Bayer Aktie: Lynkuet-Erfolg reicht nicht?
Die FDA prüft Lynkuet vorrangig; zugleich belasten erwartete Ergebnisrückgänge und offene US-Rechtsstreitigkeiten Bayer.
- Deutsche Bank bestätigt Kaufurteil und Kursziel
- Analystin erwartet 1,3 Prozent Umsatzwachstum
- Operatives Ergebnis soll um 10 Prozent sinken
- FDA gewährt Lynkuet ein Priority Review
Deutsche Bank Research hat die Einstufung für Bayer am heutigen Dienstag auf „Buy“ mit einem Kursziel von 60 Euro belassen. Analystin Virginie Boucher-Ferte blickt dabei bereits auf das anstehende Zahlenwerk: Für das dritte Quartal erwartet sie ein operatives Umsatzwachstum von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim operativen Ergebnis rechnet sie hingegen mit einem Rückgang um 10 Prozent.
Die Veröffentlichung des Berichts zum dritten Quartal hat der Leverkusener Konzern bereits angekündigt. Für Investoren fällt die aktuelle Vorschau in eine Phase, in der das Management an mehreren Fronten gefordert ist. Neben Fortschritten in der Medikamentenentwicklung bestimmen vor allem die Restrukturierung der Verbindlichkeiten sowie anhaltende Rechtsstreitigkeiten in den USA die Stimmung.
US-Behörde beschleunigt Prüfverfahren für Lynkuet
Im Pharmageschäft konnte das Unternehmen gestern einen regulatorischen Schritt nach vorne vermelden. Die US-Zulassungsbehörde FDA gewährte dem Wirkstoff Lynkuet (Elinzanetant) ein vorrangiges Prüfverfahren in Form eines Priority Reviews für eine zusätzliche Indikation.
Die Prüfung zielt auf die Behandlung von moderaten bis schweren Hitzewallungen bei Frauen ab, die aufgrund von hormonrezeptorpositivem Brustkrebs eine endokrine Therapie erhalten. Eine solche beschleunigte Begutachtung verkürzt die Bearbeitungszeit der Behörde spürbar und könnte den Weg zu einer erweiterten Marktzulassung in den Vereinigten Staaten ebnen.
Frisches Kapital und schwelende Rechtsrisiken
Auf der Finanzierungsseite sicherte sich der Konzern zuletzt zusätzlichen Spielraum. Vor gut einer Woche platzierte Bayer neue Hybridanleihen über ein Volumen von 2 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 30 Jahren. Durch diese Transaktion stieg das Gesamtvolumen der ausstehenden Hybridanleihen des Konzerns auf 6,55 Milliarden Euro.
Die Stärkung der Kapitalbasis gilt am Markt als wichtiger Baustein, um die bilanziellen Belastungen abzufedern. Neben dem laufenden Schuldendienst binden insbesondere die juristischen Verfahren in Übersee weiterhin erhebliche Management-Kapazitäten.
Vor rund zwei Wochen forderte die Konzerntochter Monsanto einen Richter in Missouri auf, einen vorgeschlagenen Sammelvergleich in den Roundup-Verfahren zu genehmigen. Das Paket sieht Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar vor. Klägeranwälte sprachen sich jedoch gegen diesen Vergleichsvorschlag aus.
Die anhaltende Unsicherheit über den Ausgang dieser Rechtskomplexe hemmt die Bewertung des Konzerns seit Langem. Auch wenn eine Einigung die Visibilität für Investoren spürbar erhöhen würde, bleibt die Einigung mit der Gegenseite das zentrale Hindernis.
DAX-Wert gerät unter Verkaufsdruck
Am Aktienmarkt spiegeln sich die gemischten Vorgaben heute in Verlusten wider. Das Papier verliert am Dienstag 2,4 Prozent auf 49,52 Euro.
Damit notiert der Titel 8,1 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Die Zurückhaltung der Marktteilnehmer verdeutlicht, dass die erwarteten operativen Ergebnisrückgänge im dritten Quartal und die ungeklärten Rechtsfragen die jüngsten Pipeline-Fortschritte vorerst überschatten.
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