkeit einzelner Opt-outs vorab geklärt werden, berichtete die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Der Supreme Court hatte Ende Juni entschieden, dass Kläger Bayer nicht wegen eines fehlenden Krebswarnhinweises verklagen können, da die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat als nicht krebserregend einstuft. Im Rahmen des geplanten Vergleichs würde Bayer über bis zu 21 Jahre abnehmende, gedeckelte Jahreszahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar leisten. CEO Bill Anderson verwies auf das Urteil als richtungsweisend und sieht den Konzern dadurch in einer stärkeren Position für den angestrebten Sammelvergleich.
Crop Science treibt das Quartal, Pharma kämpft mit Eylea
Operativ lief das zweite Quartal für Bayer besser als von Analysten erwartet. Der Konzernumsatz stieg währungs- und portfoliobereinigt um 2,2 Prozent auf 10,872 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereinflüssen legte um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro zu. Treiber war die Agrarsparte Crop Science: Der Umsatz kletterte um 3,5 Prozent auf 4,910 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereinflüssen sprang um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro.
Die Pharmasparte zeigte ein gemischtes Bild. Der Umsatz stagnierte nahezu bei 4,458 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereinflüssen sank um 3,6 Prozent auf 1,055 Milliarden Euro. Grund ist der anhaltende Druck durch Biosimilar-Konkurrenz auf das Augenmedikament Eylea, dessen 2mg-Formulierung im Quartal um 60 Prozent einbrach. Gegensteuern konnten die Wachstumsträger Nubeqa und Kerendia, die zusammen 1,2 Milliarden Euro Umsatz erzielten – ein Plus von 69 Prozent. Nubeqa allein wuchs um 64 Prozent auf 880 Millionen Euro.
Unter dem Strich blieb dennoch weniger vom Umsatz übrig: Das Kernergebnis je Aktie fiel um 16,7 Prozent auf 0,95 Euro, nach 1,14 Euro im Vorjahresquartal. Das Konzernergebnis verbesserte sich zwar auf 219 Millionen Euro, doch der freie Cashflow rutschte auf minus 371 Millionen Euro – belastet unter anderem durch höhere Zahlungen zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten.
Schulden sinken schneller als geplant
Bayer bestätigte die währungsbereinigte Konzernguidance für 2026, senkte aber die erwartete Nettofinanzverschuldung zum Jahresende auf 29 bis 30 Milliarden Euro – zuvor waren 32 bis 33 Milliarden Euro veranschlagt. Zu Wechselkursen vom 30. Juni rechnet der Konzern für 2026 mit Umsätzen zwischen 44,7 und 46,7 Milliarden Euro sowie einem Kern-Gewinn je Aktie von 4,20 bis 4,70 Euro. Zusätzliche Entlastung bringt der im Juli vereinbarte Einstieg von Apollo Global Management in das Verhütungsmittelgeschäft von Bayer, aus dem dem Konzern 3,0 Milliarden Euro Eigenkapital zufließen sollen; der Abschluss wird im dritten Quartal erwartet.
Analysten erhöhen die Kursziele
Die Schweizer Großbank UBS hob ihr Kursziel für Bayer am Donnerstag von 52 auf 62 Euro an und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Matthew Weston verwies auf einen überzeugenden Geschäftsverlauf im zweiten Quartal, das operative Ergebnis habe die Konsensprognose um rund zehn Prozent übertroffen. Die DZ Bank zog nach und erhöhte ihren fairen Wert von 54 auf 60 Euro bei unveränderter „Kaufen“-Einstufung. Analyst Peter Spengler sieht Anzeichen für eine operative Stabilisierung und Fortschritte beim Schuldenabbau und hob seine Gewinnschätzungen an. Auch Goldman Sachs und JPMorgan äußerten sich zuletzt positiv zu den Quartalszahlen: Goldman sieht das Kursziel inzwischen bei 63,50 Euro, JPMorgan bestätigte seine Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 50 Euro.
Mit dem heutigen Kurs von 49,91 Euro notiert die Aktie damit weiterhin ein gutes Stück unter den meisten dieser Zielmarken – aber auch deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 44,16 Euro, was die jüngste Erholung unterstreicht. Die nächste Bilanz ist für den 3. November angesetzt, bevor im September die Gerichtsanhörung zum Roundup-Vergleich über die weitere Rechtslage entscheiden soll.
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