Bayer Aktie: RAGT-Deal für Hybridweizen

Bayer schließt Lizenzvereinbarung für Hybridweizen mit RAGT und erwartet Milliardenumsätze ab Mitte der 2040er Jahre.

Die Kernpunkte:
  • Exklusive Partnerschaft mit RAGT besiegelt
  • Hybridweizen soll Erträge deutlich steigern
  • Milliardenumsätze erst ab 2040 erwartet
  • Aktie profitiert weiter von Glyphosat-Entwicklung

Während Anwälte und Aktionäre noch über den Glyphosat-Streit diskutieren, blickt Bayer schon in eine ganz andere Zukunft. Diese Woche unterzeichnete der Konzern eine exklusive Lizenzvereinbarung mit dem französischen Saatguthersteller RAGT. Das Ziel: Hybridweizen in Europa und Nordamerika groß machen. Nennenswerte Umsätze soll das Geschäft aber erst Mitte der 2040er Jahre bringen.

Ein Blockbuster-Produkt also – nur eben eines, dessen Erfolg heutige Bayer-Aktionäre vermutlich nicht mehr im Depot erleben werden.

Der Weizen-Deal als Signal

Die Partnerschaft mit RAGT ist kein Schnellschuss. Seit 2021 arbeiten beide Unternehmen bereits an Hybridweizen-Saatgut für Europa. Bayer vertieft nun eine bestehende Kooperation, statt bei null anzufangen.

Der Konzern erwartet aus dem neuen Geschäftsfeld Umsätze von bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr – aber erst Mitte der 2040er Jahre. Anfang der 2030er Jahre soll das Saatgut gleichzeitig in Europa und Nordamerika auf den Markt kommen. Bis der Kassenbeitrag spürbar wird, vergeht also gut ein Jahrzehnt.

Inhaltlich geht es um handfeste Vorteile: Hybridweizen bringt laut Bayer rund zehn Prozent höhere Erträge als konventionelle Sorten. Zudem übersteht er Trockenheit, Hitze und Krankheiten besser. Peter Müller, bei Bayer für das Getreidegeschäft zuständig, bringt den Grund für den Vorstoß auf den Punkt: „Die Weizenproduktion stagniert und steht zunehmend unter Druck, zum Beispiel durch langanhaltende Dürren und Hitzewellen wie wir sie dieses Jahr auch in Europa schon erlebt haben. Robustere Hybridweizensorten sind bislang aber noch nicht breit verfügbar.“

Für Europa plant Bayer den Schwerpunkt auf Winterweizen. In Nordamerika will der Konzern sowohl Winter- als auch Sommerweizen einführen. Die Aufstellung folgt also den jeweiligen Anbaubedingungen, nicht einem starren globalen Schema.

Zwei Zeithorizonte, ein Kurs

Der Kontrast zur aktuellen Marktlage könnte kaum größer sein. Die Bayer-Aktie schloss am Freitag bei 48,06 Euro, ein Plus von knapp einem Prozent zum Vortag. Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs um 72,29 Prozent nach oben bewegt – getrieben von der juristischen Aufarbeitung des Glyphosat-Erbes, nicht von Weizengenetik.

Diese Rally wirkt inzwischen reifer. Der Kurs liegt 16,50 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen für eine Aktie, die sich technisch weit von ihrem Mittelwert entfernt hat. Der RSI von 59,3 signalisiert zwar noch keine akute Überhitzung. Eine annualisierte Volatilität von 62 Prozent zeigt aber, wie nervös der Markt das Papier weiterhin handelt.

Genau in diese unruhige Gegenwart platziert Bayer nun eine Geschichte, die erst in zwei Jahrzehnten ihren Beweis antreten muss. Passt das zusammen?

Strategie mit Verzögerung

Der Hybridweizen-Deal fügt sich in ein Muster. Nachdem Bayer beim Glyphosat-Streit zuletzt juristisch Boden gutgemacht hat, rückt die operative und strategische Seite des Konzerns wieder stärker in den Blick. Die Vereinbarung mit RAGT verschafft Bayer Zugang zu Weizengenetik, die speziell auf europäische Bedingungen zugeschnitten ist – ein Baustein für die Zeit nach den aktuellen Blockbuster-Einführungen.

Kurzfristig dürfte der Deal den Kurs kaum bewegen. Dafür liegt die Umsatzwirkung schlicht zu weit in der Zukunft. Mit einer Marktkapitalisierung von 48,26 Milliarden Euro ist Bayer nach der Kursrally wieder ein Schwergewicht im DAX – doch dieses Gewicht verdankt der Konzern dem Rechtsstreit der Gegenwart, nicht dem Saatgut der Zukunft.

Genau darin liegt der eigentliche Punkt der Woche. Bayer zeigt, dass parallel zur juristischen Aufarbeitung auch wieder langfristig gedacht wird. Für die Aktie bedeutet das: Wer heute investiert, kauft zwei Geschichten gleichzeitig. Die eine spielt sich an Gerichten und im Chart ab, die andere erst 2040 auf den Weizenfeldern Europas und Nordamerikas.

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