Bayer Aktie: Juristischer Kraftakt
Bayer erhält positive Analystensignale und Fortschritte in der Onkologie, muss sich aber gleichzeitig mit einer neuen milliardenschweren Patentklage und bestehenden Glyphosat-Risiken auseinandersetzen.

- Barclays und Goldman Sachs heben Bewertung an
- Onkologie-Pipeline erhält wichtige Status-Updates
- Neue Patentklage gegen mRNA-Impfstoffhersteller
- Glyphosat-Risiko bleibt nach US-Entscheidung hoch
Bayer treibt den Konzernumbau mit Tempo voran – und geht zugleich ein hohes Risiko ein. Auf der einen Seite stehen frische Rückenwind-Signale von Analysten und starke Nachrichten aus der Onkologie-Pipeline. Auf der anderen Seite eröffnet der Konzern mit einer neuen mRNA-Klage eine milliardenschwere juristische Front, während alte Rechtsrisiken in den USA weiter bestehen. Wie passt das zusammen?
Die Fakten im Überblick
- Barclays stuft Bayer von „Equal Weight“ auf „Overweight“ hoch und setzt ein Kursziel von 45 Euro.
- Goldman Sachs nimmt die Aktie in die „European Conviction List“ auf.
- Onkologie-Kandidat Sevabertinib erhält in den USA und China den „Breakthrough Therapy Status“.
- Tochter Vividion Therapeutics meldet positive Phase-I-Daten für den Krebswirkstoff VVD-214.
- Neue Patentklage von Monsanto (Bayer) gegen Pfizer, BioNTech und Moderna wegen mRNA-Technologie.
- Glyphosat-Risiken bleiben hoch, da eine Schutzklausel im US-EPA-Gesetz gestrichen wurde.
- Der Kurs liegt mit 38,15 Euro klar über den gleitenden Durchschnitten, der 14-Tage-RSI von 19,6 signalisiert kurzfristig einen extrem überverkauften Zustand.
Gestern schloss der DAX-Titel bei 38,15 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten entspricht das einem Plus von über 90 Prozent, zugleich notiert die Aktie rund 10 Prozent unter ihrem 52‑Wochen-Hoch. Mit einem Abstand von gut 36 Prozent zum 200‑Tage-Durchschnitt und einer annualisierten 30‑Tage-Volatilität von über 76 Prozent ist klar: Der Markt preist viel Unsicherheit – aber auch erhebliche Erwartungen – ein.
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Analysten setzen auf Entspannung bei Rechtsrisiken
Auf der Bewertungsseite liefern die Großbanken derzeit klare Signale. Barclays hat das Rating für Bayer von „Equal Weight“ auf „Overweight“ angehoben und das Kursziel auf 45 Euro festgelegt. Die Analysten sehen vor allem zwei Treiber:
- eine potenzielle Lösung der anhaltenden Rechtsstreitigkeiten in absehbarer Zeit,
- Margenpotenziale im Agrarbereich (Crop Science).
Barclays geht davon aus, dass ein Abbau des juristischen Überhangs den Weg für eine Neubewertung öffnen könnte. Das ist umso relevanter, als die Aktie trotz der starken Zwölfmonats-Performance seit Jahresanfang nur leicht im Plus liegt und damit signalisiert, wie wechselhaft das Sentiment geblieben ist.
Zusätzlichen Rückenwind bringt die Entscheidung von Goldman Sachs. Die US-Bank hat Bayer in die „European Conviction List“ aufgenommen, eine eng gefasste Auswahl von Titeln mit besonderer Überzeugung. Goldman erwartet, dass sich der juristische Druck im ersten Halbjahr 2026 lockern könnte und sieht darin den Hebel für eine deutlich positivere Sicht des Marktes auf den Konzern.
Pharma-Pipeline gewinnt Profil
Operativ liefert vor allem die Pharmasparte positive Schlagzeilen. Der Onkologie-Wirkstoff Sevabertinib hat nahezu zeitgleich in den beiden wichtigsten Pharmamärkten der Welt den Status einer „Breakthrough Therapy“ erhalten:
- In den USA von der FDA für die Erstlinientherapie bei HER2‑mutiertem nicht‑kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC).
- In China von der zuständigen Behörde CDE mit identischer Einstufung.
Dieser Sonderstatus beschleunigt typischerweise sowohl die Entwicklung als auch die mögliche Zulassung deutlich. Grundlage ist die SOHO‑01‑Studie, in der bei bereits vorbehandelten Patienten eine Gesamtansprechrate von 59 Prozent erreicht wurde – ein Wert, der das Potenzial des Wirkstoffs unterstreicht.
Parallel meldet die Tochtergesellschaft Vividion Therapeutics positive Phase‑I‑Daten für den Krebswirkstoff VVD‑214. Damit gewinnt Bayers Onkologie-Pipeline an Kontur und stützt die Strategie, stärker auf innovative Krebsmedikamente zu setzen. Zusammen mit den positiven Analystenstimmen entsteht so ein Fundament, auf dem eine mittelfristige Neubewertung aufbauen könnte – vorausgesetzt, die Rechtsrisiken lassen sich eingrenzen.
Milliardenschwere mRNA-Patentklage
Genau hier setzt die neue juristische Offensive an. Bayers Tochter Monsanto hat am Mittwoch Klage gegen Pfizer, BioNTech und Moderna vor einem Bundesgericht in Delaware eingereicht. Der Vorwurf: Die Hersteller der COVID‑19‑Impfstoffe Comirnaty (Pfizer/BioNTech) und Spikevax (Moderna) sollen Patente verletzt haben, die Monsanto bereits in den 1980er Jahren zur Stabilisierung von mRNA in Pflanzenzellen entwickelt hat.
Bayer fordert Schadensersatz für die Nutzung dieser Technologie in den Impfstoffen. Angesichts der Tatsache, dass Pfizer und BioNTech allein im Jahr 2024 mit Comirnaty mehr als 3,3 Milliarden US‑Dollar Umsatz erzielt haben, geht es potenziell um hohe Lizenznachzahlungen. Der Konzern betont allerdings, kein Verbot der Impfstoffe anzustreben, sondern gezielt finanzielle Kompensation.
Die Klage eröffnet damit eine neue Erlöschance, erhöht aber zugleich die Komplexität des ohnehin dichten juristischen Umfelds. Der aggressive Schritt zeigt, wie stark Bayer versucht, aus bestehenden Technologie-Portfolios zusätzlichen Wert zu heben – gerade vor dem Hintergrund der Belastungen aus früheren Rechtsfällen.
US-Politik hält Glyphosat-Risiko offen
Während Bayer im mRNA-Bereich in die Offensive geht, bleibt die Altlast Glyphosat ein zentrales Risiko. Ein Vorstoß im US-Kongress, der dem Konzern hier Luft verschafft hätte, ist gescheitert. Der Haushaltsausschuss hat eine Klausel aus dem EPA-Finanzierungsgesetz gestrichen, die Pestizidhersteller de facto vor bestimmten Klagen geschützt hätte.
Diese sogenannte „Pesticide Immunity Provision“ hätte verhindert, dass US-Bundesstaaten eigene Warnhinweise für Produkte wie Roundup durchsetzen können, solange die Umweltbehörde EPA das Produkt als sicher einstuft. Mit dem Wegfall der Klausel bleiben die rechtlichen Angriffsflächen im Glyphosat-Komplex bestehen.
Damit klafft eine Lücke zwischen den Hoffnungen der Analysten auf eine zügige Bereinigung der Rechtsrisiken und der politischen Realität in den USA. Gleichzeitig erklärt dieser Hintergrund, warum Bayer bei anderen Themen – wie der mRNA-Patentklage – offensiv neue juristische Wege geht, um die Bilanzperspektive zu verbessern.
Fazit: Hohe Dynamik, hohes Risiko
Die Bayer Aktie befindet sich in einer klaren Umbruchphase. Auf der positiven Seite stehen:
- die Hochstufung durch Barclays und die Aufnahme in die Conviction List von Goldman Sachs,
- deutliche Fortschritte in der Onkologie-Pipeline mit Sevabertinib und VVD‑214,
- eine potenziell ertragreiche mRNA-Patentklage gegen große Pharmapartner.
Dem gegenüber stehen:
- unverändert offene Risiken im Glyphosat-Komplex nach dem Scheitern der US-Schutzklausel,
- ein insgesamt sehr volatiles Kursbild mit starken Ausschlägen,
- die Unsicherheit über Zeitpunkt und Umfang möglicher juristischer Entlastungen oder Zahlungen.
Kurzfristig spiegelt der niedrige RSI von 19,6 einen überverkauften Zustand wider, während der deutliche Abstand zu den langfristigen Durchschnitten den starken Rebound der vergangenen zwölf Monate zeigt. Inhaltlich bleibt die Aktie damit ein Spiel auf den Erfolg des Konzernumbaus, die Monetarisierung juristischer Ansprüche und eine schrittweise Reduktion der Altlasten – mit entsprechend breiter Ergebnisspanne für die kommenden Quartale.
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