Bayer Aktie: Q2-EBITDA Crop Science springt 30,2 Prozent

Bayer übertrifft mit Q2-Zahlen die Erwartungen, der Glyphosat-Vergleich verzögert sich auf September. Analysten erhöhen die Kursziele.

Die Kernpunkte:
  • Anhörung zum Glyphosat-Vergleich auf September verschoben
  • Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal gestiegen
  • Goldman Sachs und UBS erhöhen Kursziele
  • Bayer bestätigt Ausblick, senkt Schuldenprognose

Ein US-Gericht in Missouri hat die finale Anhörung zur Genehmigung des milliardenschweren Glyphosat-Sammelvergleichs verschoben. Statt am 19. August soll die entscheidende Sitzung nun am 10. September 2026 stattfinden. Grund für die Verzögerung sind zusätzliche Widerrufsanträge, sogenannte Opt-outs, die noch bearbeitet werden müssen, wie Reuters berichtete. Der Vergleich selbst hat ein Volumen von 7,25 Milliarden US-Dollar und soll einen Großteil der Klagewelle gegen den Unkrautvernichter Glyphosat beilegen.

Supreme-Court-Urteil stärkt Bayers Position

Rückenwind erhält der Konzern von höchster juristischer Instanz. Bayer-Chef Bill Anderson bezeichnete ein Urteil des US Supreme Court im Fall Durnell als entscheidenden Fortschritt für die rechtliche Position des Unternehmens. Aus Sicht des Managements stärkt die Entscheidung die Verhandlungsbasis für den anstehenden Sammelvergleich erheblich. Parallel dazu hat Bayer sein US-Glyphosatgeschäft in einer neu geschaffenen, eigenständigen Einheit namens Ruveon gebündelt, um in diesem sensiblen Bereich operativ flexibler agieren zu können.

Operatives Geschäft liefert am Dienstag positive Überraschung

Noch wichtiger für die Anleger dürften jedoch die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal 2026 gewesen sein, die der Konzern am Dienstag vorlegte. Der Umsatz stieg währungs- und portfoliobereinigt um 2,2 Prozent auf 10,872 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 1,9 Prozent auf 2,144 Milliarden Euro. Unter dem Strich drehte das Konzernergebnis mit 219 Millionen Euro wieder ins Plus, nach einem Verlust von 199 Millionen Euro im Vorjahresquartal.

Treiber der Entwicklung war vor allem die Agrarsparte Crop Science, die ihr EBITDA um 30,2 Prozent auf 902 Millionen Euro steigerte. Effizienzprogramme und eine starke US-Nachfrage nach Dicamba-Saatgut trugen dazu bei. Die Pharmasparte hinkte dagegen hinterher: Rückgänge beim Blockbuster-Medikament Xarelto sorgten für ein Ergebnisminus von 3,6 Prozent. Bill Anderson bestätigte den währungsbereinigten Konzernausblick für das Gesamtjahr und rechnet nun mit einer geringeren Nettofinanzverschuldung von 29 bis 30 Milliarden Euro, nach zuvor 32 bis 33 Milliarden Euro. Zum 30. Juni lag die Verschuldung bei 33,647 Milliarden Euro.

Der Aktienkurs reagierte deutlich auf die Nachrichtenlage: Am Mittwoch schloss das Papier bei 49,40 Euro, ein Plus von 2,28 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 33,48 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, erreicht am 3. Juli, fehlen dem Titel noch 8,28 Prozent.

Analysten heben Kursziele kräftig an

Die starken Quartalszahlen lösten am Mittwoch eine Welle von Kurszielerhöhungen aus. Goldman Sachs hob sein Kursziel für Bayer von 62,50 auf 63,50 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Als Begründung nannte das Analystenhaus die starke operative Entwicklung sowie Fortschritte bei der rechtlichen Risikobewertung. UBS zog nach und erhöhte ihr Kursziel sogar von 52 auf 62 Euro, ebenfalls mit „Buy“-Einstufung. Ausschlaggebend war, dass das operative Ergebnis die Konsensschätzungen um 10 Prozent übertroffen hatte. Auch die DZ Bank und JPMorgan zogen am selben Tag ihre Kursziele nach oben, wenngleich in geringerem Ausmaß.

Strukturfrage bleibt offen

Trotz der positiven Signale hält sich der Bayer-Vorstand bei der langfristigen Konzernstruktur bedeckt. Eine mögliche Aufspaltung in die Bereiche Agrar, Pharma und Consumer Health werde weiterhin regelmäßig geprüft, heißt es aus dem Unternehmen. Vorrangig konzentriere man sich derzeit jedoch auf die operative Performance und den weiteren Schuldenabbau. Im Agrargeschäft treibt Bayer parallel die Digitalisierung voran: Die KI-gestützte Plattform „MagicTrap 2“ zur Schädlingserkennung im Rapsanbau wurde im Juli auf 14 weitere europäische Märkte ausgeweitet, darunter Großbritannien. Für die kommenden Wochen richtet sich der Blick der Anleger nun auf den 10. September, wenn das Gericht in Missouri final über den Glyphosat-Vergleich entscheiden soll.

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