Bayer Aktie: Goldman auf 62,50 Euro, Deutsche Bank auf 60
Nach dem Supreme-Court-Urteil zu Glyphosat zeigen sich Analysten gespalten: Goldman Sachs und Deutsche Bank erhöhen die Kursziele, Berenberg bleibt vorsichtig.

- Goldman Sachs hebt Kursziel auf 62,50 Euro
- Deutsche Bank stuft auf Buy hoch
- Berenberg bleibt trotz höherem Kursziel bei Hold
- Aktie zeigt technische Überkauft-Signale
Drei große Häuser, drei verschiedene Signale. Goldman Sachs und Deutsche Bank drücken bei Bayer aufs Gaspedal, Berenberg tritt vorsichtig auf die Bremse. Der Grund für die Uneinigkeit: Die juristische Entlastung im Glyphosat-Streit wiegt bei jedem Analysten anders.
Goldman und Deutsche Bank pushen das Kursziel
Goldman-Analyst James Quigley hebt sein Kursziel von 55 auf 62,50 Euro an. Die Einstufung bleibt bei „Buy“. Quigley reduziert den Bewertungsabschlag auf das Pharmageschäft und senkt seine Schätzung der Kapitalkosten – die Rechtsrisiken sind für ihn spürbar gesunken.
Bei den Quartalszahlen erwartet er keine großen Überraschungen. Stattdessen richtet sich sein Blick nach vorn: auf eine mögliche Aufspaltung des Konzerns.
Noch deutlicher fiel der Schritt der Deutschen Bank aus. Virginie Boucher-Ferte hob das Kursziel von 45 auf 60 Euro an und stufte die Aktie von „Hold“ auf „Buy“ hoch. Ihre Begründung: Die Glyphosat-Belastung verflüchtige sich, der Fokus rücke zurück auf das operative Geschäft.
Berenberg bleibt bei „Hold“ – trotz höherem Kursziel
Berenberg zog einen Tag nach Goldman nach, aber mit spürbar weniger Euphorie. Analyst Sebastian Bray erhöhte das Kursziel von 40,50 auf 55 Euro. Die Einstufung „Hold“ ließ er unverändert.
Bray stützt sich nicht auf das große Supreme-Court-Urteil. Er verweist stattdessen auf zwei kleinere juristische Erfolge: den Durnell-Fall und eine Rückverweisung im Vergleichsverfahren in Missouri. Beide könnten laut Bray eine Aufspaltung des Konzerns erleichtern – er bringt einen Teil-Börsengang des „neuen Monsanto“-Geschäfts ins Spiel, ähnlich den BASF-Plänen für 2027.
Dass Berenberg trotz positiver Nachrichten bei „Hold“ bleibt, zeigt: Der Optimismus der Konkurrenz teilt sich nicht automatisch auf den gesamten Markt.
Der breite Konsens bremst die Euphorie
18 erfasste Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 51,92 Euro. Die Spanne reicht von 40,50 bis 65,00 Euro. Der Konsens lautet zwar „Outperform“, liegt damit aber knapp unter dem aktuellen Kursniveau.
Grundlage für die veränderte Risikoeinschätzung ist ein Urteil des US Supreme Court vom 25. Juni. Die Richter entschieden: Zulassungsvorgaben der US-Bundesbehörden haben Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten. Damit verloren Tausende Klagen wegen angeblich unzureichender Krebs-Warnhinweise ihre Grundlage.
Parallel dazu hat Bayer sein US-Glyphosat-Geschäft in eine eigene Einheit namens „Ruveon“ ausgelagert. Die Gesellschaft soll sich künftig auf Preisgestaltung, Markteinführung, Produktion und Logistik in den USA konzentrieren. Für den milliardenschweren Sammelvergleich steht der nächste Termin fest: Ein Missouri-Richter hat den 19. August 2026 als Termin für die finale Genehmigungsanhörung angesetzt.
Charttechnik zeigt Warnsignale
Die Aktie notiert aktuell bei 50,34 Euro, ein Minus von 0,32 Prozent im heutigen Handel. Binnen 30 Tagen hat sich der Kurs um 41,48 Prozent verteuert, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 32,39 Prozent zu Buche. Auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Zuwachs sogar auf 85,93 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro, markiert am 3. Juli, trennt die Aktie nur noch 6,54 Prozent. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 72,3 – ein klares Signal für einen überkauften Markt. Die annualisierte Volatilität von 64,63 Prozent deutet zudem auf anhaltende Nervosität im Handel hin.
Die auseinandergehenden Einschätzungen der Analysten spiegeln diese Nervosität wider. Nach dem Abklingen der Glyphosat-Thematik dürfte sich der Blick der Anleger zunehmend auf die Quartalszahlen und eine mögliche Konzernaufspaltung richten. Bis zur finalen Genehmigungsanhörung im August bleibt der juristische Rahmen für den Sammelvergleich das zentrale Ereignis am Kalender.
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