Bayer Aktie: Juristischer Hebel
Die Bayer-Aktie wird kurzfristig von einer möglichen Glyphosat-Entscheidung des US Supreme Court geprägt, während das Unternehmen strategische Zukäufe und Fortschritte in der Genmedizin meldet.

- Juristisches Signal aus Washington als Hauptfokus
- Zukauf im wachstumsstarken Radiopharmazie-Markt
- Fortschritte bei Gentherapie-Studien der Tochter AskBio
- Aktie hat sich binnen eines Jahres nahezu verdoppelt
Bayer meldet Zukäufe im Zukunftsfeld Radiopharmazie, Fortschritte in der Genmedizin – und doch richtet sich der Blick der Börse vor allem nach Washington. Denn eine mögliche Entscheidung des US Supreme Court im Glyphosat-Komplex könnte die Risikoprämie des Konzerns grundlegend verändern. Wie greifen die operativen Nachrichten und die juristische Großwette ineinander?
Supreme Court rückt in den Mittelpunkt
Der zentrale Kurstreiber bleibt die juristische Lage in den USA. Der Oberste Gerichtshof prüft, ob er einen wegweisenden Glyphosat-Fall zur Verhandlung annimmt (writ of certiorari).
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Eine Annahme hätte Signalwirkung für die jahrelange Klagewelle rund um den Unkrautvernichter Roundup. Marktteilnehmer spekulieren darauf, dass ein höchstrichterliches Verfahren die Rechtslage klären und damit die Unsicherheit über zukünftige Schadenersatzrisiken reduzieren könnte. Der Supreme Court veröffentlicht seine Order Lists mit Entscheidungen zu Annahmen oder Ablehnungen von Fällen in der Regel kurzfristig – der Zeitpunkt des Signals ist also schwer planbar.
Das hohe Handelsvolumen von zuletzt über 1,9 Millionen gehandelten Bayer-Aktien auf Xetra unterstreicht, dass diese Erwartung deutlich im Markt präsent ist.
Strategische Expansion in der Diagnostik
Parallel zur juristischen Hängepartie treibt Bayer den Umbau im Gesundheitsgeschäft voran. Am Montag kündigte der Konzern einen Asset-Deal im Diagnostikbereich an:
- Übernahme der Pan-Amyloid-Radiotracer von Attralus Inc.
- Stärkung der Sparte für molekulare Bildgebung
- Fokus auf die Diagnose der kardialen Amyloidose
- Ausbau des Radiopharmazie-Portfolios für präzisere Diagnosen
Mit dem Zukauf erweitert Bayer gezielt seine Radiopharmazie, einem Markt mit hohem Wachstumspotenzial im Bereich komplexer Erkrankungen. Die Transaktion fügt sich in den strategischen Shift hin zu innovativen, bildgebenden Verfahren, die Therapien zielgenauer machen sollen.
AskBio liefert Fortschritte in der Pipeline
Wichtige Impulse kommen zudem aus der Biotech-Tochter AskBio (Asklepios BioPharmaceutical), die Bayer 2020 für rund 4 Milliarden US-Dollar übernommen hatte.
Bereits am 9. Januar erhielt AskBio von der FDA die Genehmigung für den Start einer Phase-1-Studie zur Behandlung der Pompe-Krankheit, einer seltenen Stoffwechselerkrankung. Das wird am Markt als Bestätigung der Werthaltigkeit der Übernahme gewertet. Darüber hinaus treibt AskBio eine Phase-2-Studie für Parkinson-Therapien voran.
Mit mittlerweile fast 900 Mitarbeitenden entwickelt sich die Einheit zunehmend zu einem wichtigen Baustein in Bayers Pharma-Pipeline – und liefert damit ein Gegengewicht zum lange dominierenden Glyphosat-Thema.
Operative Akzente im Agrargeschäft
Auch im Agrarbereich, der stark vom Crop-Science-Geschäft geprägt ist, setzt Bayer neue Akzente. Der Konzern führte heute die Erdbeersorte „Bayer Solara“ ein.
Die Sorte ist für den geschützten Anbau in Nordeuropa konzipiert und geht auf das 2023 übernommene NIAB-Zuchtprogramm zurück. Damit zeigt Bayer, dass auch im klassischen Saatgutgeschäft Innovationen vorangetrieben werden, wenn auch ohne unmittelbaren Kurseffekt wie bei den großen juristischen oder pharmazeutischen Nachrichten.
Kursentwicklung und technische Einordnung
Die Aktie hat ihren Aufwärtstrend der vergangenen Monate fortgesetzt. Heute liegt der Kurs mit 39,44 Euro moderat über dem Schlusskurs von Freitag (38,88 Euro).
Über einen längeren Zeitraum fällt die Erholung deutlich stärker aus: Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Titel mit einem Plus von rund 96 Prozent nahezu verdoppelt. Vom 52-Wochen-Tief bei 19,62 Euro hat sich die Aktie inzwischen mehr als verdoppelt und liegt derzeit etwa 6,5 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 42,22 Euro.
Charttechnisch nähert sich der Kurs der psychologisch wichtigen Marke von 40 Euro. Bemerkenswert ist dabei der Abstand zu den gleitenden Durchschnitten:
- Rund 15 Prozent oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts (34,36 Euro)
- Rund 38 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt (28,48 Euro)
Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt mit 19,6 im überverkauften Bereich. In Kombination mit der starken Performance der vergangenen Monate deutet dies auf eine Phase mit erhöhten Schwankungen hin, in der kurzfristige Rücksetzer und schnelle Gegenbewegungen enger beieinander liegen können.
Fazit: Drei Ebenen, ein Schwerpunkt
Bayer liefert derzeit Nachrichten auf drei Ebenen:
- strategische Erweiterung im Diagnostikgeschäft (Attralus-Assets),
- Fortschritte in der Genmedizin-Pipeline über AskBio,
- operative Innovation im Agrarsektor mit „Bayer Solara“.
Für die kurzfristige Kursbewertung bleibt jedoch klar: Das Entscheidende ist das juristische Signal aus Washington. Eine Annahme des Glyphosat-Falls durch den Supreme Court würde eine neue Bewertungsphase einläuten – positiv oder negativ, abhängig vom weiteren Verlauf. Hält der Titel sich in der Zone um 40 Euro und werden die operativen Fortschritte bestätigt, könnte eine klärende Entscheidung des Gerichts zum Katalysator für den nächsten größeren Bewegungsschub werden.
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