Bayer Aktie: Supreme Court entscheidet im Juni über 65.000 Klagen
US Supreme Court fällt im Juni Urteil zu Monsanto-Haftungsklagen. Bayer kämpft zudem um Milliardenvergleich und bringt neues Herbizid auf den Weg.

- Supreme Court entscheidet über Monsanto-Klagen
- Mehr als 100.000 Roundup-Verfahren betroffen
- Bayer kämpft um 7,25-Milliarden-Vergleich
- Neues Herbizid Icafolin-methyl beantragt
Der Countdown läuft. Noch im Juni entscheidet der US Supreme Court über einen Fall, der Bayers Klagelast fundamental verändern könnte — in die eine oder die andere Richtung.
Am 27. April hörte das Gericht in Washington die mündlichen Argumente im Fall Monsanto v. Durnell. Die Kernfrage: Können Pestizidherstellern nach staatlichem Recht Haftungsansprüche entstehen, wenn sie keine Warnhinweise anbringen, die die Umweltbehörde EPA nicht vorschreibt? Die Trump-Administration hat sich klar auf Monsantos Seite gestellt und eigene Redezeit beantragt.
Was das Urteil bedeutet
Auf dem Spiel stehen mehr als 100.000 Klagen von US-Amerikanern, die nach der Nutzung des Unkrautvernichters Roundup an Non-Hodgkin-Lymphom erkrankt sind. Das dritte Bundesberufungsgericht hatte bereits einstimmig entschieden, dass das Bundesgesetz FIFRA staatliche Warnpflichtklagen verdrängt. Das neunte und elfte Berufungsgericht kamen zu gegenteiligen Schlüssen. Der Supreme Court muss nun die Einheitlichkeit herstellen.
Ein Urteil zugunsten Monsantos würde einen Großteil der verbleibenden rund 65.000 anhängigen Klagen blockieren. Bayer hat bereits mehr als zehn Milliarden Dollar für Roundup-Vergleiche aufgewendet.
Vergleich unter Druck
Parallel kämpft Bayer um seinen 7,25-Milliarden-Dollar-Vergleich aus Missouri. Dreizehn Kläger erheben Einspruch. Sie argumentieren, der Deal sei keine echte Streitbeilegung, sondern eine koordinierte Aktion zwischen Monsanto und den Klägeranwälten. Ihr Ziel: den Fall vom Staatsgericht Missouri in ein Bundesgericht verlagern.
Das US Judicial Panel on Multidistrict Litigation erteilte daraufhin eine bedingte Übertragungsanordnung. Der Fall könnte zu Richter Vince Chhabria nach Kalifornien wandern, der bereits zahlreiche Roundup-Verfahren betreut. Chhabria selbst erklärte jedoch, er sehe sich nicht als zuständigen Entscheidungsträger für den Vergleich.
Barclays-Analysten bewerten die Entwicklung als prozedurale Komplexität mit Terminrisiko. Konkret: Das für Juli geplante Fairness-Hearing könnte sich verzögern, solange die Zuständigkeitsfrage offen ist.
Neues Produkt als Gegengewicht
Abseits der Rechtsstreitigkeiten hat Bayer mit Icafolin-methyl Zulassungsanträge in der EU, den USA, Brasilien und Kanada eingereicht. Das Molekül soll der erste neue Wirkmechanismus für post-emergente Unkrautkontrolle bei Breitflächenkulturen seit über 30 Jahren sein. Bayer erwartet die Markteinführung ab 2028, zunächst in Brasilien, und schätzt das Umsatzpotenzial auf rund 750 Millionen Euro.
Die Aktie notiert bei 36,11 Euro und damit knapp über dem 200-Tage-Durchschnitt von 36,07 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 49,93 Euro ist das Papier jedoch noch fast 28 Prozent entfernt. Das Supreme-Court-Urteil, erwartet bis Ende Juni, dürfte der nächste große Kurstreiber sein — in welche Richtung auch immer.
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