Bayer Aktie: ENV-105 trifft auf Xofigo

Bayer kooperiert mit Kairos Pharma bei Prostatakrebs-Therapie und verlängert WHO-Engagement gegen Tropenkrankheiten.

Die Kernpunkte:
  • Kombinationstherapie gegen Prostatakrebs geplant
  • Kairos-Aktie fällt nach Ankündigung
  • WHO-Partnerschaft bis 2030 verlängert
  • Bayer-Aktie konsolidiert nach Kursrallye

Bayer baut sein Krebsgeschäft mit einer neuen klinischen Partnerschaft weiter aus. Der Leverkusener Konzern kooperiert mit dem US-Unternehmen Kairos Pharma bei der Erforschung einer Kombinationstherapie gegen metastasierten, kastrationsresistenten Prostatakrebs mit Knochenbefall. Im Zentrum steht die Verbindung von Kairos‘ Wirkstoffkandidat ENV-105 (Carotuximab) mit Bayers Präparat Xofigo, das auf Radium-223-dichlorid basiert.

Studiendaten stützen Kombinationsansatz

ENV-105 hemmt den CD105/BMP-Signalweg und soll Tumore für weitere Behandlungen resensibilisieren. Kairos Pharma führt derzeit eine Phase-2-Studie bei Prostatakrebs sowie eine Phase-1-Studie bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs durch. Zwischenergebnisse der Prostatakrebs-Studie, vorgestellt auf dem ESMO-Kongress 2025, zeigten ein medianes progressionsfreies Überleben von mehr als 13 Monaten. Kairos beziffert den adressierbaren Markt für die Indikation auf 570 Millionen bis 1,3 Milliarden US-Dollar und gibt die klinische Erfolgsrate bei therapieresistentem mCRPC mit 86 Prozent an.

Bayers Xofigo selbst wird parallel in der PEACE-3-Studie in Kombination mit Enzalutamid untersucht. Dort zeigte sich eine Reduktion des Mortalitätsrisikos um 24 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe. Kairos-Pharma-Chef John Yu erklärte, ENV-105 könne Tumore resensibilisieren und weise dabei ein starkes Sicherheitsprofil auf. Für Bayer bedeutet die Kooperation eine weitere Option, das bestehende Xofigo-Portfolio um kombinierbare Wirkmechanismen zu erweitern, ohne dass der Konzern dafür selbst in eine neue Wirkstoffklasse investieren muss. An der Börse reagierte vor allem die Kairos-Aktie auf die Nachricht: Das Papier schloss am Tag der Ankündigung 12,6 Prozent tiefer bei 0,31 US-Dollar.

Zweites Standbein: Engagement gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten

Neben der onkologischen Zusammenarbeit bestätigte Bayer zudem die Verlängerung seiner langjährigen Partnerschaft mit der Weltgesundheitsorganisation. Die Kooperation zur Eliminierung von Chagas-Krankheit, Schlafkrankheit und Bandwurmerkrankungen läuft nun bis 2030 weiter und besteht bereits seit 2002. Bayer spendet dafür 18 Millionen Tabletten und Ampullen im Wert von 15,5 Millionen US-Dollar sowie zusätzlich 9,45 Millionen US-Dollar für Programmaktivitäten vor Ort. Die Spende umfasst die Wirkstoffe Suramin, Nifurtimox und Niclosamid. Seit 2020 wurden bereits zehn Länder für die Eliminierung der Schlafkrankheit validiert, 2024 registrierte die WHO nur noch 546 gemeldete Fälle der Gambiense-Form und 37 der Rhodesiense-Form.

Aktie konsolidiert nach starkem Lauf

An der Börse befindet sich die Bayer-Aktie derzeit in einer Verschnaufpause nach einem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen. Der Kurs notiert bei 46,61 Euro und hat in den vergangenen sieben Handelstagen 2,08 Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, das Anfang Juli erreicht wurde, beträgt der Abstand mittlerweile 13,46 Prozent. Angesichts eines Plus von rund 21 Prozent auf 30-Tage-Sicht und von knapp 26 Prozent seit Jahresbeginn wirkt die aktuelle Rücksetzerbewegung eher wie eine technische Korrektur nach einem sehr dynamischen Lauf als wie ein Trendbruch.

Für Anleger bleibt Bayer damit ein Wert mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite die anhaltende Volatilität rund um die bekannten Rechtsrisiken, auf der anderen Seite eine Pharmasparte, die mit neuen Studienkooperationen und der PEACE-3-Datenlage rund um Xofigo zeigt, dass das Onkologiegeschäft weiterhin an Substanz gewinnt. Die neue Partnerschaft mit Kairos Pharma dürfte diese Substanz mittelfristig weiter untermauern, auch wenn belastbare klinische Ergebnisse aus der geplanten Kombinationstherapie naturgemäß noch ausstehen.

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