Bayer Aktie: Jefferies bremst Aufspaltungsfantasie

Jefferies hält eine baldige Aufspaltung von Bayer für unrealistisch und sieht hohe Hürden durch Schuldenlast und operative Schwächen.

Die Kernpunkte:
  • Jefferies bestätigt Hold-Rating für Bayer
  • Hohe Nettoverschuldung bremst Spaltungspläne
  • BASF-Börsengang befeuert Bayer-Bewertung
  • Charttechnik zeigt überkaufte Signale

Fast 39 Prozent Kursplus in einem Monat, ein Rekordhoch bei 53,86 Euro Anfang Juli – und dann kommt die kalte Dusche von Jefferies. Die Analysten warnen: Eine schnelle Aufspaltung von Bayer in Pharma und Agrarchemie ist unrealistischer, als es der Kursverlauf suggeriert.

Zum Wochenstart notiert die Bayer-Aktie bei 50,04 Euro. Das sind 0,28 Prozent weniger als der Freitagsschluss von 50,18 Euro. Nach der massiven Rallye der vergangenen Wochen wirkt das wie eine Verschnaufpause.

Jefferies sieht hohe Hürden für eine Trennung

Jefferies bestätigte am 13. Juli die Einstufung „Hold“ für Bayer, das Kursziel bleibt bei 46 Euro. Analyst Michael Leuchten reagiert damit auf die zunehmenden Marktspekulationen über eine Konzernaufspaltung. Auslöser war ein Urteil des US Supreme Court im Glyphosat-Komplex, das Bayer juristischen Rückenwind verschaffte.

Die Bilanz bremst allerdings die strategischen Optionen von CEO Bill Anderson. Die Nettoverschuldung liegt bei rund 33 Milliarden Euro, dazu kommen deutliche Mittelabflüsse. Jefferies argumentiert: Bayer muss zuerst die Bilanz stärken und das Pharmageschäft festigen. Erst danach wird eine Trennung der Sparten finanziell tragfähig.

BASF liefert den Bewertungsanker

Zusätzlichen Schub bekam die Debatte durch Berichte über den Konkurrenten BASF. Die Ludwigshafener planen für das zweite Quartal 2027 einen Börsengang ihrer Agrarsparte. Im Raum steht eine Bewertung zwischen 20 und 30 Milliarden Euro.

Bayers Crop-Science-Geschäft ist deutlich größer als das BASF-Pendant. Investoren zogen daraus positive Rückschlüsse auf den inneren Wert von Bayer – ein Treiber hinter der Performance von 31,60 Prozent seit Jahresbeginn.

Ungelöst bleibt trotzdem die Refinanzierung anstehender Anleihefälligkeiten. Der jüngste 3-Milliarden-Euro-Deal mit Investor Apollo für das Verhütungsmittelgeschäft LARC deckt nur einen Teil davon ab.

Charttechnik zeigt Überhitzung

Die technischen Signale mahnen zur Vorsicht. Der RSI auf 14-Tage-Basis steht bei 69,6 und nähert sich der Marke von 70, die als überkauft gilt. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 37,79 Euro beträgt der Abstand satte 32,42 Prozent – ein Maß für die Wucht des Turnarounds.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 60,24 Prozent. Anleger müssen also weiterhin mit kräftigen Ausschlägen rechnen, während der Markt auf neue Signale aus den US-Gerichtssälen wartet.

Zwei Termine entscheiden über die nächste Richtung

Am 7. August legt Bayer seine Zahlen zum zweiten Quartal vor. Die Zahlen sollen zeigen, ob operative Fortschritte im Pharmageschäft die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten auffangen können. Offen ist auch, ob der Konzern seine bisherige Prognose für einen negativen freien Cashflow 2026 anpassen muss.

Nur zwölf Tage später, am 19. August, entscheidet ein Gericht in Missouri über den vorgeschlagenen Vergleich im Glyphosat-Verfahren. Das Volumen: 7,25 Milliarden Dollar. Beide Termine dürften zeigen, ob die aktuelle Kursrallye auf soliden Fundamenten steht oder ob die Spaltungsfantasie verfrüht war.

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