Bayer Aktie: Goldman streicht — Farmers klagen

Bayer beantragt Schutzzölle auf chinesisches Glyphosat und riskiert Konflikt mit US-Landwirten. Goldman Sachs streicht die Aktie von der Favoritenliste.

Die Kernpunkte:
  • Antidumpingzölle gegen chinesisches Glyphosat beantragt
  • US-Agrarverbände kritisieren Kostensteigerung für Farmer
  • Goldman Sachs streicht Bayer von Empfehlungsliste
  • Gerichtstermin für Roundup-Vergleich auf August verschoben

Der Supreme-Court-Sieg ist gerade mal eine Woche alt, und Bayer eröffnet bereits die nächste Front. Der Konzern hat über seine Monsanto-Tochter Zölle gegen chinesisches Glyphosat beantragt — ein Zug, der das Unternehmen in einen neuen Konflikt treibt. Ausgerechnet mit den eigenen Kunden.

Vom Gericht zum Zollamt

Am 30. Juni reichte Bayer beim US-Handelsministerium und der Handelskommission ITC einen Antrag auf Antidumping- und Ausgleichszölle gegen Glyphosat-Importe aus China ein. Der Hintergrund ist wirtschaftlich konkret: Bayer bezeichnet sich selbst als letzten US-Produzenten des Wirkstoffs und sieht sich von billigem chinesischen Material bedrängt. Für 2026 hatte das Management bereits einen Umsatzrückgang mit Glyphosat von zwei bis sechs Prozent in Aussicht gestellt. Vorstandschef Bill Anderson hatte sogar mit dem Ende der US-Produktion gedroht, sollte der Druck nicht nachlassen.

Der Zollantrag ist damit weniger Handelspolitik als Bestandsschutz für ein unter Preisdruck stehendes Kerngeschäft.

Farmers gegen Monsanto

Großen US-Agrarverbänden gefällt das gar nicht. Die Maisbauernvereinigung NCGA, der Sojaverband ASA und die Weizenfarmer-Organisation NAWG laufen gegen den Antrag Sturm. Ihre Logik: Zölle auf das meistgenutzte Herbizid des Landes erhöhen die Kosten der Landwirte — in einer ohnehin schwachen Agrarkonjunktur. Für Bayer, das sich gern als Partner der amerikanischen Farmer positioniert, ist das ein handfester Widerspruch.

Hinzu kommt ein Signal vom Kapitalmarkt. Goldman Sachs hat Bayer aus seiner europäischen Conviction List gestrichen — einer Auswahl von rund 27 bevorzugten Kaufempfehlungen. Die Begründung klingt fast wie ein Abschlusszeugnis: Seit der Aufnahme im Januar 2026 erzielte die Aktie auf der Liste ein Plus von 27,8 Prozent, maßgeblich befeuert vom Supreme-Court-Urteil. Goldman wertet das als erledigte Aufgabe und macht Platz für neue Favoriten.

Was jetzt noch aussteht

Der juristische Rahmen bleibt im Fluss. Den im Februar geschlossenen Sammelvergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar zur Beilegung der Roundup-Klagen hat ein Gericht bereits vorläufig genehmigt. Die abschließende Anhörung für die endgültige Genehmigung ist vom ursprünglichen Termin Anfang Juli auf den 19. August verschoben worden — laut Bayer ohne wesentliche Auswirkungen auf den Prozess.

Parallel dazu entscheidet nun das US-Handelsministerium, ob es das Zollverfahren überhaupt eröffnet. Erst dann wird klar, ob der Antrag Bayers Glyphosat-Umsätze tatsächlich stabilisieren kann — oder ob der Konzern damit die Beziehung zu seinen Hauptkunden nachhaltig belastet.

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