Bayer Aktie: Richter bedroht Milliarden-Vergleich

Ein neuer Richter in Kalifornien stellt Bayers Milliarden-Deal zu Glyphosat-Klagen infrage. Der Aktienkurs brach daraufhin ein.

Die Kernpunkte:
  • Richtertausch erschüttert Bayer-Vergleich
  • Aktie verliert rund fünf Prozent
  • Milliarden-Deal mit 100.000 Klägern
  • Konzern kämpft um Rückverlegung

Ein Richtertausch in Kalifornien hat Bayers mühsam ausgehandelten Glyphosat-Vergleich ins Wanken gebracht — und die Aktie am Dienstag rund 5 Prozent in den Keller gezogen.

Der kritische Richter kehrt zurück

Das Judicial Panel on Multidistrict Litigation hat die Sammelklage aus Missouri an das Bundesgericht in Nordkalifornien übertragen. Dort führt nun Richter Vince Chhabria das Verfahren. Das Problem: Chhabria lehnte bereits 2020 einen Vergleichsversuch Bayers ab und äußerte sich erst kürzlich skeptisch gegenüber der aktuellen Einigung.

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Bayer hat angekündigt, gegen die bedingte Transferanordnung vorzugehen. Das Unternehmen zeigt sich zuversichtlich, den Fall zurück an das Staatsgericht Missouri zu bekommen — dort hatte das zuständige Gericht den Vergleich Anfang März vorläufig gebilligt. Die endgültige Zustimmung steht jedoch noch aus.

Viel steht auf dem Spiel

Der angestrebte Vergleich hat ein Volumen von bis zu 7,25 Milliarden Dollar und soll sämtliche bestehenden und künftigen Klagen im Zusammenhang mit Non-Hodgkin-Lymphom nach Roundup-Exposition abdecken. Rund 100.000 Kläger sind beteiligt.

CEO Bill Anderson hatte Investoren versprochen, die erheblichen Rechtsrisiken des Konzerns bis Ende 2026 deutlich zu reduzieren. Ein geplatzter Vergleich würde dieses Versprechen kaum noch einzulösen sein lassen. Anderson machte auf dem Wall Street Journal Global Food Forum zusätzlich auf ein anderes Risiko aufmerksam: Ohne eine Lösung der Glyphosat-Litigation werde es keine amerikanische Glyphosatproduktion mehr geben — Bayer ist der einzige Hersteller des Wirkstoffs in den USA.

Parallel kämpft das Unternehmen auf mehreren Fronten. Im Kongress scheiterte zuletzt im April ein Versuch, Pestizid-Hersteller vor bestimmten Haftungsklagen zu schützen — das US-Repräsentantenhaus verabschiedete eine Farm-Bill-Version, die diese Schutzklausel nicht enthält. Der Senat hat den Gesetzentwurf noch nicht aufgegriffen.

Kein Umbau geplant

Trotz des juristischen Drucks schließt Bayer einen Konzernumbau — etwa einen Spin-off von Monsanto — derzeit aus. Das Management setzt stattdessen auf operative Verbesserungen und die Bewältigung der Klageflut. Eine Umstrukturierung sei zwar grundsätzlich denkbar, aber nicht geplant.

Wie sich Richter Chhabria zu dem laufenden Vergleichsverfahren positioniert, dürfte die nächste entscheidende Weichenstellung sein. Bayers juristisches Schicksal für 2026 hängt maßgeblich von dieser Frage ab.

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