Bayer Aktie: Durnell-Urteil am Donnerstag

Bayer steht vor einem entscheidenden Sommer mit Glyphosat-Urteil, US-Pharmauntersuchung und Sparpaket. Großinvestoren reduzieren ihre Anteile.

Die Kernpunkte:
  • Supreme-Court-Urteil zu Glyphosat erwartet
  • US-Untersuchung droht mit Strafzöllen
  • Bundesregierung plant GKV-Sparpaket
  • Großinvestoren bauen Positionen ab

Bayer steht vor einem der folgenreichsten Sommer seit Jahren. Das Supreme-Court-Urteil im Glyphosat-Komplex, eine US-Pharmauntersuchung und ein deutsches Sparpaket — alle drei Entwicklungen treffen den Konzern gleichzeitig. Kein Wunder, dass Anleger nervös auf jeden Termin schauen.

Countdown zum Glyphosat-Urteil

Am heutigen Mittwoch fiel noch keine Entscheidung im Fall „Durnell“. Donnerstag gilt als nächster möglicher Termin.

Die Grundsatzfrage: Darf ein Unternehmen nach einzelstaatlichem Recht verurteilt werden, wenn die US-Bundesbehörde EPA das Produkt als sicher eingestuft hat? Ein positives Urteil für Bayer würde rund 65.000 noch offene Klagen hinfällig machen. Ein negatives Urteil verlängert die Klagewelle — und die damit verbundenen Milliardenzahlungen.

Die finanzielle Belastung ist bereits jetzt erheblich. Im ersten Quartal 2026 flossen allein für Glyphosat- und PCB-Verfahren netto 2,0 Milliarden Euro ab. Die Nettofinanzverschuldung lag Ende März bei 32,5 Milliarden Euro. Finanzvorständin Judith Hartmann rechnet für das Gesamtjahr mit rund fünf Milliarden Euro an Rechtskosten — der freie Cashflow dürfte dadurch auf minus 1,5 bis minus 2,5 Milliarden Euro sinken.

Washington dreht an zwei Schrauben

Parallel läuft in Washington eine Untersuchung nach dem Trade Act. US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer wirft der Bundesregierung vor, Medikamentenpreise künstlich zu drücken. Dadurch trügen amerikanische Patienten einen unfairen Anteil der weltweiten Forschungskosten.

Seit dem 25. Juni läuft die öffentliche Kommentierungsphase. Schriftliche Stellungnahmen sind bis zum 10. August möglich. Am 22. September folgt eine öffentliche Anhörung. Im schlimmsten Fall erheben die USA Strafzölle auf deutsche Pharmaprodukte — das würde Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck KGaA direkt treffen.

Hinzu kommt das geplante GKV-Sparpaket der Bundesregierung. Berlin will die eigenen Gesundheitsausgaben senken. Für Pharmahersteller bedeutet das Druck von zwei Seiten: weniger Erlöse im Inland, mögliche Strafzölle im Ausland.

Großinvestoren bauen Positionen ab

Rund um die juristischen Schlüsseltermine haben institutionelle Investoren ihre Positionen reduziert. Die Regierung Singapurs senkte ihren Stimmrechtsanteil per 8. Juni auf 2,90 Prozent — zuvor waren es 4,17 Prozent. Goldman Sachs reduzierte seinen Anteil per 15. Juni auf 4,84 Prozent, nach 5,40 Prozent drei Tage zuvor. Kein Alarmsignal für sich allein — aber ein Zeichen, dass große Adressen vor dem Urteil umschichten.

Auf der Produktseite gibt es positive Signale. Die FDA ließ Mitte Juni das MRT-Kontrastmittel AMBELVIST® zu. Im Mai akzeptierte die Behörde zudem den Zulassungsantrag für den Faktor-XIa-Inhibitor Asundexian und gewährte Priority-Review-Status — gestützt auf die Phase-III-Studie OCEANIC-STROKE.

Die Aktie notiert aktuell bei 39,50 Euro, ein Tagesplus von 2,60 Prozent. Seit dem 52-Wochen-Tief von 25,09 Euro im August 2025 hat sie rund 57 Prozent zugelegt — das Februarhoch von 49,93 Euro liegt aber noch knapp 21 Prozent entfernt. Drei Entscheidungen in knapp drei Monaten werden zeigen, ob dieser Abstand schrumpft oder wächst.

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