Bayer und Beiersdorf stürzen ab — Scout24 und Heidelberg Materials trotzen dem Trend

Bayer und Beiersdorf belasten den DAX, während Scout24 und Heidelberg Materials von Rückkäufen und Analysten profitieren. Die Deutsche Bank notiert ex Dividende.

Die Kernpunkte:
  • Bayer verliert nach neuer US-Klage
  • Beiersdorf erreicht neues 52-Wochen-Tief
  • Scout24 profitiert von Aktienrückkäufen
  • Heidelberg Materials mit Analystenrückenwind

Geopolitische Entspannung, Insiderkäufe und ein historischer Dividendenrekord — am letzten Handelstag im Mai zeigt der DAX ein gespaltenes Gesicht. Während Industriewerte und Baustoffe von Managementvertrauen und Analystenrückenwind profitieren, ziehen eine neue US-Klage gegen Bayer und die anhaltende Wachstumskrise bei Beiersdorf den Index nach unten. Die Deutsche Bank notiert nach ihrer Rekord-Hauptversammlung ex Dividende.

Der DAX startete am Freitagmorgen bei rund 25.177 Punkten in den vorbörslichen Handel — 86 Punkte über dem Donnerstags-Schluss. Unterstützung kam von positiven Vorgaben aus den USA und Asien. Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran über eine mögliche Waffenruhe-Verlängerung sorgten für etwas Entspannung, auch wenn eine finale Einigung noch aussteht.

GewinnerKursVeränderung
Scout2472,60 €+3,27%
GEA Group55,55 €+1,93%
Heidelberg Materials190,70 €+1,87%
VerliererKursVeränderung
Bayer36,49 €−3,36%
Beiersdorf69,60 €−3,60%
Deutsche Bank27,90 €−1,80%

Scout24: Aktienrückkäufe und starke Quartalszahlen als Kurstreiber

Scout24 führt die Gewinnerliste an. Die Aktie legte um 3,27 % auf 72,60 Euro zu und notiert damit deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Gleich mehrere Faktoren spielen zusammen.

Das laufende Aktienrückkaufprogramm wurde im Mai konsequent fortgesetzt. Mehrere Tranchen wurden über die Börse erworben, zuletzt zu durchschnittlichen Kursen um 71,86 Euro. Gleichzeitig bewegte sich einiges auf der Investorenseite: Morgan Stanley stockte seine Beteiligung auf, während Amundi Anteile reduzierte — beide Positionen blieben knapp unter der meldepflichtigen Fünf-Prozent-Schwelle.

Operativ überzeugte der Plattformbetreiber mit einem weiteren Umsatzplus im Q1. JPMorgan sieht im kürzlich abgehaltenen Kapitalmarkttag das erste bedeutende strategische Update eines großen europäischen Online-Kleinanzeigenmarktplatzes seit der jüngsten KI-bedingten Neubewertung des Sektors. Jefferies und UBS bestätigten nach den starken Quartalszahlen positive Einschätzungen mit Kurszielen zwischen 83 und 126 Euro. Die Kombination aus aktiver Kapitalrückführung, solidem Wachstum und konstruktivem Analysten-Sentiment trägt den kurzfristigen Aufwärtstrend.

GEA Group: Vorstände kaufen eigene Aktien — ein klares Signal

GEA Group rückte um 1,93 % auf 55,55 Euro vor. Der Anlagenbauer für die Lebensmittel- und Prozessindustrie profitiert von einem ungewöhnlich deutlichen Vertrauensbeweis des eigenen Managements.

Mehrere Vorstandsmitglieder meldeten im Mai nennenswerte Aktienkäufe. Der Vorstandschef erwarb ein größeres Paket zu einem korrigierten Kaufpreis von 55,30 Euro je Aktie — das aggregierte Volumen allein dieser Transaktion: 276.500 Euro. Weitere Führungskräfte griffen ebenfalls zu, mit Gesamtvolumina im sechsstelligen Bereich. Wenn Manager eigenes Geld investieren, interpretiert der Markt das als Überzeugung in die mittelfristige Geschäftsentwicklung.

Fundamental untermauert werden die Insiderkäufe durch solide Q1-Zahlen:

  • Organisches Umsatzwachstum: +5,3 % auf 1,27 Mrd. Euro
  • Auftragseingang: 1,45 Mrd. Euro
  • EBITDA vor Restrukturierung: 205,9 Mio. Euro
  • Gewinn je Aktie: 0,61 Euro

Der Ausblick für das Gesamtjahr 2026 wurde bestätigt — moderates organisches Wachstum und eine EBITDA-Marge im oberen Bereich der bisherigen Zielspanne. Die Aktie notiert nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief bei 54,25 Euro. Der Markt nimmt die Kombination aus Managementkäufen und bestätigter Guidance als Stabilisierungssignal auf.

Heidelberg Materials: Barclays hebt Kursziel — Rückkaufprogramm läuft

Heidelberg Materials legte um 1,87 % auf 190,70 Euro zu und setzte damit eine bemerkenswerte Wochenrallye fort. Allein in den vergangenen sieben Handelstagen ging es um über 9 % nach oben.

Zwei Impulse treiben die Erholung. Erstens: Das laufende Rückkaufprogramm, über das zuletzt Ende Mai insgesamt 36.750 eigene Aktien erworben wurden. Zweitens: Barclays hob das Kursziel von 241 auf 243 Euro an und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Zwischen aktuellem Kurs und dem Barclays-Ziel klafft eine Lücke von rund 27 Prozent.

Operativ zeigte sich der Baustoffkonzern im ersten Quartal trotz schwächerer europäischer Baukonjunktur widerstandsfähig. Infrastrukturprogramme in Nordamerika und eine erfolgreiche Preisdurchsetzung in Kernmärkten stützten das Ergebnis. Das interne Effizienzprogramm — die „Transformation Accelerator Initiative“ — hat bereits 405 Millionen Euro eingespart. Für 2026 peilt das Management mindestens 500 Millionen Euro an. Nach einer längeren Schwächephase hellt sich das Sentiment spürbar auf.

Bayer: Neue US-Klage im Saatgutgeschäft drückt den Kurs

Am anderen Ende des Spektrums steht Bayer mit einem Verlust von 3,36 % auf 36,49 Euro. Eine neue Klage aus den USA verschärft die ohnehin angespannte Rechtslage.

Das Saatgutunternehmen Latham Quality aus Iowa reichte bei einem Bundesgericht in Missouri eine Zivilklage ein. Der Vorwurf wiegt schwer: Bayer soll den US-Markt für gentechnisch verändertes Maissaatgut monopolisiert und dabei unrechtmäßig Hunderte Millionen — möglicherweise sogar Milliarden Dollar — eingenommen haben. Die Kläger streben eine Sammelklage an und fordern eine dreifache Entschädigung.

Bayer weist die Anschuldigungen als unbegründet zurück und kündigt an, sich vor Gericht zu verteidigen. Neue Geschäftszahlen lagen nicht vor. Die Aktie reagiert weiterhin hochsensibel auf juristische Nachrichten aus den USA, während der Markt auf konkrete Fortschritte im Glyphosat-Verfahren wartet. Solange die Rechtslage unklar bleibt, dürfte das strukturell erhöhte Risikoprofil den Kurs deckeln.

Beiersdorf: Neues 52-Wochen-Tief — Wachstumsskepsis dominiert

Beiersdorf markierte heute mit 69,60 Euro ein neues 52-Wochen-Tief — ein Rückgang von 3,60 %. Seit Jahresbeginn hat die Aktie ein Viertel ihres Wertes verloren. Auf Zwölf-Monats-Sicht sind es über 42 %.

Die Ursachen liegen tiefer als ein einzelner Handelstag. Der Konzern rechnet im laufenden Jahr nur mit einem geringen Wachstum. Das Consumer-Segment — mit Marken wie Nivea das Kerngeschäft — steckt in einem verlangsamten Hautpflegemarkt fest. Erwartet werden ein flacher bis leicht wachsender organischer Umsatz und eine operative Marge unter Vorjahresniveau.

Das Vertrauensproblem wird an der Bewertungslücke zu den Analystenzielen deutlich. Bernstein Research hält an „Outperform“ fest, Barclays bewertet mit „Overweight“, Jefferies sieht ein Kursziel von 84 Euro. Zwischen diesem Ziel und dem aktuellen Kurs liegen mehr als 20 Prozent. Die Zahlen signalisieren Potenzial — der Markt glaubt vorerst nicht daran. Die Aktie handelt inzwischen 21,7 % unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Ein Boden ist charttechnisch noch nicht in Sicht.

Deutsche Bank: Dividendenabschlag nach Rekordjahr — kein echtes Minus

Der Rückgang der Deutschen Bank um 1,80 % auf 27,90 Euro ist kein Warnsignal. Die Aktie notiert heute ex Dividende — einen Tag nach der Hauptversammlung, auf der eine Ausschüttung von 1,00 Euro je Aktie beschlossen wurde.

Diese Dividende markiert einen historischen Meilenstein. Gegenüber den im Vorjahr gezahlten 0,68 Euro entspricht sie einer Steigerung von rund 50 %. Das Gesamtvolumen der Ausschüttung: rund 1,9 Milliarden Euro. Fundamental steht die Bank so stark da wie lange nicht. Der Nachsteuergewinn kletterte um 8 Prozent auf den Rekordwert von rund 2,2 Milliarden Euro. Beim aktuellen Kurs ergibt sich eine Dividendenrendite von 3,6 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2026 liegt die Konsensprognose bereits bei 4,2 Prozent.

Der optische Kursabschlag ist ein rein rechnerischer Effekt — und der kalkulierbare Preis einer aktionärsfreundlichen Ausschüttungspolitik.

Gespaltener DAX zum Monatsende — Rechtsrisiken gegen Managementvertrauen

Der letzte Handelstag im Mai zeichnet ein klares Sektorbild. Auf der Gewinnerseite stehen Unternehmen, bei denen Management und Analysten in die gleiche Richtung ziehen: Rückkaufprogramme, Insiderkäufe und bestätigte Jahresprognosen. Auf der Verliererseite dominieren strukturelle Belastungen — bei Bayer die eskalierende US-Rechtslage, bei Beiersdorf die fehlende Wachstumsfantasie.

Für den DAX insgesamt bleibt die Marke von 25.200 Punkten nach oben die entscheidende Hürde. Am Donnerstag scheiterte der Index an dieser Schwelle und fiel zwischenzeitlich bis auf 25.000 Punkte zurück. Die geopolitische Entspannung bei den Iran-Gesprächen stützt, reicht aber allein nicht für einen nachhaltigen Ausbruch. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Erholungsbewegungen bei Heidelberg Materials und GEA Bestand haben — oder ob die Bremsspuren bei Bayer und Beiersdorf den breiteren Markt weiter belasten.

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