Bayer Aktie: JPMorgan hebt Kursziel auf 61 Euro

Bayer übertrifft mit starken Q2-Zahlen die Prognosen, senkt Schuldenziel und erhält Rückenwind durch US-Glyphosat-Urteil.

Die Kernpunkte:
  • Aktie springt um 3,55 Prozent
  • Agrarsparte treibt operatives Wachstum
  • Schuldenprognose deutlich gesenkt
  • Analysten erhöhen Kursziele

Bayer hat am Dienstag Quartalszahlen vorgelegt, die deutlich über den Markterwartungen lagen – und die Anleger reagierten prompt. Am heutigen Mittwoch springt die Aktie um 3,55 Prozent auf 50,12 Euro, nachdem sie bereits am Vortag von 48,40 Euro aus zugelegt hatte. Der Titel nähert sich damit wieder seinem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, von dem er aktuell noch knapp sieben Prozent entfernt notiert.

Der Leverkusener Konzern verdiente im zweiten Quartal operativ deutlich mehr als von Analysten unterstellt. Das bereinigte EBITDA stieg um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro und übertraf den Bloomberg-Konsens von 1,93 Milliarden Euro klar. Der Umsatz kletterte auf 10,872 Milliarden Euro, währungs- und portfoliobereinigt ein Plus von 2,2 Prozent. Unter dem Strich stand ein Konzerngewinn von 219 Millionen Euro – im Vorjahresquartal hatte Bayer noch einen Verlust von 199 Millionen Euro ausgewiesen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie ging dabei um 16,7 Prozent auf 0,95 Euro zurück, was zeigt, dass der Turnaround operativ stärker ausfällt als auf Ebene des bereinigten Gewinns je Aktie.

Agrarsparte als Wachstumsmotor

Den größten Beitrag zur positiven Überraschung lieferte die Agrarsparte Crop Science. Ihr operativer Gewinn schoss um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro nach oben, die Marge erreichte 18,4 Prozent. Bayer-Chef Bill Anderson bezeichnete den Konzern als operativ auf Kurs, alle drei Divisionen lägen im Plan. Zugleich mahnt ein Kartellverfahren in Brasilien wegen der Gentechnik-Saat Intacta RR2 PRO zur Vorsicht – ein Punkt, den Anleger im Blick behalten sollten, auch wenn er das Zahlenwerk des Quartals nicht überschattet hat.

Schuldenabbau kommt schneller als geplant

Neben dem operativen Fortschritt sorgte vor allem die Bilanzseite für Erleichterung. Bayer senkte seine Prognose für die Nettofinanzverschuldung auf 29 bis 30 Milliarden Euro, nachdem zuvor noch 32 bis 33 Milliarden Euro im Raum standen. Grund ist der im Zuge des Apollo-Deals zugeflossene Eigenkapitalbetrag von 3 Milliarden Euro. Zum 30. Juni lag die Nettofinanzverschuldung bei 33,647 Milliarden Euro. Die restliche Jahresprognose 2026 bestätigte der Konzern unverändert.

Rückenwind kam zudem von juristischer Seite: Der US Supreme Court entschied, dass keine Klagen wegen fehlender Krebswarnungen im Zusammenhang mit Glyphosat zulässig sind. Das Urteil stärkt Bayers Position im Streit um den Unkrautvernichter Roundup, der den Konzern seit Jahren belastet, und dürfte auch die laufenden Vergleichsbemühungen erleichtern.

Analysten heben Kursziele an

Die Reaktion der Analystenhäuser fiel überwiegend positiv aus. JPMorgan-Analyst Richard Vosser stufte Bayer auf „Overweight“ und hob das Kursziel von 50 auf 61 Euro an – seine Begründung: Die Glyphosat-Risiken seien beherrschbar geworden, die geschäftlichen Perspektiven verbesserten sich. Deutsche Bank Research beließ die Einstufung „Buy“ bei einem Kursziel von 60 Euro, Analystin Virginie Boucher-Ferte verwies darauf, dass das EBITDA rund elf Prozent über dem Konsens gelegen habe.

Auch andere Häuser reagierten: DZ Bank hob ihr Kursziel von 54 auf 60 Euro an und votiert weiter mit „Kaufen“, UBS sieht den fairen Wert bei 62 Euro und bestätigte „Buy“. Etwas zurückhaltender bleibt Jefferies mit einem „Hold“ und einem Kursziel von 46 Euro, lobt aber ebenfalls Umsatz und EBITDA als über den Erwartungen liegend. Trotz des kräftigen Kursanstiegs seit Jahresbeginn von 35,42 Prozent bleibt die Aktie damit für einen Teil der Analysten noch nicht ausgereizt – die Kursziel-Spanne zwischen 46 und 62 Euro spiegelt jedoch auch, dass die Bewertung der Glyphosat-Risiken unter den Häusern weiterhin unterschiedlich ausfällt.

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