Bayer Aktie: Orphan-Drug-Status für Lemiretprocel?

Die Behörden stufen Lemiretprocel für seltene Netzhauterkrankungen ein; BlueRock prüft die Zelltherapie weiterhin in einer frühen klinischen Studie.

Die Kernpunkte:
  • FDA und EMA vergeben Seltenenstatus
  • BlueRock testet Lemiretprocel in Phase 1/2a
  • MiraSOFT ergänzt Bayers Selbstmedikationsangebot
  • Glyphosat-Verfahren belasten die Kurserholung

Bayer und die Konzerntochter BlueRock haben für ihren experimentellen Zelltherapie-Kandidaten Lemiretprocel wichtigen regulatorischen Rückenwind erhalten. Sowohl die US-Arzneimittelbehörde FDA als auch die europäische EMA stuften die Entwicklung als Arzneimittel gegen seltene Leiden ein. An der Börse notiert die Bayer-Aktie heute mit einem leichten Plus von 0,4 Prozent bei 49,25 Euro.

Der sogenannte Orphan-Drug-Status soll die Erforschung und Entwicklung von Therapien für seltene Krankheiten durch regulatorische und wirtschaftliche Vorteile erleichtern. Bei der FDA greift die Auszeichnung für die Indikationen Retinitis pigmentosa sowie Zapfen-Stäbchen-Dystrophie. Die europäische Behörde EMA gewährte den Status für bestimmte syndromische und nicht-syndromische Netzhauterkrankungen mit stäbchen- oder zapfendominantem Phänotyp.

Frühe klinische Prüfung läuft noch

Lemiretprocel, intern auch als OpCT-001 bezeichnet, basiert auf induzierten pluripotenten Stammzellen. Das Entwicklungsprogramm zielt auf die Behandlung von primären Photorezeptorerkrankungen ab. Eine behördliche Zulassung besitzt der Wirkstoff bislang in keinem Land.

Die Sicherheit und Wirksamkeit der Zelltherapie sind noch nicht abschließend bewertet. BlueRock erprobt den Kandidaten derzeit in einer klinischen Phase-1/2a-Studie namens CLARICO an betroffenen Patienten. Für den Leverkusener Pharma- und Agrarkonzern markiert die behördliche Einstufung dennoch einen bedeutsamen Zwischenschritt beim Aufbau einer neuartigen Zelltherapie-Plattform.

Impulse für die Pharma-Pipeline

Neben den Fortschritten in der Zelltherapie meldete Bayer im Bereich der Selbstmedikation den Marktstart von MiraSOFT. Das Produkt ergänzt das Magen-Darm-Portfolio um eine Behandlungsoption mit dem Wirkstoff Docusat-Natrium gegen gelegentliche Verstopfung.

Gleichzeitig treibt der Konzern weitere Hoffnungsträger in der klinischen Entwicklung voran. Für den Wirkstoff Elinzanetant, der aus der früheren Übernahme des Biotech-Unternehmens KaNDy Therapeutics stammt, gewährte die FDA kürzlich eine vorrangige Prüfung zur Linderung von Beschwerden bei Brustkrebspatientinnen unter endokriner Therapie. Das Präparat ist unter dem Handelsnamen Lynkuet in den USA und Europa bereits gegen vasomotorische Wechseljahresbeschwerden zugelassen.

Widerstand bremst Kurserholung

Trotz der medizinischen Fortschritte stieß das Wertpapier an der Börse zuletzt an einen technischen Widerstand. Seit dem Jahresanfang verzeichnet die Aktie zwar einen Zuwachs von 33 Prozent. Marktbeobachter verweisen jedoch auf die anhaltende Unsicherheit rund um die US-Rechtsstreitigkeiten zu den Glyphosat-Klagen, die neue Ausbruchsversuche an den Finanzmärkten immer wieder dämpfen.

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