BayWa Aktie: 2,7 Milliarden Euro Finanzierungslücke

Der Agrarkonzern BayWa sieht sich mit Ermittlungen, einer BaFin-Rüge und Aktionärsklagen konfrontiert, während die Sanierung des hochverschuldeten Unternehmens stockt.

Die Kernpunkte:
  • Ermittlungen gegen Ex-Vorstände wegen Untreue
  • BaFin rügt verschwiegene Kreditdetails im Lagebericht
  • Kanzlei bereitet Schadensersatzklagen für Aktionäre vor
  • Sanierungsplan hängt an Zustimmung der Banken

Staatsanwaltschaft, Finanzaufsicht und Aktionärsklagen — BayWa kämpft an drei Fronten gleichzeitig, während die Sanierungsuhr tickt. Der Münchner Agrarkonzern muss bis 2028 vier Milliarden Euro entschulden. Bislang fehlt der entscheidende Beitrag.

Ermittlungen, Rüge, Klagen

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen die früheren Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger — Verdacht auf Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023. Im Januar gab es Hausdurchsuchungen. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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Parallel hat die BaFin BayWa formal gerügt: Das Unternehmen hatte wesentliche Details zu einem milliardenschweren Kredit im Lagebericht 2023 verschwiegen und Refinanzierungsrisiken einer großen Anleihe nicht offengelegt. Das zieht ein berufsaufsichtsrechtliches Verfahren der Prüferaufsicht Apas gegen Abschlussprüfer PwC nach sich, der für den Zeitraum ein uneingeschränktes Testat erteilt hatte. BayWa prüft nun eigene Schadensersatzansprüche gegen PwC und hat das Prüfungsmandat ab 2026 neu ausgeschrieben.

Obendrein bereitet die Kanzlei TILP Schadensersatzklagen für Aktionäre vor, die BayWa-Papiere zwischen Januar 2022 und Januar 2026 gehalten haben — gerichtet gegen das Unternehmen, frühere Vorstandsmitglieder und PwC.

Sanierungslücke und der T&G-Joker

Der rechtliche Druck trifft einen Konzern in echter Notlage. Die Finanzierungslücke beläuft sich auf 2,7 Milliarden Euro — entstanden, nachdem gestrichene US-Subventionen die Bewertung der Erneuerbaren-Energien-Projekte einbrechen ließen und der geplante Verkauf der Energiesparte scheiterte. Bisherige Transaktionen, darunter der Cefetra-Verkauf, haben Schuldenreduktionen von 1,3 Milliarden Euro gebracht.

Als letzter großer Aktivposten gilt die Beteiligung an T&G Global, dem Obstgeschäft mit Apfelmarken wie Envy und Jazz. Goldman Sachs begleitet den Verkaufsprozess der knapp 74-prozentigen Mehrheit. T&G erzielte 2024 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar und kehrte mit einem Nettogewinn von 16 Millionen US-Dollar in die Gewinnzone zurück — kein Sanierungsfall, sondern ein attraktives Asset. Allerdings bremst die Hongkonger Minderheitsaktionärin Joy Wing Mau Group den Prozess, und Analysten rechnen mit Erlösen von rund 300 Millionen Euro. In die milliardenschwere Lücke zahlt das kaum spürbar ein.

Alles hängt an zwei Banken

Das eigentliche Schicksal des Sanierungsplans liegt bei DZ Bank und HVB. Beide müssen einer Verlängerung der Stillhaltevereinbarung bis Herbst 2026 zustimmen — ohne ihre Zustimmung verliert der im Mai 2025 finalisierte StaRUG-Plan seine rechtliche Grundlage. Das neue Sanierungskonzept, das bis Mitte 2026 vorliegen soll, ist hart: Gläubiger sollen auf rund eine Milliarde Euro Schulden verzichten, rund 1.300 Stellen abgebaut und der Umsatz bis 2028 auf 10 Milliarden Euro halbiert werden.

Vorständin Marlen Wienert meldet, die Liquidität habe den höchsten Stand seit Krisenbeginn erreicht. Die Zahlen des Dreivierteljahres 2025 zeigen indes das Ausmaß der Krise: Umsatz minus 22 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro, Konzernjahresfehlbetrag 1,6 Milliarden Euro. An dieser Messlatte wird die bevorstehende Quartalsmitteilung gemessen — und sie dürfte den Ton für die entscheidenden Bankengespräche im Herbst setzen.

Die Aktie notiert bei 12,95 Euro, rund 40 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, mit einer annualisierten Volatilität von fast 94 Prozent. Das Papier bewegt sich damit weiterhin deutlich unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 16,11 Euro — ein Niveau, das zuletzt weit entfernt wirkt.

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