Bayer Aktie: Warren Wise kritisiert Kapitaleffizienz

Neuer Podcast bemängelt Bayers Kapitaleffizienz: Rendite liegt seit Jahren unter Kapitalkosten. Glyphosat-Erfolg kann strukturelle Bilanzschwächen nicht ausgleichen.

Die Kernpunkte:
  • Podcast-Analyse deckt Bilanzschwächen auf
  • Kapitalrendite unter Kapitalkosten seit Jahren
  • Goodwill übersteigt Eigenkapital deutlich
  • Glyphosat-Sieg gleicht Strukturprobleme nicht aus

Ein neues Analyseformat rückt Bayer heute in den Mittelpunkt: Warren Wise startet seinen Podcast „Warrens Watchlist“ und nimmt den Leverkusener Konzern gemeinsam mit SAP unter die Lupe. Im Zentrum der Analyse stehen die strukturellen Schwächen der Bilanz – ein Befund, der die Aktie an einem ohnehin schwachen Börsentag zusätzlich belastet.

Bayer notiert am Donnerstag bei 48,35 Euro und verliert damit 1,7 Prozent. Die Aktie bewegt sich damit rund zehn Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro, das erst Anfang Juli erreicht wurde. Der Rücksetzer fällt in eine Phase, in der der Gesamtmarkt ebenfalls nachgab.

Kapitalrendite unter den Kapitalkosten

Die Kernaussage des Podcasts betrifft nicht die Bonität des Konzerns, sondern dessen operative Wertschöpfung: Nach Einschätzung von Warren Wise liegt die Rendite auf das eingesetzte Kapital bei Bayer seit drei Jahren unter den Kapitalkosten. Das bedeutet, dass der Konzern mit seinem Geschäft rechnerisch Wert vernichtet statt zu schaffen – ein Befund, der besonders für langfristig orientierte Anleger relevant ist.

Hinzu kommt laut der Analyse ein bilanzielles Ungleichgewicht: Der ausgewiesene Goodwill übersteigt das Eigenkapital des Unternehmens. Diese Konstellation gilt gemeinhin als Warnsignal, weil sie zeigt, wie stark frühere Übernahmen – allen voran die milliardenschwere Monsanto-Akquisition – die Bilanz noch heute prägen.

Verbunden mit der insgesamt hohen Verschuldung des Konzerns ergibt sich aus Sicht des Podcast-Formats ein Gesamtbild, das Bayer in seinem eigenen fünfstufigen Bewertungsraster auf der niedrigsten Stufe verortet.

Der Glyphosat-Erfolg reicht nicht als Gegengewicht

Positiv verbucht die Analyse den Erfolg vor dem US Supreme Court im Glyphosat-Streit, den Bayer in den vergangenen Wochen erzielen konnte. Doch dieser juristische Sieg allein löst die strukturellen Probleme nicht: Die Kapitalkosten-Problematik und die Bilanzstruktur bestehen unabhängig vom Ausgang einzelner Rechtsverfahren fort, so die Einschätzung im Podcast.

Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild. Auf der einen Seite steht der juristische Rückenwind, der zuletzt mehrere Analystenhäuser zu angehobenen Kurszielen bewogen hatte. Auf der anderen Seite bleibt die fundamentale Kritik an der Kapitaleffizienz bestehen – ein Thema, das unabhängig von der Tagesbewegung der Aktie relevant bleibt und das der Konzern erst durch nachhaltig verbesserte operative Ergebnisse entkräften kann.

Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich mit der Vorlage der Quartalsbilanz zum dritten Quartal, die für den 3. November angesetzt ist. Bis dahin dürfte die Debatte um Bayers Kapitalstruktur und Verschuldung ein Thema für Anleger bleiben, das über die kurzfristigen Kursausschläge hinausreicht.

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