Bayer vor dem Glyphosat-Termin: Wie tragfähig ist die 60-Euro-Story?
Bayer erhält positive Impulse durch Sevabertinib und Crop Science, doch der Glyphosat-Rechtsstreit bleibt für die Bewertung ausschlaggebend.

- FDA genehmigt Sevabertinib beschleunigt
- Barclays hebt Kursziel auf 70 Euro
- Glyphosat-Termin am 14. September entscheidend
- Crop-Science-Ziele erneut bestätigt
Ausgangslage
Bayer bekommt an diesem Donnerstag gleich mehrere positive Signale auf einmal – und trotzdem gibt die Aktie leicht nach. Die US-Arzneimittelbehörde FDA erteilte dem Lungenkrebsmedikament Sevabertinib (Handelsname HYRNUO) die beschleunigte Zulassung als Erstlinientherapie für Patienten mit HER2-mutiertem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Parallel bestätigte Bayer auf einer Investorenveranstaltung zur Sparte Crop Science die Fünfjahresziele und konkretisierte den Weg dorthin.
Deutsche Bank Research beließ das Rating auf „Buy“ mit Kursziel 60 Euro, Analystin Virginie Boucher-Ferte sieht mittlerweile nur noch den Agrarchemie-Zyklus als nennenswertes Risiko – andere Belastungsfaktoren hätten sich weitgehend verflüchtigt. Barclays-Analyst James Gordon ging am Montag noch weiter und hob das Kursziel von 60 auf 70 Euro an, Einstufung „Overweight“.
Dennoch notiert die Aktie am Donnerstagmittag bei rund 48,9 Euro, leicht im Minus. Der Kurs bewegt sich damit nah am 50-Tage-Durchschnitt von 48,67 Euro und rund 9 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 53,86 Euro aus Anfang Juli. Warum reagiert der Markt so verhalten auf gute Nachrichten? Die Antwort liegt in einem einzigen ausstehenden Termin.
Die entscheidende Frage
Der Knackpunkt für die Bewertung ist nicht die Onkologie-Pipeline, sondern der Umgang mit den Glyphosat-Klagen in den USA. Barclays verknüpft sein hochgesetztes Kursziel ausdrücklich mit einem Gerichtstermin am 14. September, der Hinweise auf einen möglichen Vergleich liefern könnte.
Solange die juristische Unsicherheit bei Glyphosat nicht abgebaut ist, bleibt ein struktureller Bewertungsabschlag im Kurs verankert – unabhängig davon, wie gut Crop Science operativ läuft oder wie viele FDA-Zulassungen die Pharmasparte einsammelt.
Bullisches Szenario
Sollte der Gerichtstermin am 14. September in Richtung einer Verhandlungslösung oder einer für Bayer günstigeren Rechtsprechung deuten, wäre der Weg zu einer Neubewertung frei – genau das unterstellt Barclays mit dem Kurszielsprung auf 70 Euro.
Gleichzeitig liefert Sevabertinib mit einer Gesamtansprechrate von 75 Prozent in der zugrunde liegenden Studie ein handfestes Argument für die Pharma-Pipeline, auch wenn die endgültige Zulassung noch von der bestätigenden Phase-III-Studie SOHO-02 abhängt.
Bei Crop Science hat das Management die Fünfjahresziele bekräftigt und den Weg dorthin präzisiert, was Boucher-Ferte als Signal wertet, dass die operativen Risiken abnehmen.
Mit einem RSI von 52,4 zeigt der Kurs technisch keine Überhitzung, es wäre also Raum für eine Fortsetzung der Erholung, die die Aktie seit dem 52-Wochen-Tief von 25,78 Euro im vergangenen November bereits um rund 90 Prozent nach oben getragen hat.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt genau spiegelbildlich: Bleibt der Gerichtstermin am 14. September ohne klares Signal oder fällt er zulasten Bayers aus, dürfte der Glyphosat-Komplex die Aktie weiter als Klotz am Bein begleiten – auch bei guten Pharma- und Agrarnachrichten.
Zudem bleibt die Zulassung für Sevabertinib „beschleunigt“ und damit an Bedingungen geknüpft: Der Fortbestand hängt von der Bestätigung in SOHO-02 ab, ein Rückschlag dort wäre ein Warnsignal, wie es die Konkurrenz gerade erlebt – Novartis mit dem gescheiterten Phase-III-Programm zu Del-desiran zeigt, wie schnell Analysten bei enttäuschenden Studienergebnissen Ratings kappen. Hinzu kommt ein makroökonomisches Gegenwind-Szenario: Die EZB hob am heutigen Donnerstag den Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr auf 2,50 Prozent an, während der Ölpreis über die Marke von 100 US-Dollar je Barrel gestiegen ist.
Ein raueres Zinsumfeld verteuert Bayers weiterhin hohe Schuldenlast und dämpft tendenziell die Bewertungsspielräume für Kurszielanhebungen wie jene von Barclays.
Ausblick
Solange die Glyphosat-Frage offen bleibt, dürfte die Aktie in der Bandbreite zwischen dem 50-Tage-Durchschnitt bei 48,67 Euro und dem 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro pendeln, ohne dass Pharma- oder Agrarnews allein einen nachhaltigen Ausbruch erzwingen. Kippt die juristische Lage am 14. September zugunsten Bayers, dürften die Kursziele von 60 bis 70 Euro schnell an Relevanz gewinnen.
Bleibt ein klarer Fortschritt aus, dürfte der Rechtsstreit die Bewertung weiter deckeln, selbst wenn die Q3-Zahlen am 3. November solide ausfallen sollten. Anleger sollten daher den Gerichtstermin in der kommenden Woche als eigentlichen Schlüsseltermin einstufen – noch vor der nächsten Quartalsbilanz.
Bayer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Bayer-Analyse vom 10. September liefert die Antwort:
Die neusten Bayer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Bayer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 10. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Bayer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




